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Stormarn Schnelles Eingreifen kann bei Herzstillstand Leben retten
Lokales Stormarn Schnelles Eingreifen kann bei Herzstillstand Leben retten
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13:10 24.12.2016
Trittau

„Sie ist mein Engel“, erklärt Annette Meyer (Name von der Redaktion geändert) und drückt Susanne Kopetz an sich. Ein Engel, der durch seinen Einsatz dafür gesorgt hat, dass ihr Mann seinen Herzstillstand überlebt hat. Der 54-jährige Oliver fiel an einem September-Sonntag im Wohnzimmer plötzlich um. „Es war unfassbar, er rührte sich nicht mehr und lief blau an.“ Für Annette Meyer ein Schock. Sie rief 112 an, „ich hatte nur noch Susi im Kopf. Ich wusste, ich muss Susi anrufen“. Susanne Kopetz, Nachbarin, Sportpartnerin und Krankenschwester. Zum Glück war Susanne Kopetz zu Hause und reagierte schnell. „Ich hörte die Todesangst in Annettes Stimme. Sie erklärte, der Olli sei umgefallen, du musst schnell kommen. Ich habe mich auf mein Fahrrad gesetzt und bin losgefahren.“ Ihr Sohn Nils zu Fuß hinterher. Es ging um Minuten.

Denn länger als vier bis sechs Minuten sollte ein Mensch nicht ohne Sauerstoff sein, sonst gibt es irreparable Schäden. Als Krankenschwester „wusste ich sofort, was ich machen musste“. Olli Meyer reagierte auf nichts, Kopetz begann gemeinsam mit ihrem Sohn mit der Wiederbelebung. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte kämpfte sie mit der Herzdruckmassage um das Leben ihres Nachbarn. Das Rettungsteam übernahm, nach vier Elektroschocks mit einem Defibrillator fing das Herz von Olli Meyer wieder an zu schlagen. Der Trittauer war transportfähig, kam ins Krankenhaus nach Hamburg. Das verschlossene Herzkranzgefäß wurde wieder geöffnet – heute geht es dem 54-Jährigen gut, es sind keine Schäden zurückgeblieben. Er selbst erinnert sich nicht an seinen Herzstillstand. Alles ist wie ausgelöscht.

Seiner Frau und ihm ist bewusst: Sein Herzstillstand hätte auch anders ausgehen und nicht so ein gutes Ende nehmen können. Wenn die Nachbarin nicht zu Hause oder der Rettungswagen nicht so schnell vor Ort gewesen wäre. Anlass für die Familien Meyer und Kopetz sich dafür einzusetzen, einen für alle Bewohner der Hasenbergsiedlung gut erreichbaren automatischen Defibrillator anzuschaffen und aufzuhängen.

Gemeinsam mit dem Trittauer Holger Schmidt starteten sie in der Siedlung eine Sammelaktion, um das Geld für den Defi zusammenzubekommen. Die gute Nachricht ist: Bei diesem Nachbarschaftsprojekt ist genügend Geld gespendet worden, das Gerät ist auf dem Weg und kann installiert werden. Der genaue Standort wird noch bekannt gegeben. Am 14. Januar soll sogar zum „Defi-Grillen“ in die Siedlung eingeladen werden.

Angst davor, den Defi einzusetzen, sollten die Menschen nicht haben. „Der Defi analysiert den Zustand des Herzens“, erklärt Susanne Kopetz. „Wenn es eine schockbare Störung ist, dann sagt der Defibrillator, man soll den Schock abgeben. Das einzige was man falsch machen kann, ist nichts zu tun.“ Und erzählt, dass ihr Mann Wolfgang, Notarzt mit jahrzehntelanger Erfahrung, erst einmal eine Reanimations-Fortbildung für Nachbarn aus der Siedlung veranstaltet hat. Etwas, dass der Arzt jedem Bürger, jeder Bürgerin rät. Zu entsprechenden Basiskursen für die Bewohner des Hasenberges „Wiederbelebung und Umgang mit dem Defi“ lädt er ein. Zudem schwebt Wolfgang Kopetz vor, dass der Defi im Hasenberg nicht der letzte für den Ort sein sollte.

Trittau ist ein weißer Fleck“, erklärt der Arzt, der viel in der Schweiz arbeitet, aber auch ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Stormarn ist. Ein weißer Fleck in Sachen Defibrillatoren. Das kann jeder sehen, der unter www.sh-schockt.de nachschaut. Hier sind die Standorte von Defis hinterlegt. Es gibt welche in Ahrensburg, Bad Oldesloe, Siek oder Großhansdorf. Sogar an der Raststätte Buddikate hängt einer. Und demnächst der im Hasenberg.

„Die Schweiz ist da viel weiter, dort gibt es ein vorbildliches System“, erklärt Wolfgang Kopetz. An den Busbahnhöfen hingen die Geräte, sogar die Polizei sei als Ersthelfer in das Rettungssystem eingebunden. Ergebnis: Die Zahl der gelungenen Reanimationen sei stark gestiegen. Der Notarzt ist dabei, die Gemeinde und auch die Feuerwehr für Standorte zu gewinnen.

Michael Amann, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Trittau, ist „grundsätzlich dafür, Defis an öffentlichen Gebäuden einzusetzen. Das ist auf alle Fälle eine sehr gute Sache“, unterstreicht er.

Zumal die Geräte selbsterklärend seien. Amann, der auch Gemeindevertreter in Trittau ist, macht darauf aufmerksam, dass im Haushalt 2017 „die Kosten für mindestens ein Gerät enthalten sind. Bis zu drei Geräte sind denkbar“. Die Gemeinde wolle damit ein Zeichen setzen.

Das bestätigt Bürgermeister Oliver Mesch, der das Nachbarschaftsprojekt am Hasenberg lobt: „Die Aktion finde ich sehr gut. Als Gemeinde haben wir für dieses Jahr einen Defi angeschafft, er soll im Verwaltungsgebäude aufgehängt werden. Ich werde im kommenden Jahr alle Supermärkte, Tankstellen, Banken und Läden anschreiben und dafür werben, dass diese für die Kundenbereiche Defis anschaffen, so dass wir eine gute Versorgung in Trittau erreichen.“ Ein weißer Fleck sei Trittau übrigens nicht. In der großen Sporthalle würde einer hängen. Aber es gilt: Je mehr, desto besser.

K. Kuhlmann-Schultz

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