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Stormarn Reinfelder Hobbybrauer fährt zur Deutschen Meisterschaft
Lokales Stormarn Reinfelder Hobbybrauer fährt zur Deutschen Meisterschaft
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17:00 11.09.2019
Sieht noch nicht nach Bier aus, wird aber welches: Hobbybrauer Peter Rieper an seinem „Kochtopf“. Quelle: Carstens
Reinfeld/Stocksee

Das Geräusch klingt eindeutig nach Campingkocher, doch die beiden Töpfe auf der Anlage sind viel größer als die üblichen. Mit ihnen könnte Peter Rieper vermutlich den ganzen Campingplatz am Stocksee im Norden des Kreises Segeberg mit Suppe versorgen. Doch der Reinfelder hat anderes vor: Er braut Bier.

Im linken Topf köchelt Gerstenmalz vor sich hin, während der 61-Jährige immer wieder die Temperatur kontrolliert. 63 Grad müssen es sein, damit bestimmte chemische Prozesse in Gang gesetzt werden. Peter Rieper spricht dann von Beta-Amylase, Wirkungsgrad, dicken Knoten sowie langkettigen Zuckern und könnte mittlerweile wohl selbst ein Brauseminar leiten.

Als Kapitän zur See gefahren

Ein solches Seminar mit Torsten Schumacher von der Grönwohlder Brauerei war vor knapp zehn Jahren auch die erste Begegnung mit dem Selberbrauen. Mittlerweile kaufen Maren und Peter Rieper kaum noch Bier im Supermarkt, sondern brauen selbst. „Beim ersten Seminar hat es aber noch nicht gefunkt“, erzählt der 61-Jährige, der im richtigen Leben jahrelang als Kapitän zur See fuhr und mittlerweile im Controlling der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd arbeitet.

Das erste Bier war „trinkbar“

Der Funke entzündete sich erst später, als er mit einem guten Freund die Idee entwickelte, zu Weihnachten eigenes Bier zu brauen. „Das Equipment konnten wir uns von Torsten Schumacher umsonst ausleihen“, berichtet Rieper und erklärte sein erstes Bier damals für „trinkbar“.

Inzwischen braut er nicht nur jährlich rund 300 Liter Bier für sich, Freunde und Familie, sondern nimmt auch an Wettbewerben teil. Ein solcher ist am Wochenende die Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer in Stralsund, organisiert von der dort ansässigen Störtebeker-Brauerei.

Das Bier ist schon auf dem Weg

Das Bier dafür ist längst fertig und schon auf dem Weg dorthin. Mit einigen befreundeten Brauern aus Wismar hat er das Produkt „Hopfenreise“ kreiert, das dann den Geschmack der Jury – besetzt mit hochkarätigen Biersommeliers – treffen soll. Anders als bei der Weinprobe wird das Bier dort übrigens richtig getrunken, da es auf den Rachengeschmack ankommt.

Der Reinfelder geht bei der Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer in Stralsund an den Start.

Bis zum schmackhaften Bier ist es ein recht weiter Weg. Peter Rieper prüft das 20 bis 25 Liter umfassende Wasser-Gerstenmalz-Gemisch mit der sogenannten Jod-Probe. Verfärbt es sich bernsteinfarben, ist die Stärke gelöst. Mit der Schöpfkelle, dem Zunftzeichen der Brauer und Mälzer, kann er die Flüssigkeit in den Maischebottich umfüllen. Vereinfacht ausgedrückt, kommen nun Hefe und Hopfen hinzu. Es wird umgefüllt, abgefüllt, gefiltert, ein stundenlanger Prozess.

Brauen mit Jean Pütz

Dass es in Deutschland immer mehr Hobbybrauer gibt, geht auf den legendären Jean Pütz und seine Hobbythek zurück. Der Fernsehmoderator setzte einst durch, für seine Sendung Bier brauen zu dürfen. Seitdem kann jedermann zu Hopfen und Hefe greifen, muss dies allerdings beim Zoll anmelden. „200 Liter Bier sind pro Jahr steuerfrei“, erzählt Hobbybrauer Peter Rieper aus Reinfeld. Alles, was darüber liegt, muss versteuert werden. Rieper selbst zahlt ein paar Euro für seine Jahresration von etwa 300 Litern.

Acht Stunden brauen

„So ein Brautag dauert etwa acht Stunden“, sagt Peter Rieper und beobachtet die Seeadler, die gerade über dem Stocksee kreisen. „Er soll der sauberste See in Schleswig-Holstein sein. Das Wasser ist ganz klar.“ Rieper verwendet dieses daher auch zum Brauen. Ist sein Bier nach dem Kühlen und der offenen Gärung in Flaschen abgefüllt und hat es vier bis sechs Wochen im Keller in seinem Reinfelder Haus gelagert, trinkt er also quasi Stockseer Wasser – mit diversen Zutaten. Na denn Prost!

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