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Stormarn Probleme bei der Müllabfuhr dauern bis September
Lokales Stormarn Probleme bei der Müllabfuhr dauern bis September
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20:10 26.06.2018
Ärgerlich: Seit Wochen prägen volle Mülltonnen das Straßenbild in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg. Quelle: Foto: Ln-Archiv
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Reinbek

„Zwar gibt es eine Stabilisierung beim Subunternehmen in Geesthacht, der Rückstand baut sich derzeit aber noch weiter aus“, erklärte AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel. Am Dienstag waren mehrere Bürgermeister aus Südstormarn sowie Kissel zu einem Informationsgespräch in Reinbek zusammen gekommen. Denn zu dem eigentlichen Müllproblem kommt auch der Unmut der Bürger, den vor allem die Verwaltungschefs zu spüren bekommen. Kissel bemühte sich zum einen, Maßnahmen zur Lösung des Problems vorzustellen, und zum anderen, Erklärungen dafür abzugeben, wie es so weit kommen konnte. Schuld seien die Grippe, zu niedrige Löhne, der Mangel an Fahrern sowie die knappe Personalkalkulation des Subunternehmens, das zuvor zehn Jahre lang einwandfrei Restmüll- und Biotonnen in beiden Kreisen entsorgt hat.

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Dirk Petersen, Dennis Kissel, Rainhard Zug, Björn Warmer und Thomas Schreitmüller tauschten sich zur Müll-Problematik aus. Quelle: Foto: Bettina Albrod

„Im April gab es bei dem Unternehmen 30 Krankheitsfälle durch die Grippe“, so Kissel. Dadurch hätten die übrigen Mitarbeiter mehr arbeiten müssen. Da andere Abfallentsorger beispielsweise in Hamburg deutlich höhere Gehälter zahlten, hätten viele gekündigt, um dort zu arbeiten. „Der Subunternehmer ist dadurch in Personalschwierigkeiten gekommen“, so Kissel weiter, habe ihn aber nicht darüber informiert. Das Problem sei jetzt bekannt, aber es sei schwer, Lösungen zu finden. Derzeit habe die AWSH 18 bis 19 Fahrzeuge des Subunternehmens draußen, nötig wären 27 Fahrzeuge.

„Müllautos sind schwer zu kriegen“, sagte Kissel, „wir haben alle Abfuhr-Betriebe angefragt.“ Hamburg stellt nun drei Wagen zur Verfügung, Lübeck hat am Sonnabend mit zehn Wagen für Sonderschichten ausgeholfen. Auch der Zweckverband Ostholstein hat Sonnabend Müll abgefahren, weitere zwei bis vier Müllautos stellt Firma Damm sonnabends zur Verfügung. „Vier eigene Fahrzeuge haben wir mit sieben AWSH-Mitarbeitern aus der Eimerauslieferung besetzt.“ Aus Rumänien sei ein Angebot von zehn Fahrern gekommen. Da der Fahrermarkt leer sei, sei es schwer, weitere Fahrer für Müllautos zu bekommen.

„Das Gehalt der Fahrer ist von vorher 2200 Euro auf jetzt 2700 Euro angehoben worden, Lader bekommen nun 2500 Euro“, führte Kissel aus, „dadurch sind einige Mitarbeiter wieder zurück gekommen.“ Neue Fahrer würden sich nicht auskennen, so dass sie weniger effektiv seien als die Mannschaften vorher.

Dem Subunternehmen zu kündigen, sei auch keine Lösung, weil es keine Alternative gebe. „Aufträge zur Müllentsorgung müssen EU-weit ausgeschrieben werden, das ist ein langfristiges Verfahren.“

Entsorger zum Überbrücken würden wesentlich teurer werden. Die einzige Lösung sei, Fahrer mit dem vorgeschriebenen Führerschein zu bekommen, die für das Unternehmen in Geesthacht arbeiten wollten.

Der Vertrag mit der Firma läuft im Februar 2021 aus.

„Das ist eine unbefriedigende Situation, die eher größer als kleiner wird“, urteilte Barsbüttels Bürgermeister Thomas Schreitmüller. Während man der AWSH keinen Vorwurf machen könne, kritisierte er die mangelnde Information für die Bürger. Bei der Hotline komme man nicht durch, und wer nicht internetaffin sei, bekomme keine Infos. Das, so Kissel, liege daran, dass erst 24 Stunden vorher feststehe, wo geleert werden könne.

Letzten Endes werde durch die aktuelle Situation die Frage aufgeworfen, ob die Abfallentsorgung von den Kommunen oder von der Wirtschaft geleistet werden solle. Auch die Auswirkung steigender Löhne für die Beschäftigten auf die Müllgebühren ist offen. Kissel nannte September als Zeitpunkt, an dem wieder Normalität herrschen könnte. Bis dahin soll der Entsorgungsstau abgearbeitet sein.

Von Bettina Albrod