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Stormarn Schutz vor Einbrechern: Polizei berät Einwohner in Wohngebieten
Lokales Stormarn Schutz vor Einbrechern: Polizei berät Einwohner in Wohngebieten
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15:41 23.01.2019
Die Polizeibeamten Mira Buchmann und Timo Krebs sprechen mit Ute Schael über Möglichkeiten zum Einbruchsschutz. Quelle: TIMO JANN
Schwarzenbek

Mira Buchmann und Timo Krebs streifen zu Fuß durch den Bäckerweg, gehen durch den Rehwisch. Die Polizisten entdecken offene Garagentore, überquellende Briefkästen, gekippte Fenster. Es dämmert, es ist die Zeit der Einbrecher. Buchmann und Krebs sind im Auftrag der polizeilichen Prävention unterwegs. Wie Kollegen am Bahnhof, in Lauenburg, in Büchen, in Güster und in anderen Gemeinden des Schwarzenbeker Polizeireviers. „Wir wollen das Gespräch mit den Bürgern suchen, sie aufmerksam machen, wo sie noch mehr für die Sicherheit ihrer Häuser tun können“, erklärt Jens Stamer, der stellvertretende Revierleiter. Auch im Kreis Stormarn sind Polizeibeamte aufklärend unterwegs – so in Ahrensburg und Ammersbek.

Neue Fenster gegen Einbrecher

In der Siedlung am Forsthof in Schwarzenbek bittet Ute Schael die Beamten herein. Vor eineinhalb Jahren hat sie neue Fenster einbauen lassen, jetzt könnten die Beamten ja mal drauf gucken, ob alles sicher ist, wo sie schon mal da sind, meint die Schwarzenbekerin. „Alles gut“, urteilen Buchmann und Krebs nach dem kurzen Hausbesuch. Im Bäckerweg geht, gerade als die Beamten einbiegen, eine junge Frau zum Auto im Carport. Die Haustür lässt sie hinter sich sperrangelweit auf, sie will nur kurz eine Handtasche holen. Krebs schleicht sich hinterrücks an – ein Einbrecher wäre unbemerkt ins Haus gelangt. Die junge Frau macht große Augen. „Wir halten die Augen offen, lassen auch mal Licht an, wenn wir weg sind“, berichtet die Mutter der Frau den Polizisten.

Einbrüche in Gemeinden

Die meisten Fälle von Wohnungseinbruchsdiebstahl waren 2017 mit 150 (2016: 185) in Ahrensburg zu verzeichnen. Weitere Entwicklungen: Reinbek: 84 (78), Geesthacht: 54 (90), Wentorf/ Hbg.: 54 (66), Bad Oldesloe 54 (58), Glinde: 51 (40), Bargteheide 44 (52), Barsbüttel: 37 (41), Lauenburg: 36 (29), Ratzeburg: 23 (25), Mölln: 22 (36), Schwarzenbek: 21 (44).

Die gesamte Statistikfür 2018 liegt noch nicht vor. Aber im Oktober veröffentlichte die Polizei erstmals aktuelle Fallzahlen von Januar bis Oktober. Diese Werte sind jedoch nur bedingt aussagekräftig. Im Lauenburgischen ging die zahl der WED von 2016 auf 2017 von 555 auf 386 Fälle zurück (bekannt gewordene Fälle). In Stormarn sank die Zahl der Fälle im gleichen Zeitraum von 778 auf 675 Delikte.

Volle Briefkästen als Einladung für Einbrecher

Ein paar Häuser weiter entdeckt Krebs einen überquellenden Briefkasten. Post, Werbung und Zeitungen türmen sich. „Machen Sie es Einbrechern nicht zu leicht!“, steht auf einem Infozettel, den Krebs dazu steckt. „Sehr geehrte Hausbewohner, wir wollen, dass Sie sicher leben“, steht darauf. „Bei unserer Streife ist uns an Ihrem Haus aufgefallen...“, heißt es weiter. Krebs kreuzt den überfüllten Briefkasten an. Gekippte Fenster, geöffnete Garagentore, zugängliche Aufstiegshilfen werden aufgeführt. „Eine Leiter im Carport ist natürlich eine willkommene Einladung für Einbrecher, auch an gekippte Fenster im ersten Obergeschoss zu gelangen“, weiß Mira Buchmann.

Timo Krebs neben einem überfüllten Briefkasten. Er steckt den Bewohnern ein Informationsblatt für besseren Einbruchsschutz zu. Quelle: TIMO JANN

„2017 haben wir diese Art der Prävention ins Leben gerufen“, berichtet Stamer. „Die Resonanz ist durchweg positiv“, sagt Gerd Dietel, der den Fachbereich bei der Polizeidirektion in Ratzeburg leitet. Damals hatte es extrem hohe Fallzahlen gegeben. Noch veröffentlicht die Polizei vor der Bekanntgabe der offiziellen Statistik keine Zahlen, aber so viel steht fest: „Die Zahlen bei der Einbruchskriminalität sind rückläufig“, so Dietel. Und auch der Blick auf die aktuelleste Statistik, die im Oktober 2018 veröffentlicht wurde, gibt ihm recht. Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle (WED), zu der auch Fälle von Tagewohnungseinbruch (TWE) gehören, erreichte 2017 den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre (WED 2008: 1085, 2015: 1888, 2017: 1061). Lag die Aufklärungsquote für diese Delikte in der gesamten Polizeidirektion 2013 noch bei 6,1 Prozent, lag sie 2017 bei einem Wert von 11,9 Prozent (2016: 7,4 Prozent).

Streifen decken Schwachstellen auf

Auch in Ahrensburg und Ammersbek waren mehrere, aus jeweils drei Polizeibeamten bestehende, Streifen unterwegs. Bei klirrender Kälte und strahlendem Sonnenschein durchstreiften sie die zum Teil sehr idyllischen Wohnstraßen, immer auf der Suche nach für Einbrecher reizvolle Auffälligkeiten. Auf kipp gestellte Fenster oder auf dem Grundstück herumliegende Leitern sind unter anderem Anlass für die Beamten, an der einen oder anderen Haustür zu klingeln, erklärt Polizeihauptmeister Thomas Christoph Fragel. Allzu oft erlebe er, wie unbedacht Hausbesitzer förmlich Einladungen für professionelle Einbrecher schaffen. Wie zum Beweis steht er kurze Zeit später an einem unverschlossenen Garagentor, welches er, wenn er es darauf angelegt hätte, ohne Mühe hätte öffnen können. Polizeikommissar Ralf Kretz ergänzt: „Häufig hört man Sätze wie „bei uns ist noch nie was passiert“, oder „bei uns ist ja auch eh nichts zu holen“.

Privatsphäre sollte geschützt werden

Die Erfahrung, so ergänzt er, zeigt, dass das Wissen um das Eindringen in die innerste Privatsphäre nach einem Einbruch meist deutlich schwerer wiegt als der Verlust des Materiellen. Seine Hoffnung ruht darauf, Sensibilität für das Thema Einbruchsschutz und auch die Möglichkeit der polizeilichen Beratung zu schaffen.

Kurze Zeit später erreicht das Trio das Haus der über 80-jährigen Gertrud Eggert. Sie erzählt den Beamten, dass sie schon viermal Opfer eines Einbruchs gewesen sei. Nun gäbe es bei ihr nichts mehr zu holen. Die Fotoausrüstung ihres Mannes, Schmuck, alles hätte die Diebe mitgehen lassen. Interessiert lauscht sie den Ausführungen der Beamten und lässt sich schlussendlich auch den Dienstausweis des Polizeikommissars zeigen. Nein, gesehen hätte sie noch nie einen. Trotz der leider so häufigen Kontakte mit der Polizei. Sie findet die Aktion der Polizei gut und würde, so das leicht resignierte Resümee, wenn sie denn noch etwas jünger wäre, sich sicher noch mal neu mit dem Thema Einbruchsschutz beschäftigen.

Täter wollen schnell rein und wieder raus

„Die Täter gehen durch die Wohngebiete und achten auf Sicherheitsdefizite an den Häusern“, berichtet Dietel in Schwarzenbek. Erscheint ihnen eine Gelegenheit günstig, steigen sie ein. Stamer: „Die Täter wollen schnell rein und sicher wieder weg. Die observieren nicht tagelang, der Aufwand wäre viel zu groß.“

Bei ihrer Fußstreife haben Buchmann und Krebs Infobroschüren und Flyer zum Thema Einbruchsschutz dabei. „Viele Hausbesitzer sind mittlerweile sensibilisiert“, hat Mira Buchmann beobachtet. Sie rät zu Bewegungsmeldern und angeschlossenen Scheinwerfern. „Licht schreckt Einbrecher ab. Aber die Bewegungsmelder sollten dann auch so hoch angebracht werden, dass die Täter sie nicht einfach verstellen können“, rät sie. Bester Schutz gegen Einbrecher seien aber meistens Rollläden. „Ich finde die Aktion der Polizei gut“, sagt Ute Schael nach dem Hausbesuch der Beamten. „Sie zeigen Präsenz und sind für Bürger ansprechbar, das ist toll“, findet sie.

Timo Krebs neben einem überfüllten Briefkasten. Er steckt den Bewohnern ein Informationsblatt für besseren Einbruchsschutz zu. Quelle: TIMO JANN

Beim Landeskriminalamt wurden Spezialisten für die Spurensicherung ausgebildet, die sich ausschließlich mit Einbrüchen beschäftigen. Nach einer Tat suchen sie nach Spuren in Wohnungen und Häusern. Vor einigen Jahren hat das teilweise noch der Streifendienst übernommen – heute sind Spurensicherung und -auswertung intensiver. Das führt auch zu mehr Informationen über mögliche Zusammenhänge von Taten und hilft beim Festnehmen von Tätern.

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Timo Jann und Mike Orend

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