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Stormarn Bürgerinitiative Pro Reinfeld: „Unser Radwegnetz ist eine Katastrophe“
Lokales Stormarn Bürgerinitiative Pro Reinfeld: „Unser Radwegnetz ist eine Katastrophe“
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11:31 21.10.2019
Joachim Dumke (v.l.), Ulrike Liese und Ina Lochte sind von der Bürgerinitiative Pro Reinfeld. Sie möchten sich für ein verbessertes Radwegnetz in Reinfeld einsetzen. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

„Ich sag es mal deutlich: Die Situation für Radfahrer in Reinfeld ist beschissen.“ Ulrike Liese von der Bürgerinitiative Pro Reinfeld macht ihrem Unmut über das Radwegenetz in Reinfeld Luft. Während der Stormarner Stadtradel-Kampagne im Sommer 2019 sei den Mitgliedern von Pro Reinfeld aufgefallen, wie unbequem und unsicher man sich in der Karpfenstadt per Fahrrad bewegen müsse.

„Ständig von zu dicht vorbeifahrenden Autos bedroht muss man sich teils um tiefe Gullys oder Schlaglöcher herumschlängeln“, beschwert sich Liese. „Dass Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule bringen, anstatt sie radeln zu lassen, ist verständlich. Für uns erwachsene Radler ist die Verkehrssituation unangenehm, für Kinder dagegen regelrecht lebensbedrohlich.“

Schlemmer-Route für Touristen

Seit wenigen Wochen gibt es eine Umleitung für den Radverkehr an der B 75. Sie führt über den Kalkgraben, die Heimstättenstraße, den Eichberg, den Lokfelder Damm über den Bahnübergang mit Treppenaufstieg und Umlaufsperren zur Voßfelder Straße. Die Initiative Pro Reinfeld hält vom Streckenverlauf gar nichts. „Gäste der Stadt Reinfeld werden sehr stiefmütterlich behandelt und an der Stadt vorbeigeführt“, beklagt Ulrike Liese.

Die Initiative schlägt eine Alternativstrecke vor, die Tagesgäste in die Stadt führen soll: Vom Kalkgraben führt die Tour zur Hamburger Straße, wo die Bäckerei Rohlfs die erste Station für einen Kaffee sein könnte. Weiter geht’s über die Klosterstraße zur Seepromenade, wo eine weitere Rastmöglichkeit mit Fischbrötchen am Fischhaus wartet. Anschließend könnten Besucher über die Matthias-Claudius-Straße in die Paul-von-Schoenaich-Straße abbiegen, wo vielseitige Genuss- und Shoppingmöglichkeiten warteten. Vom Kreisverkehr schlägt Pro Reinfeld zwei alternative Routen vor: Über die Mahlmannstraße und Zuschlag zurück zur B 75 oder über den Bischofsteicher Weg, Altenfelder Weg und Bruhnkaten nach Ratzbek zur B 75. Ulrike Liese: „Außerdem wäre eine Aufladestation für E-Bikes in der Nähe der Sparkasse eine tolle Sache.“

Gefahrenstelle an der Bahnschranke

Die Sprecherin der Bürgerinitiative nennt dafür gleich mehrere Beispiele. Gefährlich sei es etwa bei den Bahnschranken am Zuschlag. „Die Schranken sind geschlossen, ich möchte Richtung B 75 fahren. Die Schranken gehen hoch, die Autos fahren los in beide Richtungen, für Radfahrer bleibt kein Platz auf der Fahrbahn.“ Sie würden einfach weggedrängt. Das sei auch der Grund, warum die meisten Radler an dieser Stelle verbotenerweise den Bürgersteig nutzten. „Man muss sich nur mal eine Mutter mit Kind und Anhänger vorstellen. Wie soll die sich an dieser Stelle durchmanövrieren?“

Ulrike Liese von Pro Reinfeld ist viel mit Fahrrad unterwegs. Sie hat schon ein paar brenzlige Situationen erlebt. Quelle: Britta Matzen

Riskant ist es für Radfahrer auch an der Klostermauer. „Wenn ich Richtung Stadt unterwegs bin, ist da eine Kurve. Als Radfahrer fährt man schon dicht an der Kante. Die Autofahrer überholen einen, dann kommt Gegenverkehr.“ Ulrike Liese hat hier schon eine sehr brenzlige Situation erlebt. „Mein Mann und ich fuhren an der Klostermauer entlang und wurden von einem VW-Bus überholt. Die Straße war nass, dann kam Gegenverkehr. Der Bus musste bremsen und stand plötzlich quer.“ Um ein Haar wäre das Ehepaar Liese mit dem Van zusammengestoßen.

Fahrradstraße im Zentrum Reinfelds

Am schlimmsten sei die Paul-von-Schoenaich-Straße. „Da wird in zweiter Reihe geparkt wie irre.“ Die Bürgerinitiative Pro Reinfeld schlägt deshalb vor, diesen Gefahrenpunkt in der Stadtmitte in eine Fahrradstraße umzuwandeln. „Fahrradfahrer haben dann Vorrang und Autos dürfen nur auf ausgewiesenen Parkplätzen parken. Damit würde man schon eine Beruhigung reinkriegen. Und für Schulkinder, die dort zu Fuß die Straße queren, wäre es auch übersichtlicher.“

Zur sicheren Nutzung der Fahrbahnen auf den Hauptverkehrsstraßen hält Pro Reinfeld gekennzeichnete Schutzstreifen für Radfahrer unabdingbar. Diese schlagen sie für folgende Straßen vor: Heckkaten, Bolande, Segeberger Straße, Weizenkoppel, Am Zuschlag, Mahlmannstraße, Paul-von-Schoenaich-Straße, Bahnhofstraße, Kreisverkehr, Holländer Koppel, Barnitzer Straße, Im Weddern, Feldstraße und An der Autobahn.

Schutzstreifen für Radler in Bad Oldesloe

So sehen die Schutzstreifen für Radfahrer aus, wie hier in Bad Oldesloe vor dem Kreisverkehr am Kurpark. "Schutzstreifen sind sicherer als Radwege", weiß Reiner Hinsch vom ADFC. Quelle: Britta Matzen

In Bad Oldesloe hat man mit Schutzstreifen für Radfahrer gute Erfahrungen gemacht. In der Hamburger Straße, Grabauer Straße und vor dem Kurpark-Kreisverkehr wurden auf den Fahrbahnen gestrichelte weiße Linien für Radfahrer gezogen. „Das sind grundsätzlich gute Lösungen, die man hier gewählt hat“, sagt Reiner Hinsch, Vorsitzender des Fahrradvereins ADFC Kreisverband Stormarn. „Fahrradwege werden bei Schnee oder Eis sehr viel später geräumt als die Straßen. Radwege werden meist gar nicht gereinigt, wenn im Herbst Laub fällt. Das ist auf dem Schutzstreifen viel besser, da sind wir nämlich auf der ganz normalen Fahrbahn, und die wird als allererstes geräumt“, so Hinsch.

Zudem seien Radfahrer dort immer im Sichtfeld des Autoverkehrs. „Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, an einem Unfall beteiligt zu sein, ist auf dem Schutzstreifen geringer als auf einem Radweg, der separat geführt wird. Dort hat man in Kreuzungsbereichen Verschwenkungen, außerdem gibt es die vielen Aus- und Einfahrten, wo es zu Unfallschwerpunkten kommt.“

Hinschs Fazit: Im Regelfall sind Schutzstreifen Radwegen vorzuziehen. „Einen Schutzstreifen kann man immer dann auf der Fahrbahn aufbringen, wenn für die normale Straße in beide Richtungen zusammen 4,50 Meter übrig bleiben.“ Der Schutzstreifen müsse mindestens 1,20 Meter breit sein.

Gewerbegebiet: Radfahrer teilen sich Straßen mit Schwerlastverkehr

„Investitionen in den Radverkehr sind immer eine gute Sache. In der heutigen Zeit des Klimaschutzes umso wichtiger“, betont Hinsch. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob Reinfeld das Thema überhaupt auf der Pfanne hat.“ Wenn es ums Radfahren gehe, diskutierten die Verantwortlichen meist um den Kalkgraben und den fehlenden Radweg an der B 75.

Der ADFC-Experte sieht aber noch ganz andere Probleme. So ist Hinsch zum Beispiel aufgefallen, dass es Radfahrern schwer gemacht werde, das Gewerbegebiet an der Autobahn zu erreichen. „Als man die Straßen angelegt hat, hat man an den Radfahrer ganz wenig gedacht. Der muss sich die Straßen mit dem Schwerlastverkehr teilen, weil es nirgends einen Radweg gibt. Das ist etwas unglücklich gelöst. In Reinfeld muss man auf jeden Fall in allen Ecken noch was für den Radverkehr machen“, so die Einschätzung des ADFC-Vorsitzenden.

Eine Reaktion aus dem Rathaus hat es schon gegeben, weil sich Pro Reinfeld für Radfahrer starkmacht. Ulrike Liese: „Ich habe von Bürgermeister Heiko Gerstmann eine Email bekommen. Die Radwegnetz-Problematik kommt in den nächsten Bauausschuss. “ Der Termin ist noch nicht bekannt gegeben.

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Die B-75-Umleitung für Radler in Bildern

Von Britta Matzen

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