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Stormarn Reinfeld führt Baulückenkataster ein
Lokales Stormarn Reinfeld führt Baulückenkataster ein
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16:15 04.09.2018
Die Luftaufnahme zeigt Reinfeld von oben. Bauland ist knapp, auch wenn es noch einige freie Grünflächen gibt.
Die Luftaufnahme zeigt Reinfeld von oben. Bauland ist knapp, auch wenn es noch einige freie Grünflächen gibt. Quelle: Manfred Giese
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Reinfeld

Die Wohnraumentwicklung in Reinfeld soll gefördert werden. Stefan Weber (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, schlug deshalb vor, eine digitale Baulücken- und Bauplatzbörse einzurichten. Diese soll im Netz für Jedermann einsehbar sein.

Baulücken-Verzeichnis im Netz

„Die Funktionsweise kann folgendermaßen beschrieben werden“, erläuterte Weber. Auf im Internet einsehbaren Karten verzeichne die Stadt Baulücken. Dieses Verzeichnis beinhalte auch Grundstücke, die nur teilweise bebaut seien und Raum für Hintergrundstücksbebauung böten. „Interessenten können sich an die Stadt wenden, die deren Kontaktdaten an die Grundstücksbesitzer weiterleitet. Sind die Eigentümer nicht an Anfragen interessiert, können sie dieses der Stadt mitteilen und werden in Zukunft nicht mehr kontaktiert.“ Die Eigentümer oder Bauherren blieben dabei anonym. Sinn und Zweck der Baulücken- und Bauplatzbörse: „Die Entwicklung des Innenbereichs wird gefördert und man wirkt einer Zersiedelung der Stadt entgegen“, zählte Weber die Vorzüge auf.

Innenstadt wird gefördert

Viele Städte nutzen mittlerweile das Instrument, auch vom Bundesumweltamt wird es zur Förderung der Innenstadtentwicklung empfohlen. Laut Weber skaliere der Aufwand mit der Größe der Stadt und sei somit in Reinfeld überschaubar. Die Verwaltung sah jedoch keinen Handlungsbedarf. Allein aufgrund der Größe Reinfelds, teilte die Stadt in der Sitzungsvorlage mit. Zudem gebe es ausreichend Bekanntmachungsmöglichkeiten für Verkaufswillige über die Medien und Makler. „Außerdem wird die Gefahr gesehen, in Konkurrenz mit den Maklern zu treten und sich in einem Geschäftszweig zu betätigen, der der freien Wirtschaft vorbehalten ist“, lautete die Begründung der Verwaltung.

Keine Konkurrenz zu Maklern

Diese Befürchtung räumte Weber aus dem Weg: „Die Aufgaben von Immobilienmaklern lassen sich klar vom Instrument einer Baulücken- und Bauplatzbörse abgrenzen: Makler präsentieren Objekte, bereiten Informationen auf, besichtigen Objekte mit Interessenten, begleiten Vertragsverhandlungen und bereiten Verträge vor. All diese Aufgaben würden von der Stadt nicht übernommen werden.“ Es gehe schlichtweg nur darum, eine Karte zu erstellen, diese im Internet zu veröffentlichen und gegebenenfalls Anfragen weiterzuleiten. Webers Beschlussvorschlag: Die Stadt führt eine Baulücken- und Bauplatzbörse ein und präsentiert ein Konzept im Frühjahr 2019. Als Vorbild hatte der Ausschussvorsitzende die Bauplatzbörse der Stadt Göppingen angehängt.

CDU: Kataster statt Börse

„Ich finde es gut, dass das kommen soll. Auch den Vorschlag finden wir klasse. Nur wir sehen die Börse als etwas zu groß für Reinfeld an“, sagte Lorenz Hartwig (CDU). Göppingen sei um ein Vielfaches größer als Reinfeld. Wenn die Stadt mit so einem Konzept starte, solle man eine Stufe darunter ansetzen. „Die Orte in Niedersachsen, die ähnlich groß wie Reinfeld sind, machen ein sogenanntes Baulückenkataster. Der Aufwand für die Verwaltung ist erheblich geringer.“ In dem Kataster würden Bauwillige eingetragen, Bebauungspläne und freie Grundstücke. Die Verwaltung trete nicht als Mittler auf und sei somit auch arbeitstechnisch nicht damit belastet. „Das Baulückenkataster ist nur rein informativ“, teilte Hartwig mit. Wer Interesse an den Grundstücken habe, müsse zum Anwalt gehen, oder er müsse den Eigentümer selbst ermitteln. Wenn das Baulückenkataster gut laufe, könne man immer noch eine Börse mit Dienstleistung daraus machen – oder sogar mit einem Tauschplatz. „Ich könnte mir vorstellen, dass es auch in Reinfeld Leute gibt, die aus einem Einfamilienhaus in eine Mehrzimmerwohnung ziehen wollen“, so Hartwig. Er selbst habe Bekannte, denen ihr Haus zu groß geworden sei und die jetzt lieber in eine Wohnung in Innenstadtnähe ziehen würden.

Gemeinde kann Bedarf erkennen

Der große Vorteil eines Baulückenkatasters: „Generell sieht man als Gemeinde, welche Bedarfe vorhanden sind, sodass man auch entsprechend planen und bauen kann.“ So seien sie in Reinfeld beispielsweise schlecht bedient, wenn sie Reihenhäuser planen würden. Hartwig: „Reihenhäuser sind bei uns als allerletztes und nur zäh fließend verkauft worden.“ Thorsten Dunkelgut (Wir) hatte datenschutzrechtliche Probleme mit der geplanten Maßnahme. „Angenommen ich habe ein Haus auf einem großen Grundstück, wo der Garten bebaubar wäre. Dann stünde ich automatisch auf der Katasterkarte, obwohl ich nie den Wunsch geäußert habe, meinen Garten zu bebauen. Das finde ich kritisch. Was mit meinem Grundstück ist, geht doch niemanden etwas an. Ich möchte nicht belästigt werden von Leuten, die bei mir klingeln, nur weil mein Grundstück auf einer Karte steht.“ Gerd Herrmann (SPD): „Alles, was in B-Plänen geregelt ist, damit auch die Bebaubarkeit der Grundstücke, ist öffentlich. Das kann man im Internet abrufen, jeder kann darauf zugreifen.“ Nicht ersichtlich sei hingegen, ob die Besitzer überhaupt Interesse an einer Bebauung hätten. „Wer wirklich sein Grundstück verkaufen will, setzt das doch in Gang“, meinte dazu Verwaltungsmitarbeiterin Sigrid Bäumker. Mit sechs Ja-Stimmen, einer Enthaltung und einer Gegenstimme beschloss der Ausschuss, dass die Stadt Reinfeld das Baulückenkataster mit im Internet einsehbaren Karten einführt. Eine Baulückenbörse wurde mit fünf Nein-Stimmen, einer Ja-Stimme und zwei Enthaltungen abgelehnt.

Britta Matzen

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