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Stormarn Sechs erstaunliche Fakten über die Kultur im Kreis
Lokales Stormarn Sechs erstaunliche Fakten über die Kultur im Kreis
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17:23 26.04.2019
Das Stormarnsche Dorfmuseum wurde bislang als einziges vom Land zertifiziert. Es wird getragen von einer großen Gruppe von Ehrenamtlern. Quelle: mc
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Dafür wurde unter anderem ein Kulturentwicklungsplan in Auftrag gegeben. Das 137 Seiten umfassende Werk des Kulturexperten Guido Froese aus Rendsburg liegt jetzt als Diskussionsgrundlage vor und wird in Workshops weiterentwickelt. Dabei kamen einige bemerkenswerte Fakten zum Vorschein.

Kulturinfos aus der Tageszeitung

Für eine über die Ortsgrenzen hinausgehende regionale Kulturinformation spielen die Tageszeitungen eine zwar abnehmende, aber immer noch wichtige Rolle. Im Kreis Stormarn berichten drei Tageszeitungen über lokale und regionale Kulturangebote. Bei einer Umfrage „Wie haben Sie von der Ausstellung erfahren?“ gaben die meisten Besucher mit Abstand die Tageszeitung als Informationsquelle an. Bei den Gruppenbesuchen waren es am häufigsten Infoschreiben von Kindergarten oder Schule.

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Aber auch online gibt es ein im landesweiten Vergleich herausragendes Angebot an gut gemachten und gepflegten Internetseiten, die einen schnellen Überblick wie einen fundierten Einblick liefern. Hierzu zählen die Seiten des Kreises (www.kreis-stormarn.de), der Kulturabteilung des Kreises (www.kulturstormarn.de), des Kreisarchivs (www.kreisarchiv.stormarn.de) und der Sparkassenstiftungen (www.stiftungen-sparkasse-holstein.de). Social Media spielt dagegen kaum eine Rolle. Dort wo z.B. Facebook zur Kulturinformation genutzt wird, sind die Abonnentenzahlen meistens sehr klein.

Florierender Buchmarkt

In der sogenannten Kultur- und und Kreativwirtschaft (KKW) gibt es nach einer Erhebung der Metropolregion Hamburg deutliche Unterschiede in den Kreisen. Dem Kreis Stormarn wird eine vergleichsweise hohe Zahl von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf dem Buchmarkt bescheinigt. Insgesamt waren in der KKW bei der jüngsten Erhebung 3268 Personen erwerbstätig, es wurde eine Wertschöpfung von mindestens 91,5 Millionen Euro erzielt – mit stark steigender Tendenz.

Die meisten Beschäftigten arbeiteten auf dem Buch- und Pressemarkt (690) sowie in der Software-/Games-Industrie (572), vor allem der zweite Bereich mit stark steigender Tendenz. Auch dem Kunstmarkt bescheinigt der Kulturentwicklungsplan gute Zukunftsaussichten.

Die höchsten ausgewiesenen Umsätze in der KKW werden in der Designwirtschaft (Industrie-, Produkt-, Mode-, Grafik- und Kommunikationsdesign) generiert. Mit 36,4 Millionen Euro hatte sie einen Anteil von 18,2 Prozent am Gesamtumsatz. Den nächsthöheren Wert erzielte die Filmwirtschaft mit 26,8 Millionen Euro.

Ein Hoch auf das Ehrenamt

Die Übersicht über die Kulturangebote insbesondere in den kleineren Kommunen ist geprägt von ehrenamtlicher Trägerschaft und Tätigkeit. Obwohl es auch eine Reihe an hauptamtlich geführten Einrichtungen gibt, findet der größte Teil der kulturellen Aktivitäten in Vereinen und Initiativen statt, die von ehrenamtlichen Kräften getragen werden.

„Viele Institutionen würden ohne dieses Engagement der Bürger gar nicht existieren, da sie nicht arbeitsfähig bzw. überhaupt nicht gegründet worden wären“, schreibt Guido Froese. Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre dürfte sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, wie sich Ehrenamt mit Beruf und Ausbildung vereinen lässt. „Viele der Ehrenamtler gehören zur älteren Generation. Da müssen wir gucken, dass uns das nicht alles irgendwann zusammenbricht“, sagt dazu Kirstin Krochmann (CDU), Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses des Kreises.

Bargteheider Stadtmusikanten landesweit einzigartig

Grundlage für ein ausgeprägtes musikalisches Leben sind Möglichkeiten der musikalischen Bildung, darunter in Stormarn mehrere Musikschulen. Landesweit ohne Vergleich ist laut Guido Froese das Projekt der Bargteheider Stadtmusikanten. Das Netzwerk mehrerer Einrichtungen für kindliche Bildung hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch enge Zusammenarbeit das Musikangebot für Kinder effektiver zu gestalten und Kindern aus allen Schichten den Zugang zu Musik zu ermöglichen.

Was für ein Theater!?

18 freie Theater und -vereine gibt es in Stormarn. Sie spielen vor Ort Theater, teils auf Niederdeutsch. (Auflistung unter https://www.kultur-stormarn.de/einrichtungen/). Eine Besonderheit stellt das Therapie-Theater Reinfeld dar, welches unter dem Motto „Theater als Therapie – Theatertherapie als soziale Kunst“ einen therapeutisch-künstlerischen Ansatz vertritt. Seit 2016 bietet das Impro-Theater Stormarn Aufführungen, Kurse und Workshops in und um Bargteheide.

Büchereien als dritter Ort

Einen unvermindert hohen Stellenwert im Bereich der Literatur, Literaturförderung und -vermittlung sowie als sogenannte dritte Orte nehmen öffentliche Bibliotheken ein. Im Kreis Stormarn gibt es flächendeckend Büchereien, Träger sind die Städte und Gemeinden. Außerdem gibt es noch das Norddeutsche Nah- und Schienenverkehrsarchiv in Ahrensburg und die Fahrbücherei des Kreises, die laut Gudio Froese zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in den kleinen Gemeinden unerlässlich ist.

In den vergangenen Jahren entwickelten sich Büchereien zunehmend zu sogenannten dritten Orten, zu inszenierten Lebensräumen, in denen man sich vorübergehend aufhält. Es sind Orte zwischen dem eigenen Zuhause (erster Ort) und der Arbeitswelt/Ausbildungsstätte (zweiter Ort). Froese: „Familien, Jugendliche, Senioren treffen sich dort zum Einkauf, zur Unterhaltung, zum Essen und Trinken.“

Insgesamt ist die Kulturszene in Stormarn sehr vielfältig, so Froese. „Sie ist sehr lebendig und eine gewachsene Größe, sie wird geformt von Bürgern in Vereinen und Initiativen sowie einer Vielzahl von Künstlerinnen und Künstlern, die teilweise auch in Lübeck oder Hamburg aktiv sind“, analysiert Guido Froese. „Sie alle bringen sich ein und formen unsere facettenreiche Kulturszene mit urbanem Charakter und tragen damit zu einer hohen Lebensqualität im Kreis bei.“

Die Kreispolitik freut das Statement, will nun jedoch die kulturelle Ausrichtung für die kommenden Jahre festzurren. „Aufgrund knapper finanzieller und personeller Ressourcen in der Kulturabteilung des Kreises müssen wir Schwerpunkte setzen“, sagt Kirstin Krochmann. Wie diese aussehen, wird derzeit erarbeitet. Auch eine Kreiskulturkonferenz soll es dazu Anfang Juni geben.

Markus Carstens