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Stormarn Mehr Platz für Fahrräder
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14:18 14.09.2018
Die umgestalteten Parkbuchten am Reinfelder Bahnhof: Wo neulich noch fünf Autos parkten, stehen inzwischen Fahrräder.
Die umgestalteten Parkbuchten am Reinfelder Bahnhof: Wo neulich noch fünf Autos parkten, stehen inzwischen Fahrräder. Quelle: Britta Matzen
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Reinfeld

 Am Reinfelder Bahnhof sind in den vergangenen Tagen auf Initiative der Grünen fünf Parkplätze für Autos gestrichen worden, um Platz für Fahrräder zu schaffen. Das erhitzt die Gemüter. „Parkplätze wurden zu Stellplätzen umfunktioniert. Uns Pendlern kommt das wie ein Schildbürgerstreich vor, da es bereits überdachte Fahrradstellplätze gibt und weitere Räder unter dem Treppenaufgang der Überführung abgestellt werden“, ärgert sich Sebastian Rieke. Den Ärger der Autofahrer kann Grünen-Vorsitzender Geert Karnick verstehen. „Aber letztendlich ist es unsere Aufgabe als Politik, Weichen zu stellen und Prioritäten zu setzen. Für uns ist es nun mal das Wichtigste und Umweltfreundlichste, dass die Reinfelder mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen. Das hat für uns Priorität, und das finde ich richtig“, so Karnick. Reinfeld habe ein Klimaschutzkonzept beschlossen. „Dazu gehören Maßnahmen, um den Radverkehr zu fördern, - auch im Bahnhofsumfeld.“

100 „wild“ abgestellte Räder rund um den Bahnhof

Im Sommer war die Parkplatzsituation für Radfahrer rund um den Reinfelder Bahnhof dramatisch. Jede Laterne, jedes Verkehrsschild, jeder private Zaun war mit Fahrrädern zugeparkt. 100 „wild“ abgestellte Räder zählte Karnick noch vor einigen Wochen. „Das war so eine unhaltbare Situation, dass wir gesagt haben, dass mit Bordmitteln des Bauhofes ein paar Bügel aufgestellt werden müssen, um die Situation zu verbessern.“ Das setzte die Verwaltung auch um. Die zweite Pkw-Parkbucht hinter dem Treppenaufgang und Aufzug wurde in einen Parkplatz für Räder umgewandelt. Statt der gewünschten 50 Bügel für 100 Räder montierte der Bauhof aber zunächst aber nur etwas mehr als die Hälfte, sodass jetzt rund 70 Bikes dort abgestellt werden können.

Interessenkonflikt: Behinderte sollen berücksichtigt werden

Behindertenbeauftragter Florian Mösch hatte den Einwand, dass auch die Behinderten bei der Umgestaltung berücksichtigt werden müssten. Zwei Behindertenparkplätze gebe es aktuell vor dem Bahnhof. Doch der Weg zum Aufzug einmal quer über den Bahnhofsplatz sei mit Rollstuhl oder Gehhilfen beschwerlich. „Der Einwand ist berechtigt“, sagt Geert Karnick. Aus diesem Grund stellten die Grünen den ergänzenden Antrag, die ersten drei Stellplätze neben der Treppenanlage als Behindertenparkplätze herzurichten und auszuweisen, und die Zuwegung von dort zum Aufzug barrierefrei zu gestalten. „Eigentlich wollten wir das auch so beschließen. Aber der Ausschuss konnte sich dazu nicht durchringen, weil die Diskussion um Gehwegplatten und abgesenkte Bordsteine anfing. Deshalb wurde beschlossen, dass im Oktober ein Ortstermin erfolgt“, so der Grünen-Vorsitzende. Eventuell werde dann auch eine weitere Box für Fahrräder geöffnet.

Umgestaltung des Bahnhofs steht noch bevor

Die ersten Maßnahmen haben laut Karnick schon gegriffen. „Die Radbügel werden gut angenommen, von daher hat sich die Situation schon entschärft.“ Die eigentliche Umgestaltung des Bahnhofes steht aber noch bevor, wenn die Straßenbrücke kommt, die die Bahnquerung am Zuschlag ersetzen soll. „Das, was wir jetzt machen, wird zwei bis drei Jahre Bestand haben“, sagt Bauausschussvorsitzender Lorenz Hartwig (CDU).

Bahnquerung soll in drei Jahren fertig sein

Reinfeld hat ein Mega-Projekt in der Pipeline. Eine Brücke soll die Bahnquerung am Zuschlag ersetzen. Außerdem ist eine riesige Park-and-Ride-Anlage geplant sowie eine XL-Bushaltestelle.

Im Rahmen des Umbaus des Bahnhofsvorfeldes, wird eine lange Bushaltestelle kommen“, erläutert Bauausschussvorsitzender Lorenz Hartwig (CDU). Zwei ganz große Maßnahmen seien daneben vorgesehen: „Es kommen mindestens drei große Fahrradständer. Zwei davon direkt am Bahnhofzugang, einer in der Holländerkoppel. Von dort wird eine Fußgängerbrücke bis an die Gleise heranreichen.

Das ist quasi eine Verlängerung des jetzigen Bahnhofes.“ Von der Bahn kommend Richtung Fußgängerbrücke Holländerkoppel befinde sich eine alte Ladestraße, wo vor 40 Jahren Rüben abgeladen wurden. „Vor zwei Jahren hat die Stadt das ganze Gelände gekauft. Dort werden wir eine große Park-and-Ride-Anlage bauen mit vermutlich mehr als 180 Pkw-Stellplätzen“, so Hartwig. Schon jetzt befänden sich dort provisorische Parkplätze, die zurzeit noch nicht richtig angenommen würden, da es auf der anderen Seite der Bahn liege und es keinen direkten Zugang zum Bahnhof gebe. „Aber mit der Verlängerung der Fußgängerbrücke wird es gegeben sein. Es wird zwar kein dritter Fahrstuhl, aber eine dritte Treppe gebaut.“

Weitere Behindertenparkplätze sollen ebenfalls auf der Seite der Holländerkoppel eingerichtet werden. „Wir haben eine ganze Menge vor. Das geschieht alles im Rahmen des Baus der Brücken und der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes.“ Einen genauen zeitlichen Rahmen gibt es laut Hartwig noch nicht. „Die Verträge für die Eisenbahnkreuzungsvereinbarung sind erst vor ein paar Wochen beim Eisenbahnbundesamt eingegangen, nachdem wir die Freigabe vom Kreis bekommen haben. Jetzt werden die weiteren Planungen aufgenommen.“, teilt Hartwig mit.

Die Stadt habe die Grundstücke gekauft, man wisse, wie die Brücken verlaufen und wie lang, wie hoch und wie breit sie sein sollten. Hartwig: „Jetzt werden weitere Arbeiten folgen. Hochbaumaßnahmen erfolgen meistens in sieben Bauschritten.“ Wie lange dauert es, bis alles fertig ist? Zehn Jahre? „Nein, nein! Zwei bis drei Jahre“, meint Lorenz Hartwig. „Wir wollen das Problem ganz schnell lösen. Aber wir sind nicht allein Herr des Verfahrens. Die Gleisanlagen sind Privatgelände der Bahn.“

Wenn man im großen Stil in den Bahnverkehr eingreife, brauche die Bahn normalerweise drei Jahre Vorlaufzeit, um das in ihren Fahrplan einzutakten. „Weil das eine sehr stark frequentierte Strecke ist. Aber es schwebt ja alles schon in deren Köpfen. Jetzt muss es nur noch fein abgestimmt werden.“ Zum Schluss werde der Rückbau des Zuschlages erfolgen, was bereits vertraglich vereinbart sei. „Ich gehe mal davon aus, dass wir in drei Jahren damit fertig sind“, so der CDU-Mann.

Britta Matzen