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Stormarn „Schützenhof“ in Bargteheide wird abgerissen
Lokales Stormarn „Schützenhof“ in Bargteheide wird abgerissen
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15:41 06.03.2019
Der Schützenhof in Bargteheide wird abgerissen. Quelle: Archiv Museum Bargteheide
Bargteheide

Als Willy Vagt 1930 vom Kegeln nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau Clara: „Ich habe den Schützenhof gekauft“. Von da an war der alte Gasthof in Bargteheide – damals noch mit Landwirtschaft im Nebenerwerb – im Besitz der Großeltern und dann der Eltern von Karin Iden. 2005 haben sie und ihr Bruder Hans-Jürgen das Haus übernommen. Jetzt ist das Traditionsanwesen verkauft worden und wird im Sommer abgerissen. Damit endet eine Ära, denn der Schützenhof in der Jersbeker Straße war Mittelpunkt vieler Feste in der Stadt.

Anke (l.) und Karin Iden in der Küche des "Schützenhof". Quelle: Bettina Albrod

Nach dem Tod der Eltern 1953/54 übernahm Hildegard Iden zusammen mit ihrem Mann Emil den Schützenhof sowie die Bewirtung in der Schützenhalle am Ortsausgang von Bargteheide. „Ich bin im Schützenhof groß geworden“, erzählt ihre Tochter Karin Iden. „Meine Eltern hatten immer viel zu tun, aber es war auch immer jemand da.“ Auch sie legte schon früh mit Hand an, half nach der Schule beim Abwaschen oder schenkte Bier im Saal aus. Damals hatte der Gasthof bis auf Sonntag täglich geöffnet, und die ganze Familie half mit, um die Gäste zu bewirten. Die saßen in der Gaststube, feierten im großen Saal, amüsierten sich in der Sektbar, staunten vor der kleinen Bühne oder traten beim Kegeln gegeneinander an. „Ursprünglich gab es eine alte Kegelbahn im Garten“, erinnert sich Karin Iden, „1971 wurde dann eine neue Kegelbahn angebaut.“ Die funktionierte noch von Hand, und Kegeljungen verdienten sich etwas dazu, indem sie die Kegel wieder aufbauten und die Kugeln zurück brachten.

Detlev Buck hat einen Film im Saal gedreht

Im großen Saal tanzten sämtliche Verbände und Vereine, tagten die Politiker, feierten Schützen, Landjugend, Militärische Kameradschaft, die Feuerwehr und fanden sich Ehepaare. „Eine unserer Angestellten hat hier ihren Mann kennengelernt“, sagt Karin Iden. Der saß mit seinen Skatbrüdern an einem Tisch, und als das Mädchen hereinkam, erklärte er: „Die werde ich mal heiraten.“ So kam es auch, und das Paar wurde glücklich. 1976 kam Anke Iden dazu, Karin Idens Schwägerin. Als Karin Idens Mutter erkrankte, stieg die Tochter erst als Buchhalterin und dann als Mädchen für alles in den Betrieb mit ein. Sie und ihre Schwägerin übernahmen auch die Küche und kochten für die Gäste. Zu denen gehörten Prominente wie Henry Vahl und Heidi Kabel, Edgar Bessen, der hier Richtfest feierte, oder Sänger Tony, der durch „Mädchen mit roten Haaren“ bekannt geworden war. „Beliebt waren vor allem die Bratkartoffelgerichte im Haus.“

Anke und Karin Iden haben seit 2005 den Schützenhof betrieben. Quelle: B.Albrod

Das Haus spielt auch eine Hauptrolle in einem Werbespot, den Regisseur Detlev Buck vor ein paar Jahren für den NDR im Saal gedreht hat. „Seine Tochter spielte ein Mauerblümchen bei der Tanzstunde, und dann kommt ihr Prinz rein und fordert sie auf.“ Die Tanzstunde fand im Saal statt, der Anfang der 50er Jahre um einen Bühnenteil erweitert worden war. „Die Coca-Cola-Bälle und die Maskeraden waren legendär“, denkt Karin Iden zurück, die als Kind zusammen mit ihrer Freundin von oben durch den Ventilatorschlitz spähte, um die Kostüme zu sehen.

Ziel vieler Einbrüche

Beliebt war der „Schützenhof“ auch bei Einbrechern, die immer wieder einstiegen, um die Sparkasse der Sparclubs mitzunehmen. „Einmal hat ein Polizist aus Ahrensburg bei uns Hochzeit gefeiert, und oben waren die Einbrecher.“ Immer wieder sei es vorgekommen, dass ihre Mutter rief: „Karin, da unten ist jemand im Haus.“ Beim nächsten Lärm alarmierte Karin Iden die Polizei. „Da war es der Kater, der an die Scheibe gehämmert hatte, weil draußen eine andere Katze war.“

Im Schützenhof stecken viele Erinnerungen für Karin und Anke Iden. „Aber wir haben keinen Nachfolger gefunden, deshalb haben wir das Haus verkauft.“ Im Dezember wurde mit Freunden und Stammgästen Abschied gefeiert, jetzt wird der Schützenhof leer geräumt und im Sommer abgerissen. „Wir haben uns aber jede ein paar Andenken mit nach Hause genommen“, sagt Karin Iden. Die zwei alten Schützenscheiben, die fast 100 Jahre alt sind, kommen ins Bargteheider Museum des Verschönerungsvereins.

Bettina Albrod

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