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Stormarn Reinfelds Karpfen ließen lange aus sich warten
Lokales Stormarn Reinfelds Karpfen ließen lange aus sich warten
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23:18 18.11.2017
Die dicken Karpfen ließen gestern lange auf sich warten. Bis dahin mussten sich die Helfer mit kleinen Fischen zufrieden geben. Quelle: Fotos: Petra Dreu
Reinfeld

Fisch gab der Herrenteich am Vormittag genug frei: Rotaugen, Brassen, Barsche, Hechte und sogar ein Prachtexemplar von Zander landete bei den Helfern auf dem Sortiertisch. Vereinzelt war auch ein Karpfen darunter. Die Massen der großen zappelnden Karpfen aber, deren Abfischen sonst zu einem Ereignis für viele Zuschauer wurde, blieben zumindest vormittags aus. Erst gegen 16 Uhr passierten Reinfelds Wappentiere den Mönch, wie die Absperrung des Durchflusses genannt wird, und fanden sich nach einer kurzen dunklen Reise im Fischhaus wieder. Dort wurden sie mit einem Zugnetz abgefischt und landeten direkt auf dem Sortiertisch, um anschließend in Wassertanks verladen und abgefahren zu werden.

In diesem Jahr war nicht nur der Sommer verregnet, auch die Karpfenernte ist sprichwörtlich ins Wasser gefallen: Selbst nachdem das Abfischen dreimal verschoben werden musste, ließen gestern Reinfelds Wappentiere immer noch auf sich warten. Erst gegen 16 Uhr konnten sie abgefischt und abgefahren werden.

„In diesem Jahr ist alles anders“, sagte Annegret Wenskus am späten Nachmittag, als das Abfischen gerade auf Touren kam. „Was ich gesehen habe, sah aber gut aus. Die Karpfen sind schön dick und groß“, freute sich die Ehefrau von Teichpächter Alfred Wenskus, der am Morgen gegen zehn Uhr verzweifelt auf den immer noch zu vollen Herrenteich geschaut hatte. „Das ist das elfte Abfischen. Eins, das so sehr ins Wasser gefallen ist, wie dieses, hatten wir noch nie“, verriet Alfred Wenskus, dem wie den Zuschauern auch die Kälte zu schaffen machte.

Selbst gegen 11.30 Uhr stand Alfred Wenskus noch fassungslos hinter der abgesperrten Promenade und schaute auf den Wasserstand, der immer noch nicht tief genug für die Karpfen war. Ab und an stieg der Teichpächter die Steighilfe hinunter zum Mönch und kontrollierte, ob der Durchfluss noch frei ist oder vielleicht durch einen Gegenstand blockiert wurde. Aber das war nicht der Fall. Das Wasser rauschte tosend durch den Abfluss. Und dennoch schien der Wasserstand im Teich nicht abzunehmen.

„Der Mönch ist bis zum Anschlag auf. Mehr geht gar nicht, Und dennoch, es fließt noch zu viel Wasser nach. Dadurch entsteht eine Verwirbelung und das Wasser fließt am Rand wieder zurück“, erzählte Wenskus, während sein Sohn Stephan und zwei weitere Helfer mit ihren Wathosen in den Herrenteich stiefelten und am Rand Gitter in den Teichboden rammten, um den Karpfen den Weg mit der Strömung zurück zu versperren.

Zu dem Zeitpunkt hatten sich einige Familien am Fischhaus eingefunden, um sich das Schauspiel der zappelnden Karpfen nicht entgegen zu lassen. Vor allem die Kinder wurden dabei auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Immer, wenn sich das Zugnetz über dem Sortiertisch öffnete, zappelten zwar viele Fische darauf herum, mit der Größe der Reinfelder Karpfens konnten sie es jedoch bei weitem nicht aufnehmen. Als es dann auch noch immer stärker zu regnen anfing, zogen sie die warme gemütliche Wohnung zu Hause dem kalten Fischhaus vor.

Auch Bürgermeister Heiko Gerstmann, der seinem argentinischen Austauschschüler die Karpfenernte zeigen wollte, entfloh schließlich durchgefroren dem Regen und der Kälte, um andere Dinge zu erledigen.

Sein argentinischer Gast jedoch kehrte schon nach kurzer Zeit wieder zurück, um sich alle Fische anzusehen, die der Herrenteich zu dem Zeitpunkt freigegeben hat.

Für die große Zeitverzögerung bei der Karpfenernte hatte in diesem Jahr in erster Linie der verregnete Sommer gesorgt. Durch ihn war nicht nur der Herrenteich mehr als gut gefüllt, sondern auch die umliegenden Felder hatten die vielen Wassermassen aufgesogen, die zeitverzögert in die Heilsau abflossen, die wiederum den Herrenteich speist. Für weitere Verzögerungen hatte das Abfischen des Moorteiches in Heilshoop gesorgt. Auch sein Wasser floss in die Heilsau und damit letztendlich auch in den Herrenteich, der mit seiner Fläche von nahezu 40 Hektar immerhin größter Teich in Schleswig-Holstein ist.

 Von Petra Dreu