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Stormarn Schulsanierung statt Verwaltungsneubau?
Lokales Stormarn Schulsanierung statt Verwaltungsneubau?
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23:59 30.01.2014
Die Schlauberger-Mädchen im Kursus von Susanne Braun-Speck (an der Tafel) arbeiten mit Eifer an einer neuen Schülerzeitung. Von den Sorgen ihrer Eltern um den Zustand des Schulhauses bekommen sie wenig mit. Quelle: Fotos: Uwe Krog
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Reinfeld

Der Schlauberger-Mädchenclub an der Matthias-Claudius-Schule arbeitet gerade an einer neuen Schülerzeitung. Da ist es wichtig zu wissen, was die Leute lesen wollen. Und Lilly (10) hat schon ein ganz gutes Gefühl für interessante Themen. „Wenn ein Opa aus dem Badezimmer springt und unten heile ankommt, das wollen die Leute lesen.“

Einmal die Woche kommen die Kinder zu Susanne Braun-Speck in den Computerraum und basteln an ihrer Zeitung, einer Zeitung von Kindern für Kinder an dieser Grundschule. „Die Druckerei Masur will sie später sogar drucken“, freut sich Moderatorin Braun-Speck. „Klasse“, sagt Melina (8). „Dann können wir die ja verkaufen und das Geld den armen Leuten schenken.“

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Doch die Reinfelder Grundschule macht der engagierten Mutter, Moderatorin und Kinderbuch-Autorin nicht nur Spaß. Sie teilt den Ärger der Eltern über den baulichen Zustand einiger Gebäude. Der ist immerhin so schlecht, dass selbst Schulleiter Stefan Beeg einräumt: „Eine Sanierung muss auf absehbare Zeit kommen. Heizung, Fenster und Beleuchtung in einigen Gebäudeteilen aus den 70er Jahren haben gelitten.“ Der Schulleiter betont aber, „dass es keine konkrete Dramatik“ gebe. Der Unterricht würde durch die Mängel nicht beeinträchtigt.

Susanne Braun-Speck kann der Schulleiter damit nicht beruhigen. Der Unmut über den Zustand des Schulhauses bekommt nämlich Nahrung aus einer ganz anderen Richtung. Der Beschluss zum Neubau des eine Million Euro teuren Verwaltungsgebäudes und der gleichzeitige Abriss des alten Rathausanbaus erregt die Gemüter. Dieses Geld, argumentieren einige, könne besser für die Sanierung der Schule verwendet werden.

„Einige Mitarbeiter sollen hinterher 26 Quadratmeter große Büros haben — für sich allein“, argumentiert Susanne Braun-Speck in einer Diskussion auf Facebook. „All das, während die Schulkinder auf jahrzehntealte, stinkende Toiletten gehen müssen und mit etwa 25 Schülern in einem Klassenraum von 40 Quadratmetern sitzen.“ Damit erntet sie Resonanz in dem Internet-Blog. „Es sind leider nicht nur 25, sondern zum Teil 27 oder 28 Schüler in der zweiten Klasse“, beschwert sich eine Mutter. Und eine andere schreibt: „Reinfeld hat definitiv keine anderen Sorgen. Abriss und Neubau (gemeint ist der Verwaltungsbau, Anm.d.Red.) sollte unverzüglich beginnen, egal was es kostet. Ironie aus“.

„Was für ein Blödsinn — Schandfleck — wo das denn? Es gibt echt wichtigere Dinge über die man sich Gedanken machen sollte, wie die Schule und vor allem Kitaplätze oder oder oder. Bis heute hat der Anbau niemanden gestört, aber jetzt, wo man nicht mehr weiß, in welchen Blödsinn man sonst das übrige Geld stecken soll. Oder wie?“ heißt es in einem weiteren Beitrag. Allerdings will die Stadt laut Bürgermeister Gerhard Horn seit drei Jahren die Schule sanieren.

800 000 Euro seien jedes Jahr eingestellt worden. „Aber es fehlen die politischen Beschlüsse“, sagt er. Demnächst wird Horn eine Unterschriftenliste von Eltern erhalten. Die fordern vom Schulverband, dass am Schulgebäude etwas getan werden muss.

„Eine Sanierung muss auf absehbare Zeit kommen.“
Stefan Beeg, Schulleiter

Uwe Krog

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