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Stormarn Schuldfrage bei Unfall ungeklärt
Lokales Stormarn Schuldfrage bei Unfall ungeklärt
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18:32 31.07.2019
Das Ahrensburger Amtsgericht Quelle: Bettina Albrod
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Ahrensburg

Eine Tote, drei Schwerverletzte und mehrere leicht verletzte Helfer – das war die Bilanz eines Unfalls, der sich am zweiten Weihnachtstag 2016 auf der Umgehungsstraße von Siek ereignet hat. Am Mittwoch begann der Prozess gegen den Unfallverursacher, der sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Ahrensburger Amtsgericht verantworten muss. Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstages standen die Klärung des Unfallgeschehens und der Schwere der Schuld.

Wagen ist explodiert

Der Angeklagte, der als Fahrer arbeitet, hatte von seinem Chef den Auftrag bekommen, dessen Lebensgefährtin im BMW des Chefs nach Hause zu fahren. Auf die Fahrt habe er seine Freundin mitgenommen, so der Angeklagte, der aus Osteuropa stammt und einen Dolmetscher zur Seite hatte. Nachdem er auf der Rückfahrt noch ein paar Fotos des Wagens gemacht habe, den er schon oft gefahren habe, sei er auf die Umgehungsstraße gefahren. Von dem Punkt an habe er keinerlei Erinnerung mehr an das Geschehen.

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Aus Zeugenaussagen ergab sich folgendes Bild: „Der Angeklagte ist mit normalem Tempo vor uns her gefahren“, sagte ein junger Mann aus, der mit seinem Bruder zusammen unterwegs war. „Dann ist er kurz rechts auf den Grünstreifen gekommen, hat gegengelenkt, und der Wagen hat sich quer gestellt und ist auf die Gegenfahrbahn geraten.“ Dort prallte ein Mercedes mit zwei Insassen auf das Fahrzeug, das sofort in Flammen aufging und auf den angrenzenden Acker geschoben wurde. „Es war eine schlimme Situation, fast kriegsähnlich, weil der Wagen plötzlich explodiert ist“, erklärte eine weitere Zeugin. Die beiden Brüder und ein Medizinstudent, der wenig später vorbei kam, rannten zu dem brennenden BMW, um zu helfen.

Löschversuch mit Cola

„Ich habe die Scheibe auf der Fahrerseite abgebrochen, weil die Tür sich nicht öffnen ließ, und beide Gurte geöffnet“, sagte der eine der Brüder aus. Der andere Bruder versuchte zunächst, die Insassen anzusprechen, die bewusstlos waren. „Ich habe dann versucht, das Feuer mit Cola zu löschen“, so der Zeuge. Zusammen mit dem Medizinstudenten sei es ihnen schließlich gelungen, den Fahrer aus dem Wagen zu ziehen. „Sein Unterschenkel brannte, und meine damalige Freundin hat das Feuer mit ihrer Jacke gelöscht“, so der Student. Erst durch einen der Brüder habe er erfahren, dass die Beifahrerin noch im Auto war. Ihr war nicht mehr zu helfen, weil mittlerweile der ganze Wagen in Flammen stand.

„Das Auto rutschte plötzlich quer auf uns zu“, schilderte der Fahrer des Mercedes den Unfall. Durch den Aufprall sei er kurz ohnmächtig geworden, dann habe er ein Flackern gesehen und um Hilfe gerufen. Er und seine Freundin wurden schwer verletzt. Auch die Helfer am BMW hatten sich leichte Verbrennungen und Schnittwunden zugezogen. Der Angeklagte erlitt zu 30 Prozent Verbrennungen am ganzen Körper und mehrere Brüche. Die Richterin dankte den drei Helfern für ihren Mut. „Sie haben dem Angeklagten das Leben gerettet“, sagte sie, „das ist beachtlich und verdient Lob und Dank.“ Auch der Angeklagte bedankte sich bei seinen Rettern.

Kein Alkohol im Blut

Ein Bluttest hat ergeben, dass der Fahrer des Unfallwagens weder Alkohol noch Drogen im Blut hatte. Zeugenaussagen zufolge fuhr der Mann mit angepasster Geschwindigkeit. „Das Ausscheren kam wie aus dem Nichts“, so eine Zeugin. Auch der Sachverständige konnte am Unfallort keinen Hinweis darauf erkennen, dass der Angeklagte zuvor im Zick-Zack gefahren sei, wie andere Zeugen zu Protokoll gegeben hatten. Schließlich beschloss die Richterin nach einem Rechtsgespräch, die Verhandlung zu unterbrechen und zu entscheiden, ob das Verfahren eingestellt wird. Wenn nicht, wird es am 14. August um 13 Uhr fortgesetzt.

B.Albrod