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Stormarn Reinfeld feiert eine 100-Jährige
Lokales Stormarn Reinfeld feiert eine 100-Jährige
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18:10 04.04.2015
Am 6. April feiert Klara Schacht im Asklepios-Pflegezentrum Reinfeld ihren 100. Geburtstag. Quelle: Dreu
Reinfeld

Wer Klara Schacht ansieht und mit ihr redet, muss unweigerlich noch einmal nachfragen. Diese Frau wird wirklich 100 Jahre alt? Ja, wird sie, denn es war der 6. April 1915 während des Ersten Weltkrieges, als Klara in Trenthorst auf dem Gut Vossfelde das Licht der Welt erblickt hat. Ihren runden Geburtstag feiert sie Ostermontag im Asklepios-Pflegezentrum Reinfeld.

„Mein Vater war der Vogt auf dem Gut“, erzählt Klara Schacht, die ihre Kindheit als Klara Feddern auf dem Gut verbracht hat. Es fehlte nichts, und als junges Mädchen durfte sie sich sogar um die Zwillinge kümmern, zwei Mädchen des Sohnes des Gutsherrn. „Das waren Jagdunfälle, so sagte man früher“, fügt sie schelmisch hinter vorgehaltener Hand hinzu.

Ihren fünf Jahre älteren späteren Ehemann lernte sie in Reinfeld kennen — und zog mit ihm nach Lübeck. In Travemünde hatte ihr Mann während des Zweiten Weltkrieges dafür zu sorgen, dass die Bomber wieder fliegen konnten. Auf dem Priwall hat er für die Luftwaffe gearbeitet, sie war in einem Kindergarten tätig, bis Sohn Jürgen geboren wurde.

„In der Mengstraße haben wir gewohnt. Und während des Krieges waren bei Bombenangriffen immer Brandwachen auf dem Dachboden. Dort gab es Wasser und Sand, um schnell löschen zu können“, weiß sie zu berichten. Das Haus schräg gegenüber des Schabbelhauses steht heute noch. Es hat sogar die „Palmarumnacht“ überstanden, als die Bomber am 29. März 1942 unablässig ihre zerstörerische Last über Lübeck abwarfen. „Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, höre ich immer noch den Feuerwehrmann. Der war beim Löschen in die Flammen gefallen war. Das werde ich nie vergessen“, erzählt Klara Schacht.

Damals packte sie noch während der Bombenangriffe ihren kleinen Sohn in den Kinderwagen und deckte ihn mit nassen Tüchern zu, damit ihn keine Funken treffen konnten. „So bin ich dann zu Fuß über Zarpen nach Reinfeld gelaufen. Mein Mann blieb auf dem Priwall“, erinnert sich die alte Dame, die seinerzeit bei den Eltern Unterschlupf gefunden hat. Die Erinnerung an den Krieg macht ihr immer noch zu schaffen:. „Lieber ein ganzes Leben nur Wasser und Brot, als das noch einmal zu erleben.“

Gleich nach dem Krieg zog sie mit ihrer kleinen Familie nach Reinfeld. Zuerst wohnte sie in einer Kammer bei den Eltern, später in einem Reihenhaus im Fasanenstieg. Ihr Mann Heinrich, der zuletzt als Tüv-Prüfer gearbeitet hat, ist seit 26 Jahren tot, ihr Sohn Jürgen starb vor zwei Monaten. „Beide hatten Krebs“, erzählt Klara Schacht. Lange blieb sie allein im Fasanenstieg wohnen. Vor zehn Jahren allerdings, als ihr Haus und Garten zu viel geworden waren, spazierte sie in das Asklepios-Pflegezentrum, sah sich ein Zimmer an und beschloss zu bleiben.

In diesem Domizil wohnt sie heute noch. Die Angebote des Heims macht sie nicht mehr mit. „Das ist mir alles zu anstrengend“, sagte sie. Mitbekommen aber will sie noch alles. Deshalb steht den ganzen Tag die Tür von ihrem Zimmer auf. „Dann sehe ich ja, was los ist“, sagt die Greisin, die gerne Zeitschriften liest. Viele Gäste erwartet sie Ostermontag nicht, denn von ihrer Familie sind nicht mehr viele da. Der Bürgermeister von Reinfeld hat sich angesagt und Freunde von ihr werden kommen.

„Lieber ein ganzes Leben nur Wasser und Brot, als so etwas wie den Krieg noch einmal zu erleben
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„Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, höre ich immer noch den Feuerwehrmann, der in die Flammen fiel.“
Klara Schacht

Petra Dreu

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