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Stormarn Schutzstreifen für Radler kommen wieder weg
Lokales Stormarn Schutzstreifen für Radler kommen wieder weg
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19:10 12.04.2018
Schutzstreifen sind für weniger stark befahrene Straßen gedacht, die nicht von einem gesonderten Radweg flankiert sind. Quelle: Foto: Urbanus/hfr
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Bad Oldesloe

Diese Befürchtung geht in Befürworterkreisen um. Denn um die 1,25 Meter breiten, eigens den Radfahrern reservierten Randstreifen, die als Teil eines deutschlandweiten Modellprojekts auf 15 Strecken in insgesamt fünf Bundesländern eingerichtet wurden, ist es verdächtig still geworden.

Radfahrer leben gefährlich. In Stormarn wurde deshalb auf drei Strecken getestet, ob Schutzstreifen außerhalb der Ortschaften mehr Sicherheit bieten. Jetzt sollen die Markierungen entfernt werden. Ist die Idee der eigenen Fahrbahn für Radler damit komplett vom Tisch?

Sieben Projekte

Nach geltender StvO gibt es derzeit außerorts nur auf stark befahrenen Strecken straßenbegleitende Radwege. Ziel der Schutzstreifen wäre es, Radlern auch auf weniger frequentierten Straßen mehr Sicherheit zu bieten.

Am Modellprojekt haben sich außer Stormarn beteiligt: Amt Dömit-Malliß in Mecklenburg-Vorpommern, Landkreis Northeim, Grafschaft Bentheim, Neuruppin, Köln und Rhein-Erft-Kreis.

Die weißen Stotterlinien wurden 2013 auch schon an der K 79 zwischen Barkhorst und Eichede und den beiden anderen Stormarner Strecken zwischen Siek und Hoisdorf (K 97) sowie Lütjensee und Oetjendorf (K 98) aufgebracht. Sie verweisen Autofahrer in die Mitte der Fahrbahn. Auf die Schutzstreifen dürfen sie nur bei Begegnungsverkehr ausweichen.

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Da eine solche Regelung in der aktuellen Straßenverkehrsordnung (StvO) bis dato nicht vorgesehen ist, sollte testweise erforscht werden, ob dieses Modell auf Landstraßen generell geeignet ist, das Risiko von Radunfällen einzudämmen. Beobachtet wurde etwa wie Kraftfahrer auf den Strecken überholen und mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs sind.

Das Experiment war eigentlich auf ein Jahr beschränkt und sollte genug Argumente für oder gegen die Schutzstreifen liefern. Doch lange Zeit war nichts mehr zu hören vom Modellprojekt. 2016 dann zog das mit der Untersuchung in Stormarn betraute Planungsbüro Urbanus aus Lübeck eine positive Bilanz. Auch Günter Fischer, Fachdienstleiter für Verkehr und Planung in der Kreisverwaltung, schrieb dem Projekt Chancen zu, Eingang in die StvO zu finden, schränkte aber ein, dass sich das Modell nicht für alle Straßen eigne. Wo es sinnvoll sei, das müsse im Einzelfall geprüft werden.

Fast zwei weitere Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, ohne dass die Gutachter von Ländern und Bund auf einen gemeinsamen Nenner gekommen wären. In Nordrhein-Westfalen etwa, wo das Projekt als erfolgreich eingestuft wird, schert man sich offenbar nicht um die zeitliche Begrenzung des Versuchs, sondern behält die Schutzstreifen einfach so, ohne Rückendeckung durch die StvO, bei. Auch in Schleswig-Holstein wurde die Ausnahmegenehmigung für die drei Stormarner Strecken mehrmals verlängert. Doch die Kreisverwaltung plagen inzwischen Skrupel.

„Die Rechtslage ist unklar“, sagte gestern eine Mitarbeiterin des Fachbereichs Verkehr und Planung. „Eigentlich sollte der Schlussbericht zu den Schutzstreifen schon 2014 vorliegen. Danach hätten wir die Markierung ohnehin entfernen müssen. Das war zu Beginn schon im Projekt so angelegt.“ Schließlich handelte es sich um eine Probephase und nicht um eine Einführung der Schutzstreifen durch die Hintertür.

Hinzu komme, dass die weißen Linien und die Fahrrad-Piktrogramme inzwischen nicht mehr reflektierten und so stark verblasst seien, dass sie erneuert werden müssten. Da sie nur für ein Jahr halten sollten, sei damals kein hochwertiges Material verwendet worden. Ein Neuanstrich verursache aber zusätzliche Kosten, die einzig am Kreis hängenblieben. Am Entfernen der Streifen beteilige sich wenigstens der Bund. Der Auftrag sei zudem schon ausgeschrieben.

„Wir betrachten die Schutzstreifen als sehr sinnvolle Einrichtung und stehen ihnen grundsätzlich positiv gegenüber“, sagt wiederum Rainer Hinsch, Ortsvorsitzender des ADFC in Bad Oldesloe. Er und die anderen Clubmitglieder hoffen stark, dass auf Bundesebene nun endlich eine Entscheidung getroffen wird – günstigenfalls für die Sicherheit der Radler.

Eine Erklärung vom Bundesverkehrsministerium, wie es mit dem Modellprojekt weitergehen soll, steht noch aus.

 Dorothea von Dahlen