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Stormarn S 4: Alternativstrecke für den Güterverkehr gefordert
Lokales Stormarn S 4: Alternativstrecke für den Güterverkehr gefordert
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20:10 29.11.2017
So könnte die Ahrensburger Innenstadt mit einer sechs Meter hohen Lärmschutzwand aussehen. Quelle: Foto: Montage Hfr
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Ahrensburg

Die Resolution soll an die zuständigen Planungsstellen weitergeleitet werden. „Wir haben Bedenken, dass eine durchgängige, sechs Meter hohe Lärmschutzwand im gesamten Stadtgebiet eine erhebliche Störung des Stadtbildes darstellt“, erklärt Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach. Die Stadt fordert deshalb, den 450-Meter langen Streckenabschnitt innerhalb der Innenstadt und das Naturschutzgebiet Ahrensburger Tunneltal von hohen Lärmschutzwänden frei zu halten.

Ahrensburg wehrt sich gegen sechs Meter hohe Lärmschutzwände, die im Zuge des Neubaus der S 4 von Hamburg nach Bad Oldesloe auf dem Stadtgebiet errichtet werden sollen. Am Montag verabschiedeten die Stadtvertreter eine Resolution, die sich auch gegen Güterverkehr richtet.

„Es gibt Alternativen, um zumindest die Höhe der Wände zu beeinflussen“, ist Sarach überzeugt. So kämen Schallschutz direkt am Gleis, Gleisbettdämpfungen und passive Schallschutzmaßnahmen in Frage.

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„Wenn man alles kombiniert, könnten die Wände so niedrig wie möglich gebaut werden“, argumentiert Sarach, „drei Meter statt sechs Meter wären schon ein Fortschritt.“

Denn derzeit macht die Stadt im Rahmen einer städtebaulichen Förderung die barocken Sichtachsen der Innenstadt zum Schloss wieder sichtbar. Auch das Zentrum soll attraktiver werden. „Die historisch gewachsenen und ortsbildprägenden städtebaulichen Strukturen sollen erhalten bleiben“, heißt es in der Resolution. Auch wären laut Gutachten negative wirtschaftliche Auswirkungen auf den südlichen Teil der Innenstadt zu erwarten. „Wir können im Planfeststellungsverfahren nur eine Stellungnahme abgeben“, so Sarach, „aber wir wollen mit der Resolution ein Signal geben und hoffen, damit eventuell einen neuen Denkprozess anzuregen.“

Auch ein Ausweichgleis für den Fernverkehr auf Stadtgebiet lehnt die Ahrensburger Politik ab. Da ist sie sich mit der „Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck“ einig, zu der sich Anwohner in Hamburg und Stormarn zusammengeschlossen haben. „Wir sind für den Bau der S 4“, macht der Vorsitzende Claus-Peter Schmidt klar, „aber wir sind gegen Güterzüge, die durch das Stadtgebiet rollen.“

Hier komme als Alternative eine neue Bahnstrecke entlang der Autobahn in Frage, eine „A 1 der Schiene“, genannt S4+. Schmidt sieht gute Gründe für diese Variante: „Ein Schienenweg entlang der A 1 betrifft längst nicht so viele Anwohner. Hohe Lärmschutzwände stören im Grünen nicht, und man kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, weil so auch der Autobahnlärm mit gedämmt wird.“ Zudem werde es dadurch möglich, kleine Gemeinden am Hamburger Stadtrand an den Schienenverkehr anzuschließen, die jetzt auf Busse angewiesen seien, um zum Zug zu kommen. In Großhansdorf könnten die Züge zudem an die U1 angebunden werden.

„Beim Kostenvergleich wäre die alternative Strecke nicht teurer als die der aktuellen Planung“, ist Schmidt überzeugt. Denn bei der seien für ein neues Gleis teure Enteignungen nötig, weil der Platz für den Gleisneubau nicht da sei und aus den Gärten kommen müsse. Zudem gelte es Auflagen zu erfüllen, weil entlang der Strecke Bombenblindgänger liegen könnten. „Auch gibt es auf der geplanten Strecke keine Rettungswege, weil die Züge durch die Gärten führen. Entlang der A 1 wäre das kein Problem. Wir haben dann eine S4 auf den bestehenden Gleisen, und sie kann im Zehn-Minutentakt fahren.“

Es müsse auch nicht die A-1-Variante sein: Für Güterzüge bieten sich auch Ertüchtigungen der Strecken von LübeckBad Kleinen über Wittenberg nach Nauen oder auch über Büchen nach Lüneburg an. Auch die alte Trasse von Bad Oldesloe Richtung Schwarzenbek könnte wieder in die Planung aufgenommen werden.Die Bürgerinitiative bekomme viel Zuspruch. „Notfalls klagen wir vor dem Bundesverwaltungsgericht“, kündigt Schmidt an. „Unsere Variante ist nicht teurer, aber zukunftsweisend, weil es Ausbaumöglichkeiten gäbe.“ Zudem verlange das Bundesverfassungsgericht immer eine Alternativplanung.

„Wir haben uns die verschiedenen Varianten angesehen und halten die aktuelle Planung für die beste“, sagt Bahnsprecher Michael Baufeld dazu. Durch neue Varianten würden neue Betroffenheiten geschaffen, auch komme der Lärmschutz nur, wenn wie bei der S 4 auf der gesamten Strecke gebaut werde. Nur bei wesentlichen Änderungen im Bestand sehe der Gesetzgeber Lärmschutz vor. „Die endgültige Abwägung trifft das Eisenbahnbundesamt“, erklärt Baufeld.

Über die Lärmschutzwände in Ahrensburg solle im Anhörungsverfahren gesprochen werden. „Wir sind ständig im Gespräch und werden Varianten untersuchen müssen, was die Lage und Höhe der Schallschutzwände betrifft, aber die Möglichkeiten, mit technischen Mitteln die Vorgaben des Lärmschutzes einzuhalten, sind nicht so vielfältig“, so Bahnsprecher Baufeld.

Filmvorführung: Am heutigen Donnerstag, 19 Uhr, lädt die Initiative zu einer Filmvorführung „A 1 der Schiene“ im Park-Rondeel in Rahlstedt, Apostelweg 17, ein.

Der Film ist sieben Minuten lang und auch über youtube (www.youtube.com/watch?v=408PNUpmX3g) zu sehen. Anschließend soll über den alternativen Streckenvorschlag diskutiert werden.

Von Bettina Albrod