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Stormarn S 4 kostet mehr als eine Milliarde Euro
Lokales Stormarn S 4 kostet mehr als eine Milliarde Euro
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22:07 22.07.2015
Im vergangenen Jahr gab es eine S-4-Präsentationsfahrt. Quelle: Roeßler
Hamburg/Bad Oldesloe

Der Bau der 36 Kilometer langen S-Bahn-Linie zwischen Hamburg und Bad Oldesloe kostet voraussichtlich etwas mehr als eine Milliarde Euro. Das sind fast 200 Millionen Euro mehr, als 2013 in einer ersten Kostenanalyse ermittelt wurde, wie die Hamburger Wirtschaftsbehörde und das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium gestern mitteilten. Damals waren die Planer der DB Netz AG in einer ersten Schätzung von rund 630 Millionen Euro für die Bahnlinie S 4 ausgegangen. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt aber vorsorglich schon Kostensteigerungen von rund 30 Prozent einkalkuliert.

„Der Nutzen des Projekts für die gesamte Region ist hoch, insofern schrecken uns die prognostizierten Kosten von einer Milliarde Euro nicht“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). „Die Fehmarnbelt-Querung führt zu mehr Güterverkehr auf der Schiene. Wenn wir diese Verkehre auch im Hamburger Rand abwickeln wollen und gleichzeitig noch mehr Menschen im Nahverkehr nach Hamburg bringen wollen, brauchen wir die S 4.“

Die Kostensteigerungen ergäben sich vor allem durch Untersuchungen zum Baugrund und zum Lärmschutz sowie durch die Bauablaufplanung. „Anders als bei der groben Vorplanung sind erstmals sämtliche Risiken bewertet und in die Kosten einkalkuliert worden“, sagte DB-Konzernbevollmächtigte Manuela Herbort.

Der Ahrensburger Jörg Sievers von der S-4-Initiative zeigte sich wenig überrascht. „Es ist gut, dass von Anfang an offen und transparent alle Kosten eingerechnet werden. So erleben wir keine böse Überraschung wie bei der Elbphilharmonie“, sagte Sievers gestern.

„Wir versuchen immer, mit dem Geld ordentlich umzugehen. Deshalb erschreckt mich die Summe von einer Milliarde Euro schon“, lautete die erste Reaktion von Stormarns Landrat Klaus Plöger (SPD). Es sei durchaus erstaunlich, dass bei gerade bei den öffentlichen Planungen die Kosten immer wieder explodierten.

„Wir sind im realistischen Bereich angekommen“, kommentierte der Vorsitzende des Kreisverkehrsausschusses, Lukas Kilian (CDU) die neueste Zahl. Eine Milliarde Euro — so eine Summe kenne man aus den Griechenland-Diskussionen, aber nicht für ein Verkehrsprojekt in Stormarn. Gleichwohl, „es ist ein sinnvolles Projekt für die Pendler nach Hamburg und auch in den Kreis Stormarn, es ist das wichtigste Projekt für die gesamte Metropolregion und gleichzeitig das größte Schienenprojekt, was wir in Schleswig-Holstein haben.“ Bei den Zahlen, die vorher genannt wurden, sei allen Beteiligten klar gewesen, dass die nicht zu halten sind: „Wir müssen aber aufpassen, dass der Bund die Finanzierung auch gewährleistet.“

In einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) machten sich Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) und Verkehrsminister Meyer für eine massive Unterstützung durch den Bund stark. „Dieses Projekt ist zwingende Voraussetzung für die Entlastung des Hamburger Hauptbahnhofes und damit für die erfolgreiche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024/2028“, heißt es unter anderem in dem Brief.

Olympia sei ein weiteres gutes Argument, meinte auch Jörg Sievers. „Nur schade, dass Travemünde als Standort für die Segelspiele raus ist. Dann hätten wir die S 4 als schnelle Verbindung zwischen Hamburg und Lübeck in fünf Jahren.“ Nun werde man wohl etwa doppelt so lang warten müssen.

Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung läuft den Angaben zufolge voraussichtlich noch bis ins Jahr 2021. Bereits ab 2016 könnten die ersten Planfeststellungsverfahren starten. Horch und Meyer erinnerten daran, dass beide Länder für die Planungen dieses Projektes bereits erheblich in Vorleistung getreten seien. kks, mc, mt

Fahrt im 20-Minuten-Takt
Die Strecke zwischen Hamburg und Bad Oldesloe ist eine der am meisten befahrenen Pendlerstrecken, die Gesamtstrecke HamburgLübeck eine zentrale Achse der Metropolregion. Die Nachfrage steigt laut Bahn stetig, das Angebot stößt an seine Grenzen.



Durch die separate Führung von S-Bahn- und den restlichen Schienenverkehren sollen Verspätungen und Zugausfälle unwahrscheinlicher werden. In der Hauptverkehrszeit soll es einen 20-Minuten-Takt geben, zwischen Hamburg und Ahrensburg einen 10-Minuten-Takt.

LN

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