Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Reinfeld: Ärger um Toiletten-Notstand am Bahnhof
Lokales Stormarn Reinfeld: Ärger um Toiletten-Notstand am Bahnhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 03.12.2019
Die Mitglieder des Runden Tisches „Reinfelds Zukunft“ wünschen sich, dass der Bahnhof attraktiver wird. v.l. Megi Balzer, Werner Bastian, Eckhard Heidtke, Sabine Siebler, Dierk Topp. Auch Reinhard Dörge, stellvertretender Bürgermeister von Wesenberg (2.v.l.), möchte, dass am Reinfelder Bahnhof was passiert. Viele Bürger aus seiner Gemeinde sind Pendler. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Der Bahnhof in Reinfeld sorgt erneut für Ärger. „Als letztens Sturm war, stand ein Zug sechs Stunden hier. Die Fahrgäste sind herumgerannt und haben eine Toilette gesucht. Vergeblich“, schildert Megi Balzer vom Runden Tisch „Reinfelds Zukunft“. Männer und Frauen hätten sich schließlich rechts und links des Aufzugs angestellt und im Freien erleichtert. „Ich hätte den Leuten gerne angeboten, dass sie zu mir nach Hause kommen können. Aber ich kann ja nicht eine ganze Zugladung bei mir auf die Toilette gehen lassen“, sagt die Reinfelderin. Angesichts dieser Umstände sei sie fassungslos gewesen. „Wir sind im 21. Jahrhundert, eine Vorstadt von Hamburg und nicht hinter den sieben Bergen. Warum müssen das solche Zustände sein? Ich habe mich echt für Reinfeld geschämt.“

Kein stilles Örtchen am Reinfelder Bahnhof. Auch sonst sieht es dort in Sachen Service schlecht aus. Das Gebäude ist marode, Türen und Fenster sind verrammelt, der Kiosk hat dichtgemacht.

„Ich bin auch schon mal in die Büsche gegangen“

Auch Sabine Siebler kennt das Sanitärproblem. „Ich bin in Notsituationen, wenn die Bahn mal wieder ausfiel oder Verspätung hatte, auch schon mal in die Büsche gegangen.“ Das ergehe vielen Pendlern so, die nach Reinfeld kommen, um hier in die Bahn nach Hamburg zu steigen. „Dass ist doch echt krass und unverschämt, dass die Fahrgäste dazu gezwungen sind, ihre Notdurft draußen zu erledigen“, empört sich Balzer.

Das Bahnhofsgebäude gehört der Bahn. Vor vielen Jahren gab es mal öffentliche Toiletten im Bahnhofsgebäude, die Rampe hoch im linken Trakt. Dort sind die Türen aber seit Langem verschlossen. „Auf dem Wohnmobil-Parkplatz gibt es ein hochmodernes Klo, das nur wenige Urlauber nutzen. Warum ist es da möglich, aber nicht hier, wo so viele Menschen sind?“, fragt sich Dierk Topp. Es könne auch eine Lösung sein, bei der man Geld einwerfe, wie an der Autobahn, ergänzt Balzer.

Türen und Fenster sind verrammelt

Die Mitglieder des Runden Tisches haben in dieser Angelegenheit einen Brief an die Stadt aufgesetzt. Darin appellieren sie an die Stadtverwaltung, sich an die Bahn zu wenden und sich vehement dafür einzusetzen, den Reinfelder Bahnhof attraktiver zu gestalten. Dabei geht es den Mitgliedern des Runden Tisches nicht nur um die Einrichtung von sanitären Anlagen. „Es geht auch um das Gesamtbild des Bahnhofs, das ist ja einfach furchtbar“, sagt Werner Bastian.

Türen und Fenster sind verrammelt, der Putz bröckelt, die Fassade hat Risse, Moos und Unkraut sprießen. „Das alte Bahnhofsgebäude vermittelt einen erschreckenden Eindruck des Verfalls“, schreibt Megi Balzer im Namen des Runden Tisches. Ankommende hätten nicht den Eindruck, dass sie in einer lebendigen und offenen Stadt gelandet seien, die etwas zu bieten habe.

Umfeld wird nach Brückenbau neu gestaltet

Bürgermeister Heiko Gerstmann weist darauf hin, dass das Umfeld des Bahnhofs im Zuge der Baumaßnahmen zur Bahnhofsbrücke neu gestaltet werde. Das Bauwerk soll 2024 fertig sein, wenn alles nach Plan läuft. „Wenn wir die Brücke fertig haben, werden wir die Parkplätze pflastern, die Fahrradstellplätze neu sortieren, die Bushaltestelle in die Ladestraße verlegen. Alles Mögliche ist in den nächsten Jahren angedacht. Aber im Moment wollen wir an dieser Stelle möglichst wenig ausgeben, um möglichst wenig Geld zu verbrennen.“

Der Bürgermeister will aber gerne Kontakt zur Bahn aufnehmen, um auf die Misere aufmerksam zu machen. „Ich kann sie noch mal bitten, tätig zu werden, aber ich kann die Bahn nicht zwingen.“ Gerstmann sagt, dass er die Bahn schon mehrfach bezüglich der Bahnhofssituation kontaktiert habe. Man brauche sich davon jedoch nichts zu versprechen.

„Öffentliche Toiletten sind höchst defizitär“

Alternativ könne die Politik für Toiletten stimmen. „Aber das kostet 150 000 Euro, und öffentliche Toiletten sind höchst defizitär“, sagt der Bürgermeister. Angesichts der Haushaltslage hält Gerstmann diese Möglichkeit für wenig realistisch. Im Grunde genommen müsse man an das Land und den Bund herantreten, so der Hinweis von Werner Bastian. „Denn von dort müssen die Zuschüsse kommen.“

Hier lesen Sie mehr zum Thema:

Parkplatz am Reinfelder Bahnhof sorgt für Ärger Warum der Reinfelder Bahnhof verkommt

Von Britta Matzen

Mit einem vorgetäuschten Unfall gelang es unbekannten Tätern, von einem 87-jährigen Klein Wesenberger eine fünfstellige Summe zu erbeuten. Er gab das Geld einer jungen Frau in dem Glauben, seiner Tochter zu helfen.

03.12.2019

Spannende Momente vor dem Bad Oldesloer Hospiz am Sandkamp. Dort wurden Dienstag der bunte Eisenbahnwaggon und die große Sumpf-Eiche fast zeitgleich angeliefert.

03.12.2019

Eine Landesinitiative strebt einen Volksentscheid an, um die Sicherheit des Wassers in Schleswig-Holstein klarzustellen. Sehr engagiert sind auch zwei Bürger aus dem Kreis Stormarn.

03.12.2019