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Stormarn Angriff in Glinde: Polizei schießt Mann dreimal ins Bein
Lokales Stormarn Angriff in Glinde: Polizei schießt Mann dreimal ins Bein
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18:04 20.05.2019
Die Turnschuhe und die vermeintliche Waffe des Angreifers. In Glinde kam es zu einem Schusswechsel zwischen einem Mann und Polizeibeamten. Quelle: Christoph Leimig
Glinde

Dramatischer Einsatz für die Polizei in Glinde: Nur mit Waffengewalt konnten zwei Beamte am Sonntagmittag einen 38-jährigen Mann überwältigen. Zuvor hatte er die beiden Polizisten mit einer Waffe bedroht. Die Polizei war gegen 13 Uhr ins Gewerbegebiet Glinde zwischen Oher Weg und Möllner Landstraße gerufen worden, weil ein Mann am Telefon behauptet hatte, seine Familie mit einem Messer umgebracht zu haben.

Als die ersten Einsatzkräfte den Mann in Glinde auffanden, bedrohte er sie mit vorgehaltener Waffe. Wenig später hielt er sich nach Angaben der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Lübeck die echt aussehende Waffe selbst an den Kopf und drohte, sich zu erschießen.

Mit Pfefferspray wollten die Beamten den Mann zur Aufgabe zwingen, doch der Wind war zu stark. Außerdem standen die Polizisten offenbar zu weit weg von dem Mann. „Am Einsatzort eingetroffen, lief der Tatverdächtige nach einem kurzen Wortwechsel mit den Polizisten mit vorgehaltener Schusswaffe auf die Beamten zu“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Drei Schüsse in die Beine

Sodann habe der Mann die Waffe plötzlich auf die Polizeibeamten gerichtet und sich damit auf diese zubewegt. Auch in dieser Situation habe er nicht auf die Aufforderung reagiert, stehen zu bleiben und die Waffe niederzulegen. Um den Mann zu stoppen, gaben zwei Polizeibeamte der Polizeistation Reinbek im Alter von 26 und 31 Jahren aus ihren Dienstwaffen mehrere Schüsse auf die Beine des Mannes ab. Acht Beamte sollen zu dem Zeitpunkt vor Ort gewesen sein.

Der 38-jährige wurde dreimal in die Beine getroffen. Daraufhin sank er zu Boden und war außer Gefecht gesetzt. Er wurde überwältigt und festgenommen. Seine Schussverletzungen seien nicht lebensgefährlich gewesen, hätten aber operativ in einem Hamburger Krankenhaus behandelt werden müssen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Eine Vernehmung des Mannes war auch am Montag noch nicht möglich. „Der Hintergrund des Geschehens ist noch ungeklärt und Gegenstand der weiteren Ermittlungen“, erklärt die Lübecker Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst. Die von dem Mann geführte und auf die Beamten gerichtete Pistole habe echt ausgesehen. Jedoch handele es sich nach erster Bewertung nicht um eine scharfe Waffe, teilte Hingst mit.

Im Haus ist niemand verletzt worden

Am Sonntagmittag kam es in Glinde (Kreis Stormarn) zu einem Schusswechsel. Ein Mann zielte nach ersten Informationen auf Beamte der Polizei – sechs Schüsse sollen gefallen sein. Der Mann wurde angeschossen.

Der Tatort wurde abgesperrt. Anschließend stellte sich heraus, dass in dem Haus niemand verletzt oder gar getötet worden war. Polizeibeamte trafen die Eltern des Mannes unversehrt an. Der 38-Jährige selbst wohnt offenbar woanders.

Warum der Mann behauptet hat, seine Familie getötet zu haben, und warum er die Polizisten angriff, ist noch unklar. Ob der Mann psychisch krank ist oder unter Drogen stand, ist laut Staatsanwältin Ulla Hingst auch Gegenstand der Untersuchungen. Die weiteren Ermittlungen hat die Mordkommission Lübeck übernommen. Sie ist laut Geschäftsordnung auch für Schusswaffeneinsätze der Polizei zuständig, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft weiter sagte.

Angriffe auf Polizisten

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erinnerte in dem Zusammenhang mit dem Angriff in Glinde daran, mit welchen unberechenbaren Gefahren und Schwierigkeiten der Polizeiberuf verbunden sei. Im Bruchteil von Sekunden müsse vor Ort und unter Stress entschieden werden, wie zu reagieren sei, sagte der GdP-Landesvorsitzende Torsten Jäger.

Erst durch den Einsatz von Pfefferspray und eine Fixierung gelang es vor zwei Monaten der Polizei, in der Flüchtlingsunterkunft Boostedt eine randalierenden Somalier zu besänftigen. Vier Polizisten waren dabei verletzt worden, der 32-jährige Bewohner der Unterkunft kam in eine Psychiatrische Klinik.

Im Oktober 2018 starb bei einem Polizeieinsatz in Bad Oldesloe ein junger Obdachloser. Er war mit eine Messer auf einen Beamten zugestürmt. Dieser schoss, um den Angriff abzuwehren, auf den Obdachlosen und verletzte ihn tödlich. Das Verfahren gegen den Polizisten wurde vor Kurzem eingestellt, da der Mann aus Notwehr handelte.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft im dbb (DPolG) erklärt, der Einsatz mit dem Schusswaffengebrauch zeige erneut die besonderen Gefahren, die der alltägliche Dienst für Polizeibeamte mit sich bringt. Die DPolG wiederholt in diesem Zusammenhang die Forderung nach Ausstattung des polizeilichen Einzeldienstes mit dem Distanzelektroimpulsgerät, umgangssprachlich auch „Taser“ genannt.

Die Polizeibeamten in Schleswig-Holstein verfügen als Zwangsmittel einerseits über Schlagstock sowie Pfefferspray und haben als Ultima Ratio die Schusswaffe. Dazwischen klaffe eine Lücke, die aus Sicht der DPolG geschlossen werden muss. „Der Einsatz des ,Taser’ kann in einer Vielzahl von Einsatzsituationen den Schusswaffengebrauch vermeiden“, heißt es in einer Pressemitteilung der DPolG.

Wegen der Abgabe der Schüsse ist gegen die Polizeibeamten ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt (Paragraf 340 Strafgesetzbuch) eingeleitet worden. Es werde geprüft, ob die Schussabgabe nach den Vorschriften des Landesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein über den Gebrauch von Schusswaffen oder durch Notwehr (Paragraf 32 StGB) gerechtfertigt gewesen sei.

Gegen den 38-Jährigen wird ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte geführt.

RND/mc

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