Segeberg und Stormarn impfen im Rekordtempo
Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Segeberg und Stormarn impfen im Rekordtempo
Lokales Stormarn

Segeberg und Stormarn impfen im Rekordtempo

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 27.05.2021
Dr. Wiebke Meßer von der Arztpraxis am See in den Segeberger Kliniken impft einen ihrer Patienten.
Dr. Wiebke Meßer von der Arztpraxis am See in den Segeberger Kliniken impft einen ihrer Patienten. Quelle: Lutz Roeßler
Anzeige
Bad Segeberg/Bad Oldesloe

Die niedergelassenen Ärzte und die Impfzentren haben das Impftempo in den vergangenen Wochen noch mal stark erhöht. Im Kreis Segeberg sind so jetzt bereits 118 222 Impfungen von den Hausärzten und in den Impfzentren gespritzt worden, im Kreis Storman sind es insgesamt rund 140 000 Impfungen. Rund ein Drittel davon sind bereits Zweitimpfungen. So viel wie in der vergangenen Woche wurde noch nie geimpft.

Ärzte haben Impftempo mehr als verdoppelt

Rekordverdächtig ist der Anstieg bei den Haus- und Fachärzten. Während die Hausärzte im April in den ersten beiden Wochen nach Impfstart in Segeberg noch rund 3000 Patienten in der Woche impften und im Kreis Stormarn sogar nur 2500 Menschen, haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. 7679 Patienten wurden in den Segeberger und 7415 Menschen in den Stormarner Arztpraxen in der vergangenen Woche geimpft. Damit haben in Segeberg insgesamt 36 131 Menschen in den Praxen ihren Corona-Schutz erhalten, in Stormarn sind es 33 340.

Den Anstieg des Tempos haben die Praxen offenbar gut verkraftet. „Es wird zwar schon heftig gearbeitet, aber es verläuft alles relativ reibungslos. Bisher hat sich noch niemand verabschiedet, weil er oder sie es nicht mehr schafft“, sagt Nikolaus Schmidt von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). Das bestätigt auch Dr. Wiebke Meßer vom Ambulanten Versorgungszentrum in den Segeberger Kliniken. „Wir sind in unserer Impflogistik sehr gut eingespielt, die Patienten bringen die ausgefüllten Aufklärungsbögen gleich unterschrieben mit in die Praxis. Auch der Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung nimmt anscheinend ab“, so die Fachärztin für Allgemeinmedizin. Insgesamt sei die Praxis gut ausgelastet und die erweiterten Sprechzeiten zur Impfung gut gefüllt. „Die Belastungsgrenze ist aber nicht erreicht, insgesamt freut es uns, vielen Leuten ein Impfangebot zu machen“, sagt Meßer. Ihr Kollege Dr. Michael Emken vom Ärztehaus am Kurpark bleibt ebenfalls optimistisch. „Wir konnten ja bereits Erfahrungen sammeln und sind schon bei dem Zweitimpfungen angekommen. Organisatorisch wird jeden Tag noch nachgesteuert und die Abläufe optimiert“, so der Hausarzt. Eine große Herausforderung sei es, „dass wir 200 Impfdosen nicht allein an einem Tag in der Woche verimpfen können, so dass wir fast jeden Tag in der Praxis, diese Woche sogar sonnabends, gegen Corona impfen. Dabei müssen wir natürlich den normalen Praxisalltag aufrechterhalten.“ Die Belastung für das Team sei weiterhin sehr hoch, aber die Arbeitsmotivation ebenso, „weil wir das Gefühl haben, unseren positiven Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten zu können.“

Impfzentren schieben Sonderschichten

Noch mal eine Steigerung gab es auch in den Impfzentren. „Wir hatten in diesem Monat gleich mehrere Sonderschichten“, berichtet Andreas Rehberg, Leiter des Bereichs Sicherheit und Gefahrenabwehr beim Kreis Stormarn. Zum einen sei über eine Woche zusätzlich Johnson & Johnson in Sonderzeiten verabreicht worden. „Dadurch sind in Bad Oldesloe 80 und in den anderen beiden Impfzentren zusammen noch mal 60 Impfungen pro Tag dazu gekommen“, sagt Rehberg. Zudem habe man einige Termine vorziehen müssen. Der Hintergrund: Bei den Impflingen unter 60 Jahren, die eigentlich Astrazeneca-Termine hatten, wurde bei der Erstimpfung aufgrund der neuen Erkenntnisse bezüglich der Hirnthrombosen als sehr seltene Nebenwirkung kurzfristig auf Biontech umgestellt. Doch weil der Termin für die zweite Impfung bei Biontech früher empfohlen wird als bei Astrazeneca, mussten die Termine für die Zweitimpfung alle vorgezogen werden. „Deshalb hatten wir in Bad Oldesloe über zwei Wochen sogar sechs statt fünf Impflinien offen. Vorübergehend haben wir auch die Zeiten ausgeweitet und die Mittagspause gestrichen“, erinnert sich Rehberg.

Impfzentren in Segeberg steigern sich von Woche zu Woche

Das alles schlägt sich auch in den Zahlen der Impfzentren nieder. Zwar werden die aktuellen Zahlen im Kreis Stormarn erst wieder in der nächsten Woche ausgerechnet, legt man jedoch die Tageszahlen der einzelnen Impfzentren zu Grunde, so lässt sich errechnen, dass die Gesamtzahl der Impfungen im Kreis Stormarn von rund 69 000 am 30. April auf mittlerweile rund 107 500 angewachsen ist.

Aktuelle Zahlen aus den Impfzentren liegen dagegen für den Kreis Segeberg vor. Dort wurde in der vergangenen Woche ein Rekordergebnis erzielt und erstmals über 10 000 Menschen in den drei Zentren in Wahlstedt (4408 Impfungen), Kaltenkirchen (2965) und Norderstedt (2658) geimpft. Das Impftempo hatte sich von Woche zu Woche gesteigert, von zunächst 6301 Impfungen auf 7461, 9216 und nun schließlich 10 031 Impfungen pro Woche. Der Grund: Es stand mehr Impfstoff zur Verfügung, der dann auch gleich eingesetzt wurde. Ohnehin wird in den Zentren sieben Tage die Woche geimpft. Kreissprecherin Sabrina Müller: „Je nach den zur Verfügung stehenden Impfstoffmengen wurden und werden die Öffnungszeiten am Vormittag erweitert oder es sind mehr Impflinien in Betrieb.“

Von Sven Wehde