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Stormarn Bombenentschärfung in Glinde: Ab 7.30 Uhr wird das Gebiet gesperrt
Lokales Stormarn

Probleme wegen Corona: So soll die Bombe am Freitag, 26.11., in Glinde entschärft werden

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06:42 26.11.2021
Zwischen Glinde und Oststeinbek ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden.
Zwischen Glinde und Oststeinbek ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Quelle: Uwe Zucchi/dpa/Symbolbild
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Glinde/Oststeinbek

Auf dem Acker eines Landwirts an der Möllner Landstraße zwischen Oststeinbek und Glinde ist eine 250 Kilogramm schwere britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Die Stadt Glinde wurde im Verlauf des Sonntags durch Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer informiert. Die Bombe soll am Freitag entschärft werden.

Dafür müssen rund 5000 Menschen in einem Radius von 1000 Metern um die Fundstelle ihre Wohnungen verlassen. Nach einem Bombenfund 2019 ist das die zweite Fliegerbombe, die bei Glinde gefunden wurde.

Metallsucher haben Bombe entdeckt

„Der Fund der Bombe ist dem Landwirt von Metallsammlern gemeldet worden, die mit einer Sonde unterwegs waren“, erklärt Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer. „Die Bombe liegt mit knapp 30 bis 40 Zentimetern nicht sonderlich tief.“ Die Vorbereitungen zur Entschärfung seien sofort angelaufen. „Wir haben am Freitag die Ortswehren, den Katastrophenschutz, das THW, den ASB und weitere Helfer vor Ort, es gilt ja auch, die Corona-Gefahr zu beachten.“ Ein Lagezentrum solle im Oststeinbeker Rathaus eröffnet werden. „Die Polizei wird über einen Liveticker die Entwicklung mitteilen, damit die Leute wissen, wann sie wieder zurück können.“ Durch die Sperrung der Hauptdurchgangsstraße werde es zudem zu Verkehrsproblemen kommen.

Das Bürgertelefon

Für Fragen rund um die Entschärfung und Evakuierung ist ein Bürgertelefon eingerichtet. Die Stadt Glinde informiert außerdem über die sozialen Netzwerke.

Bürgertelefon Glinde: 040/71 00 27 00, Donnerstag von 8 bis 20 Uhr und Freitag 6 Uhr bis Ende der Aktion.

Bürgertelefon Oststeinbek: 040/71 30 03 38 oder 040/71 30 03 63; für Menschen, die Hilfe bei der Beförderung brauchen, Telefon 040/71 30 03 74

„Wir fangen am Freitag um 7.30 Uhr mit der Absperrung des Gebietes an“, erklärt Glindes Stadtsprecherin Katharina Richter. Feuerwehrleute aus Glinde und Oststeinbek sowie Polizei aus Eutin werden die Aktion begleiten. Mit Drohnen wird anschließend kontrolliert, ob noch Bewegungen in den Sperrbezirken auszumachen sind.

Erst wenn sicher ist, dass sich niemand mehr im Sperrbezirk aufhält, fangen die Sprengmeister gegen 10 Uhr mit der Arbeit an. „2000 Menschen aus Oststeinbek und 3000 Menschen aus Glinde müssen aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen verlassen und werden, falls sie nicht bei Bekannten und Verwandten unterkommen, in Sammelunterkünfte gebracht.“

Corona verschärft die Evakuierung

Das stelle in diesem Jahr alle vor besondere Herausforderungen, denn aufgrund der Corona-Pandemie muss nicht nur die Bombe, sondern auch die Situation entschärft werden. So soll es möglichst wenige Kontakte geben. „Die Quartiere werden unter 3G-Bedingungen angeboten und es besteht Maskenpflicht“, so Katharina Richter. Wer keine Impfung, keine Genesung und keinen Test vorweisen könne, erhalte die Möglichkeit zu einem Test vor Ort. „In der Unterkunft gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.“

Sollten Betroffene in Quarantäne sein, werde sich der Kreis bei ihnen melden und sie bitten, sich an die Stadt Glinde beziehungsweise die Gemeinde Oststeinbek zu wenden, damit sie gesondert untergebracht werden könnten. „Wir wissen aus Datenschutzgründen nicht, wer in Quarantäne ist“, so Jürgen Hettwer. „Für Menschen in Quarantäne wird ein gesondertes Zelt aufgebaut, das hinterher desinfiziert wird.“

Vor zwei Jahren hatte schon einmal eine Bombe in Glinde entschärft werden müssen. Quelle: Christoph Leimig

Für die Unterbringung aller anderen stehen in Oststeinbek die Walter-Ruckert-Sporthalle und in Glinde die Turnhalle der Grundschule Tannenweg zur Verfügung. „Die Schule liegt anders als ursprünglich gedacht außerhalb des Sperrbezirks, so dass der Unterricht bis auf die Sportstunden weitergehen kann“, sagt Katharina Richter. In den Turnhallen werden Tische, Sitzgelegenheiten, Getränke und eine Betreuung vor Ort angeboten.

In diesem Fall seien anders als beim letzten Mal auch keine größeren Firmen von der Räumung betroffen. „Es geht dieses Mal um ein reines Wohngebiet, nur ein Edeka-Markt in Glinde und einige kleinere Geschäfte müssen schließen.“ Auch Bürgermeister Hettwer ist froh, dass keine Seniorenheime oder Krankenhäuser geräumt werden müssen.

Zünder soll gesprengt werden

Für die Entschärfung der Bombe hätten die Experten nach einer ersten Begutachtung eine Stunde angesetzt. „Die Sprengmeister sagen, die Lage sehe sehr gut aus und für die Entschärfung sei auch kein Spezialwerkzeug nötig. Allerdings wird es eine Sprengung vor Ort geben, sodass ein Knall zu hören sein wird, aber das ist kein Grund zur Sorge. Da wird der Zünder gesprengt“, kündigt Katharina Richter an. Nach erfolgreicher Sprengung sollen die Leute sofort in ihre Wohnungen zurückkehren können. Die Fliegerbombe ist laut Hettwer eine einfache Bombe mit Aufschlagzylinder. Sie ist derzeit mit einer Metallplatte und Sand bedeckt und optisch nicht zu erkennen.

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Glinde hat eine militärische Geschichte: 1936 hatte Adolf Hitler in Glinde ein Kurbelwellenwerk für Flugzeugmotoren und ein Heereszeugamt bauen lassen. Am 6. Oktober 1944 hatte ein Bomberverband von 100 amerikanischen Langstreckenbombern das Gelände als Ziel. 80 Prozent des Heereszeugamtes Glinde wurden bei dem Angriff zerstört. Rund 300 schwere Bomben von 500 bis 1000 Kilogramm und etwa 3500 Stabbrandbomben sollen damals abgeworfen worden sein. Nach dem Krieg war das ehemalige Heereszeugamt bis 1969 vom britischen Militär und ab da bis 2005 als Gerätehauptdepot der Bundeswehr genutzt worden.

Von Bettina Albrod