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Stormarn Protest gegen höhere Hundesteuer
Lokales Stormarn Protest gegen höhere Hundesteuer
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18:10 22.11.2017
Karin Schonvogel mit ihrem Mischlingsrüden Willi ist auch gegen die Erhöhung der Hundesteuer in Bad Oldesloe.
Karin Schonvogel mit ihrem Mischlingsrüden Willi ist auch gegen die Erhöhung der Hundesteuer in Bad Oldesloe. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Folgt das Gremium der Empfehlung des Finanzausschusses, so zahlen Hundehalter in Bad Oldesloe ab dem 1. Januar 2018 mehr für ihre Vierbeiner. Beim ersten Hund würde die jährliche Abgabe so von 100 auf 120 Euro ansteigen, beim zweiten von 130 auf 150 und bei jedem weiteren von 140 auf 160 Euro. Tritt die Erhöhung tatsächlich in Kraft, ist Bad Oldesloe kreisweit Spitzenreiter bei der Hundesteuer. 

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Die Stadtverordneten tagen am Montag, 27. November, ab 19.30 Uhr im Saal des KuBs. Außer der Hundesteuersatzung stehen die Grundsteuern, der Neubau des Waldorfkindergartens, der Stellenplan 2018 sowie eine Satzung zur Vermeidung von Abfall bei Veranstaltungen in der Stadt auf dem Programm.

Im Vergleich

In Ahrensburg kostet der erste Hund 80 Euro, der zweite 100 Euro, in Bargteheide 90/120 Euro, Reinfeld: 110 Euro/136 Euro. Schlusslicht ist Trittau mit 27,50/30 Euro

„Das ist definitiv zu viel. Wer zwei Hunde hat, ist gleich ganz schlecht dran und zahlt 270 Euro“, sagt Karin Schonvogel, die selbst einen Tibet-Terrier-Mischling namens „Willi“ an ihrer Seite weiß.

In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis seien die Hundehalter deshalb alle besorgt bis sauer. Die älteren unter ihnen mit kleiner Rente treffe eine solche Erhöhung gleich doppelt hart. „Viele von ihnen sind alleinstehend und deshalb einsam. Für sie hat der Hund den Stellenwert eines Lebenspartners“, sagt die Oldesloerin.

Sie hält die Besteuerung von Tieren ohnehin für eine aus der Zeit gefallene Abgabe, die aus dem Mittelalter stammt. „Die Bauern mussten sie an ihre Fronherren abgeben, wenn sie ihre Hunde nicht für die Jagd zur Verfügung stellen wollten“, berichtet die Oldesloerin. Inzwischen habe sich das Verhältnis zu Tieren in der Gesellschaft zum Glück grundlegend verändert. Sie würden nun als Mitgeschöpfe betrachtet. „Und Freunde besteuert man nicht wie Autos oder Zigaretten“, sagt Karin Schonvogel.

„Zunächst muss man leider feststellen, dass hinter Steuern nie eine Gegenleistung steht“, stellt wiederum Bernd Köpke, Vorstandsmitglied des Vereins Deutscher Schäferhunde in Bad Oldesloe, fest. Das Geld fließe in die allgemeine Kasse und müsse nicht zweckgebunden ausgegeben werden. Umso größer sei aber der Frust, den Tierfreunde schieben, wenn sich die jährliche Abgabe erhöhe. „Denn hunde-unfreundlicher als Bad Oldesloe kann eine Stadt schon gar nicht mehr sein“, ergänzt Köpke. Tütenspender seien in ganz Bad Oldesloe kaum auffindbar. Hinzu komme, dass es für Vierbeiner keine Auslaufmöglichkeiten gebe. „Die Stadt tut einfach viel zu wenig für Hundehalter. Wir haben offenbar keine Lobby“, sagt Köpke.

Nach Auffassung von Hundetrainerin Maike Harms sendet die Politik zudem ein falsches Signal aus, wenn sie Halter dazu vergattert, für ihre Vierbeiner künftig noch tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Das trage zum allgemeinen Unmut bei. „Dabei hat der Marketing-Verein schon so viel Positives für das Image der Stadt getan, dass sich nicht nur Besucher, sondern auch die Bewohner in Bad Oldesloe wieder wohler fühlen“, sagt sie. Eine solche Entscheidung mache diese Entwicklung ein Stückweit wieder zunichte. Hundehalter fühlten sich angegriffen, abgesehen davon, dass eine Erhöhung um 20 Euro für viele Rentner schon ein großer Batzen sei.

Janna M. Müller, Inhaberin der Hundeschule Sitz-Platz-Komm in Bad Oldesloe, gibt zu bedenken, dass die Besteuerung von Hunden generell umstritten ist. Deutschlandweit rege sich Protest dagegen. Das Beispiel der Gemeinde Tangstedt zeige, wie kippelig die Rechtslage sei. Der Versuch, dort eine Pferdesteuer einzuführen, sei von der Landesregierung Schleswig-Holstein vereitelt worden.

Dieses Beispiel vor Augen hält es auch Karin Schonvogel nicht für unmöglich, dass die Oldesloer Stadtverordneten doch noch zu einer anderen Entscheidung gelangen. Auch sie wird sich mit „Willi“ am Montagabend vor dem KuB einfinden und demonstrieren, wenn die Stadtverordneten dort tagen.

 Dorothea von Dahlen