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Stormarn Mit 500 Schokoladentafeln aufs Fahrrad
Lokales Stormarn Mit 500 Schokoladentafeln aufs Fahrrad
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07:00 26.10.2019
Essen auf Rädern einmal anders: Die Schokolade wurde von Amsterdam nach Lübeck geradelt. Quelle: Becker/hfr
Reinbek

Joachim Becker aus Reinbek ist Schokofahrer. Damit gehört er zu einer Gruppe von Lastenradlern, die dazu beitragen, Ware aus Kakaobohnen, die emissionsfrei aus Südamerika gebracht werden, weiterhin emissionsfrei in Europa zu transportieren. Dafür radeln die Teilnehmer in privat organisierten Touren in die Niederlande. Gerade ist die norddeutsche Gruppe mit 2000 Tafeln Schokolade zurück aus Amsterdam, und Becker hat erstmals auch Lübeck beliefert.

Radelnde Spediteure für den Klimaschutz

Den Grundstein zu der Idee legten drei Segelbegeisterte, die die Idee hatten, einen ehemaligen Kriegsfischkutter so umzubauen, dass es als Teil einer emissionsfreien Handelskette fair gehandelte Produkte ausschließlich unter Segeln aus der Karibik nach Europa bringen kann. Seit 2010 transportiert die „Tres Hombres“ Olivenöl aus Portugal, Kaffee aus Brasilien und Kakaobohnen aus der Dominikanischen Republik zu einem Start Up-Unternehmen in Amsterdam. Dort haben zwei Männer im Hafengelände die Firma „Chocolatmakers“ gegründet, in der sie die klimafreundlich herbei gesegelten Kakaobohnen zu Schokoladentafeln machen, die umweltfreundlich in Maisfolie verpackt und anschließend von Freiwilligen per Lastenrad an Kunden geliefert werden.

Joachim Becker ist Schokofahrer. Quelle: Bettina Albrod

„Vor zwei Jahren hatten vier Studenten aus Münster die Idee, die Schokolade mit dem Lastenrad auch nach Deutschland zu holen“, erzählt Joachim Becker. „Damit wollten sie die umweltfreundliche Lieferkette fortsetzen.“ Sie bauten in Münster mit Hilfe des ADFC den ersten kostenlosen Lastenradverleih auf, der sich aber wirtschaftlich nicht halten ließ. Deshalb wandten sie sich an Händler, die die emissionsfrei transportierte Schokolade aus Amsterdam bestellen und die die Schokofahrer dann mit dem Lastenrad abholen. „Bei der ersten Schokofahrt waren sie zu viert, bei der zweiten fuhren schon 35 Leute mit“, sagt Becker. „Sie sind radelnde Spediteure für den Klimaschutz.“

Bei der dritten Fahrt trat auch der Reinbeker für das Süße in die Pedale. „Man kann immer nur im Frühjahr oder im Herbst eine Schokofahrt machen, weil es sonst zu heiß für den Schokoladentransport wird“, sagt er. Inzwischen sind es rund 200 Menschen aus Berlin, Münster, Buchholz, Hamburg, Reinbek, Kiel und Flensburg, die sich im Norden verabreden und als Gruppe gemeinsam mit dem Lastenrad die Schokofahrt antreten. Auch Süddeutschland, die Schweiz und Österreich machen bei dem Projekt mit. Die Mitfahrer verfolgen keine kommerziellen Interessen und setzen sich für nachhaltige Mobilität ein.

120 Kilometer am Tag

Gerade ist Becker von der Oktober-Tour zurück. „Die Fahrt nach Amsterdam hat neun Tage gedauert, an denen täglich 100 bis 120 Kilometer geradelt werden“, erklärt der trainierte Radfahrer. Beim ersten Mal hatte er sich vergangenes Jahr das einzige kostenlose Lastenrad Hamburgs, kurz Klara, ausgeliehen, mittlerweile fährt er ein Leichtmodell, denn jedes Gramm zählt.

Die „Tres Hombres" ist unter Segeln unterwegs. Quelle: Archiv

20 Kilogramm Schokolade transportiert jeder Radler, Becker bringt es auf 30 Kilogramm – gut 300 Schokoladentafeln aus Amsterdam. „Vier Tage dauert die Hinfahrt, vier Tage die Rückfahrt, und das bei Wind und Wetter“ – 900 Kilometer hin und zurück von Hamburg nach Amsterdam. Übernachten können die Schokofahrer in alternativen Herbergen, auf dem Bauernhof oder auf dem Campingplatz, denn alle sind ehrenamtlich dabei. „Die meisten Mitfahrer sind über 40 Jahre alt“, hat Becker beobachtet, „es fahren aber auch zwei Studentinnen mit, von denen eine an den Lastenradmeisterschaften teilnimmt, und ein 83-Jähriger aus Hamburg.“ Energie ziehen sie unterwegs nicht aus der Schokolade, denn die Mengen sind vorbestellt und werden nach der Rückkehr an die Händler geliefert.

54 Kilo Schokolade für Lübeck

Vor wenigen Tagen hat Joachim Becker 54 Kilo Schokolade in Lübeck in einem Biomarkt abgeliefert, andere Tafeln gehen an einen Händler in Reinbek und ein Geschäft in Winterhude. Die Verpackung ziert ein Segelsymbol, das darauf hinweist, dass die Schokolade emissionsfrei nach Europa gereist ist. „Ich bin Alltags-Radfahrer, und ich finde die Idee sinnvoll“, begründet Becker, warum er Schokofahrer ist. „Außerdem ist es ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Erst wenn man einmal nach Amsterdam geradelt ist, ist man wirklich Schokofahrer.“ Die Fahrten würden mittlerweile auch mit kulturellem Beiprogramm und gehobener Übernachtung angeboten, es gibt sie aber auch als Express-Schokofahrt, die Tag und Nacht dauert und die Radler in zwei Tagen nach Amsterdam bringt.

Nicht ganz günstig

Die Schokoladen-Tafelnwiegen 90 Gramm und liegen in den Sorten 40 Prozent Kakao mit Meersalz oder 75 Prozent Kakao mit Schokostücken vor. Die Zutaten stammen aus biologischem Anbau. Im Handel werden sie zu einem Preis von drei bis vier Euro vor allem in Bioläden angeboten.

„Die Idee dahinter ist zum einen der emissionsfreie Transport, zum anderen der ökologische Fair-Trade-Prozess, der damit unterstützt wird“, sagt Becker. „Ein Schokofahrer wird Teil der Wertschöpfungskette von der Kakaobohne zur Schokoladentafel.“ Auch der Gedanke des bewussten Umgangs mit Lebensmitteln spiele eine Rolle. Inzwischen wird das Projekt im Rahmen einer Masterarbeit wissenschaftlich begleitet. Die Schokofahrer suchen ständig weitere Mitfahrer und wünschen sich auch Lastenradler aus Lübeck – dann braucht Becker nach 900 Kilometern nicht noch von Reinbek nach Lübeck zu radeln. Die nächste Tour startet Ostern 2020.

Ein Video einer Schokofahrt gibt es bei youtube.

Von Bettina Albrod

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