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Stormarn Schwere Raubtaten: Zeugen haben nur diffuse Erinnerungen
Lokales Stormarn Schwere Raubtaten: Zeugen haben nur diffuse Erinnerungen
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20:10 31.08.2015
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Bargteheide

Am zweiten Verhandlungstag gestern am Lübecker Landgericht zeichnete sich ab, welches die Motive der drei angeklagten Männer aus Bargteheide und Elmenhorst (25, 23 und 22 Jahre alt) sind. Wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes sind sie angeklagt in zwei Fällen: einmal in Bargteheide Anfang Februar, als sie einen Großbildschirm der Marke Samsung mit Gewalt an sich genommen haben sollen; und eine Woche später in Elmenhorst, als sie einen Wohnungsinhaber erst mit einem Elektroschocker bedroht und ihm dann die in der Wohnung versteckten Rauschgiftvorräte an sich genommen haben sollen.

Dahinter scheint wenigstens bei dem Überfall auf einen Wohnungsinhaber in Elmenhorst ein Streit um Rauschgift zu stecken. Eine 17-Jährige aus einem Dorf bei Reinfeld, die damals mit einem der Angeklagten befreundet war, beschrieb, wie sie mit dem Trio nach Elmenhorst gefahren sei, „angeblich weil sie Zehner-Gras holen wollten“, also Marihuana für zehn Euro.

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Aber dann sei alles anders gekommen. Per Handy lockten die Männer den Elmenhorster vor die Haustür, um ihm die Drogen abzukaufen. Bei der Übergabe sei es dann zu der heftigen Bedrohung gekommen. Die Angeklagten seien in dessen Wohnung gegangen, wohl um an dessen Rauschgiftvorräte zu kommen. Sie selber habe draußen gewartet, sie habe auch nicht so genau gewusst, worum es ging, hätten die Täter doch Polnisch untereinander gesprochen.

Inzwischen habe sie sich von ihrem damaligen Freund getrennt, vor allem weil sie mit solchen Machenschaften nichts zu tun haben wolle. Trotzdem dürfte sie zur Erhellung der Szene beigetragen haben.

Das Rauschgift habe immer dort gelagert, wo eine ganz bestimmte Person aufgetaucht war. Auch ihr Erinnerungsvermögen war getrübt, ihre Aussagen waren schwammig. Möglicherweise, wie wie der Richter vermutete, aus Furcht vor den Angeklagten, die ihre Ausführungen aufmerksam verfolgten.

Doch die junge Frau erinnerte immer noch mehr als die beiden Brüder aus dem Bargteheider Traberstieg. Dort hatten wohl zwei der Polen den Samsung-Fernseher aus einer benachbarten Wohnung geholt. Der eine Bruder hatte das Gepolter nebenan nur peripher mitbekommen, weil er in der eigenen Bleibe mit „einem Kollegen chillte“. Die Vergesslichkeit des anderen war dem Wodka, der eigenen schlechten Befindlichkeit und einem Damenbesuch geschuldet. Einzig ein weiterer Nachbar, ein 57-jähriger Tiefbauer, beschrieb, wie „die sich inne Klutten hatten“, was aber nichts Ungewöhnliches in dem Haus sei.

„Bei uns gibt es öfter mal Streit. Es ist üblich, dass man mit den Türen knallt.“

Er habe noch gesehen, wie der beraubte Nachbar den Fernseher, den einer der Polen schon auf dem Flur abgestellt hatte, wieder zurück in die Wohnung getragen habe. Einheitlich berichten alle Nachbarn allerdings, dass der Fernseher am nächsten Tag verschwunden gewesen sei.

Das Verfahren wird am Donnerstag fortgesetzt.





Aus dem
Gerichtssaal
„Ich habe gesehen, wie die sich inne Klutten hatten. Ist bei uns nicht ungewöhnlich.“
Ein Nachbar im Bargteheider Traberstieg

Uwe Krog