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Stormarn SPD sagt der Kinderarmut den Kampf an
Lokales Stormarn SPD sagt der Kinderarmut den Kampf an
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20:10 27.01.2018
Reinard Mendel aus Tangstedt führt erneut die Kandidatenliste an. In seiner Rede forderte er seine Partei auf, das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. Quelle: Foto: Carstens
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Großhansdorf

Der 66-Jährige ist SPD-Fraktionsvorsitzender im Stormarner Kreistag und steht ohne eigenen Wahlkreis auf Listenplatz eins. In seiner Rede rief Mendel dazu auf, im Zuge der Erneuerung der Partei wieder näher an die Menschen zu rücken, um verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. „Bei welcher Wahl geht das besser als bei der Kommunalwahl? Diese Chance sollten wir nutzen!“

Die SPD Stormarn hat am Sonnabend in Großhansdorf ihr Wahlprogramm für die Kreiswahl verabschiedet. Ein Schwerpunkt ist die soziale Gerechtigkeit. Zum Spitzenkandidaten wurde auf dem achtstündigen (!) Kreisparteitag erneut Reinhard Mendel aus Tangstedt gekürt.

Für die ablaufende Wahlperiode zog Mendel ein überaus positives Fazit: „Wir sind nicht die größte Fraktion, aber die beste. Denn wir haben viel erreicht in den vergangenen fünf Jahren. Wir haben die Fähigkeit, ordentlich zu diskutieren und dabei nach außen geschlossen aufzutreten.“

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Ein großes Problem sei im reichen Kreis Stormarn die Kinderarmut. „Mich erschüttert es jedes Jahr, wenn der Kinderschutzbund vor dem Schloss Ahrensburg die blauen Flaggen aufstellt. Ob diese für 4000 oder 3000 arme Kinder stehen, ist am Ende egal. Denn jedes arme Kind ist eines zu viel.“ Die SPD habe eine gute Mannschaft, um Stormarn ein Stück sozialer und gerechter zu machen.

Platz zwei auf der Liste hat Susanne Danhier inne. Die SPD-Kreisvorsitzende gab das Ziel 30 Prozent plus X für die Kreistagswahl aus und hofft auf vier Direktmandate. Vor fünf Jahren waren es drei.

„Wir lassen uns auch nicht von dem irritieren, was gerade in Berlin passiert.“

In Bezug auf die Liste sagte Danhier: „Es ist keine Freude für eine Kreisvorsitzende, die Kandidaten für die Liste festzulegen. Denn man kann es nicht allen recht machen.“ Sie habe zusammen mit dem Kreisvorstand versucht, eine nach Geschlecht, Alter und Regionen ausgewogenen Liste zu erstellen.

Bis Platz zehn ging das auch gut. Dann meldete sich Reinhard Niegengerd aus Großhansdorf zu Wort, um den auf Platz elf gelisteten Durmis Özen aus Lütjensee herauszufordern. Nach mehreren emotionalen Reden für beide Kandidaten setzte sich Niegengerd – seit elf Jahren schon bürgerliches Mitglied im Kreistag – denkbar knapp mit 34 zu 33 Stimmen durch.

Bei der Bestimmung der Direktkandidaten für die 25 Wahlkreise bekam Heinz Hartmann aus Reinfeld mit 66 Stimmen und einer Enthaltung das beste Ergebnis. Der Umweltfachmann sitzt bereits seit 1994 im Kreistag, gewann vor fünf Jahren eines der Direktmandate und ist stellvertretender Kreispräsident. Fast genauso viele Stimmen erhielten Frank Schmalowsky aus Elmenhorst, Jörn John aus Tangstedt und René Wendland aus Reinbek. Der 34-Jährige ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender und leitet den Finanzausschuss des Kreises. Gegenkandidaten gab es für keinen der Wahlkreise.

Einen Dämpfer erhielt SPD- und Kreistags-Urgestein Sigrid Kuhlwein aus Ammersbek. Die 74-Jährige bekam nur 38 Ja-Stimmen. 22 Parteitagsdelegierte votierten gegen sie. Auch bei der Vorstellung der Liste klappte Kuhlwein die Kinnlade runter – nur Platz 16 und damit eine recht unsichere Position. „Ich fühle mich schlecht behandelt und meine Arbeit nicht gewürdigt“, sagte sie am Rande den LN.

Jetzt wolle sie alles daran setzen, ihren Wahlkreis erneut direkt zu gewinnen. Das ist ihr zuletzt zweimal gelungen.

Das Wahlprogramm hat 18 Seiten und umfasst neun übergreifende Punkte. Diese wurden im Vorwege ausführlich ausgearbeitet und erörtert, so dass auf dem Parteitag gar nicht mehr viele Änderungsanträge eingereicht wurden.

Die Jusos um Kreis-Chef Torben Hermann aus Bad Oldesloe freuten sich, dass viele ihrer Punkte sich im Wahlprogramm wiederfinden wie etwa ein Discobus, das zuschlagsfreie Anruf-Sammel-Taxi oder eine Jugendberufsagentur.

Weiterhin will die SPD unter anderem gegen prekäre Arbeitsverhältnisse kämpfen, die Kita-Gebühren senken, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen sowie Straßen und Radwege sanieren – und nicht zuletzt die Fahrbücherei erhalten.

Die Liste der SPD

Platz 1: Reinhard Mendel (Tangstedt), 2. Susanne Danhier (Bargteheide), 3. Heinz Hartmann (Reinfeld), 4. Margot Sinning (Ahrensburg), 5. René Wendland (Reinbek), 6. Angela Batty (Trittau), 7.

Gerd Prüfer (Reinbek), 8. Susanne Borchert (Tangstedt), 9. Frank Schmalowsky (Elmenhorst), 10. Franziska Eggen (Bargfeld-Stegen), 11. Reinhard Niegengerd (Großhansdorf), 12. Franca Böge (Ahrensburg), 13. Frank Lauterbach (Glinde), 14. Karin Trepkau (Bad Oldesloe), 15. Friedrich-Eugen Bukow (Rümpel), 16. Sigrid Kuhlwein (Ammersbek), 17. Sebastian Schütt (Bargteheide), 18. Durmis Özen (Lütjensee), 19. Torben Hermann (Bad Oldesloe), 20. Gerd Ludwig (Trittau), 21. Jörn John (Tangstedt), 22. Jens-Pieter Friese (Bad Oldesloe), 23. Hans-Joachim Schulze-Hortung (Reinbek), 24. Tim-Peter Schirrmacher (Glinde), 25. Christoph Schoer (Zarpen).

 Markus Carstens