Reinfeld: Rätselhaftes Fischsterben im Neuhöfer Teich
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Reinfeld: Rätselhaftes Fischsterben im Neuhöfer Teich

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20:00 14.01.2021
Rätselraten um Fischsterben: Hunderte verendete Weißfische trieben diese Woche auf dem Neuhöfer Teich in Reinfeld.
Rätselraten um Fischsterben: Hunderte verendete Weißfische trieben diese Woche auf dem Neuhöfer Teich in Reinfeld. Quelle: Reinfeld: Rätselhaftes Fischsterben im Neuhöfer Teich
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Reinfeld

Anfang der Woche wurden Bürger in Reinfeld aufgeschreckt. Im nördlichen Neuhöfer Teich trieben etliche tote Fische im Wasser – vor allem rund um den Einlauf der Bischofsteicher Bek. Sofort wurden die Behörden informiert. Die Polizei aus Reinfeld rückte an sowie der Umweltschutztrupp des Polizei-Bezirksreviers Bad Oldesloe und die Wasserbehörde des Kreises. Auch der Bauhof der Stadt war sogleich vor Ort.

Hunderte Fische trieben tot an der Oberfläche

Hunderte Weißfische, Plötze, Rotaugen und Rotfedern waren von dem Fischsterben betroffen. Viele trieben an der Oberfläche, teilweise waren sie auch auf den Boden des Teichs abgesunken, teilt die Umweltschutzpolizei mit. „Auf Anhieb konnten wir aber keine Ursache finden. Manchmal, wenn das Wasser gelb, grün oder blau ist, dann weiß man, da ist was drin. Das war hier aber nicht der Fall.“ Das Wasser sei optisch unverändert und geruchlos gewesen. Die Wasserbehörde des Kreises habe Proben vom Wasser genommen, tote Fische eingetütet und diese würden aktuell beim Landeslabor in Neumünster untersucht.

Der Neuhöfer Teich

Der Neuhöfer Teich zählt mit etwa 2,5 Hektar zu den kleineren Teichen Reinfelds.

Bis zum Herbst 2005 war der Neuhöfer Teich an einen Teichwirt verpachtet und wurde zur Aufzucht von Jungkarpfen genutzt. Die Nutzung als Karpfenaufzuchtgewässer wurde im Herbst 2005 mit dem Ablassen und Abfischen des Teiches eingestellt. Der Teich lag dann bis zur Sedimentumlagerung im Frühjahr 2007 trocken und ist seit Juni 2007 an den Oldesloer Anglerverein von 1935 e. V. verpachtet.

Zuläufe: Der Neuhöfer Teich hat insgesamt 11 Zuläufe (öffentlich und privat). Hauptzulauf ist die Bischofsteicher Bek.

Da die toten Fische fast ausschließlich im nördlichen Bereich des Neuhöfer Teichs gefunden wurden, wurde der Bereich des Zulaufs der Bischofsteicher Bek von den Beamten besonders in Augenschein genommen. „Wir sind den Bereich abgegangen, konnten jedoch keinen Hinweis auf eine Einleitung oder auf toxische Stoffe feststellen. Das ist auch schwierig. Man kann das zeitlich auch nur schwer eingrenzen. Man weiß nie, wie lange Fische am Sterben sind, bis es so eine Menge ist“, so ein Sprecher der Umweltschutzpolizei. Die Fische seien allem Anschein nach auch nicht erstickt. Zudem gebe es keine genehmigte Einleitung etwa eines Klärwerks, die ursächlich in Frage komme. Auszuschließen sei ebenso, dass angeschlossene Firmen etwas eingeleitet hätten. „So etwas gibt es dort nämlich nicht. Deshalb haben wir im Moment noch keinen Anfasser, in welche Richtung wir gehen oder wo wir weiter suchen können“, heißt es beim Umweltschutztrupp der Polizei. Auffällig sei gewesen, dass es sich fast ausschließlich um Jungfische gehandelt habe.

Behörden tappen über Ursache noch im Dunkeln

Besorgte Bürger hätten sogleich vermutet, dass Gülleeinleitungen für das Fischsterben verantwortlich sein könnten. „Das haben wir auch erst gedacht, aber das ist auszuschließen“, teilt die Umweltschutzpolizei mit. Im Moment sei Sperrzeit, es werde keine Gülle ausgebracht. Auch die Wasserbehörde des Kreises Stormarn tappt noch im Dunkeln, was die Ursache betrifft. „Die Ermittlungen laufen noch“, teilt der Fachdienst Wasserwirtschaft mit.

Rotaugen, Rotfedern, Plötze: Hunderte verendete Jungfische trieben Anfang der Woche auf dem Neuhöfer Teich in Reinfeld. Quelle: Jan Homeyer/HFR

Auch der Oldesloer Anglerverein, der die Fischereirechte für den Neuhöfer Teich von der Stadt Reinfeld gepachtet hat, wurde sofort über das massive Fischsterben informiert. „Besorgte Bürger, die dort spazieren gegangen sind, haben uns gleich Fotos geschickt“, berichtet Schriftwart Stefan Brecht. Der Verein habe umgehend die Kreiswasserbehörde in Kenntnis gesetzt.

Erhöhte Ammoniakwerte im Einlauf des Teichs

Bereits im März 2020 gab es im Neuhöfer Teich ein rätselhaftes Fischsterben. „Das war nach starken Regenfällen. Damals konnte nicht ermittelt werden, wer der Verursacher des Fischsterbens war“, so Brecht. Es gab Vermutungen, dass Gülleeinträge dafür verantwortlich waren. Aber das habe man nicht beweisen können. „Jetzt wird es keine Gülleeinspülung gewesen sein, vermutet die Kreiswasserbehörde, weil im Moment keine Gülle auf die Äcker ausgebracht wird. Was man aber festgestellt hat, waren erhöhte Ammoniakwerte im Einlaufbereich des Teichs“, berichtet Brecht. Außerdem habe die Kreiswasserbehörde ermittelt, dass die Fische keine aufgesperrten Kiemen und Mäuler hatten. „Das deutet darauf hin, dass sie nicht erstickt sind, sondern vergiftet wurden.“

Sind die Jungfische in der Bischofsteicher Bek gestorben?

Der Anglerverein hat bereits auch weitergehende Kenntnisse über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Demnach soll die Kreiswasserbehörde die Vermutung geäußert haben, dass die Fische nicht im Neuhöfer Teich verendet seien, sondern dass sie bereits in der zuführenden Bek gestorben und in der Folge mit dem Wasser des Bachs in den Teich gespült worden seien. Der Grund: Alle toten Fische seien im Bereich des Zulaufs der Bek gefunden worden. Die Größe der Fische unterstreiche diese Vermutung. „Es sind hauptsächlich Kleinfische gewesen, während im Teich selbst vorwiegend große Fische schwimmen: Karpfen, Hechte, Aale. Und die waren bisher nicht betroffen“, weiß Angler Brecht.

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Eintrag von Abwasser oder Gülle?

Auch die Vorsitzende des Nabu Reinfeld, Ivonne Stresius, ist vom Fischsterben alarmiert. „Ich weiß, dass Proben genommen wurden. Kreis und Land gucken da jetzt drauf. Letztes Jahr hatten wir das Problem schon einmal. Aber es ist immer sehr schwierig, im Nachhinein die Ursache zu finden.“ Was die Ammoniakwerte betreffe: „Ich müsste mir die Zahlen anschauen, um zu sehen, ob sie besorgniserregend sind.“ Ammoniak ist ein Abbauprodukt von Harnsäure. Das würde auf einen Eintrag von Fäkalien hindeuten, also Abwasser oder Gülle. Stresius rechnet allerdings nicht mit großen Erkenntnissen. „Montag wurde das Fischsterben festgestellt. Wenn man dann nicht sofort Proben nimmt, sondern erst Dienstag, ist natürlich schon alles durchgerauscht, gerade bei den Niederschlägen jetzt. So viel findet man dann nicht mehr.“

Wer ist der Verursacher?

Auch Reinfelds Bürgermeister Roald Wramp geht von einem Fremdeintrag aus. „Es wird kein grundsätzliches Problem im Neuhöfer Teich vermutet. Sondern irgendwo ist ein Eintrag von außen reingekommen, der das Fischesterben verursacht hat.“ Die Umweltabteilung der Polizei, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume sowie der Kreis Stormarn und die Umweltabteilung der Stadtverwaltung Reinfeld seien zusammen mit den Stadtwerken Reinfeld dabei, mögliche Ursachen zu prüfen. „Da ist natürlich die Frage, wo kommt das her. Da muss man schauen, ob man möglicherweise einen Schuldigen dafür findet“, sagt Wramp.

„Die toten Fische wurden zeitnah durch den städtischen Bauhof aus dem Gewässer entfernt, Gewässerproben sind bereits entnommen worden. Zudem wird das Gewässer engmaschig überwacht“, sagt Reinfelds Bürgermeister Roald Wramp. Quelle: Britta Matzen

Seitdem das Fischsterben Anfang der Woche aufgetreten ist, überwacht die Stadt das Gewässer engmaschig. „Mittwoch und Donnerstag gab es keine weiteren tote Fische“, sagt der Bürgermeister. Die verendeten Fische vom Wochenanfang seien sofort vom Bauhof rausgesammelt worden, damit nicht weitere Gefahren damit einhergingen. „Nicht, dass irgendwelche Katzen und Hunde damit durch die Gegend schleppen“, sagt Wramp.

Von Britta Matzen