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Stormarn Ein Sehmsdorfer fragt: Wie kann lautes Pflaster dem Lärmschutz dienen?
Lokales Stormarn Ein Sehmsdorfer fragt: Wie kann lautes Pflaster dem Lärmschutz dienen?
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18:00 05.06.2019
Kaum noch zu sehen: Der Sehmsdorfer Michael Burow ärgert sich über die stark zugewachsene Verkehrsinsel an der K 67 . Quelle: Dorothea von Dahlen
Sehmsdorf

 Das Kraut steht hoch auf der Verkehrsinsel. Die Büsche, die sich darauf mit den Jahren ausgesät haben, gehen Michael Burow inzwischen schon bis zur Brust. Von Zeit zu Zeit klaubt er Getränkedosen und achtlos fortgeworfene Fastfood-Verpackungen aus dem Gestrüpp. Doch das ist es nicht allein, was den Sehmsdorfer auf die Palme bringt. Er hält den Standort des Fahrbahnteilers für falsch platziert und kritisiert die ganze Konstruktion rundherum.

Verkehr rumpelt laut übers Pflaster

„Meines Erachtens gehört eine solche Anlage zur Verkehrsberuhigung an den Ortseingang, sodass die Autofahrer rechtzeitig darauf aufmerksam werden, dass sie in eine geschlossene Ortschaft kommen. Aber bei uns liegt sie mitten im Ort. Das hat doch keinen Sinn“, sagt der Sehmsdorfer verärgert. Viele Kraftfahrer bremsten ja erst ab, wenn sie auf ein solches Hindernis zufahren. Hinzu komme erschwerend, dass die Fahrbahn vor und nach der Verkehrsinsel gepflastert sei. So entstehe beim Darüberfahren in jedem Fall Lärm. Bei Fahrzeugen mit Hänger, insbesondere wenn unbeladen, schrecke man sogar unweigerlich zusammen. Einer der Anwohner habe bereits selbst eine Art Bretterverschlag als Lärmschutz zur Grundstücksgrenze hochgezogen, um sich die Fahrgeräusche einzudämmen, sagt Burow. Als Schildbürgerstreich empfindet er, dass im Nachhinein etwa 50 Meter vor der „verkehrsberuhigten Zone“ ein Tempo-30-Schild mit dem Zusatz „Lärmschutz“ aufgestellt wurde. „Denn davon kann ja jetzt keine Rede sein“, sagt Burow.

Meddewader schafften „Lärm-Streifen“ ab

Ein gutes Stück vor dem gepflasterten geräuschvollen Abschnitt wurde dieses Schild mit dem Vermerk „Lärmschutz“ aufgestellt. Quelle: Dorothea von Dahlen

Nach Meinung des Sehmsdorfers hätten diese Ungereimtheiten verhindert werden können, wenn man die Bürger vor zehn Jahren bei der Sanierung der Kreisstraße 67 in die Planung einbezogen hätte. „Wir wurden aber gar nicht gefragt“, sagt Burow verärgert und verweist darauf, dass in Meddewade früher einmal das gleiche Problem bestand, sich die Gemeinde aber erfolgreich damit durchgesetzt habe, dass der „Lärm-Streifen“ entfernt wurde.

Das bestätigt die damals amtierende Bürgermeisterin von Meddewade, Marleen Wulf. „Ich kann die Sehmsdorfer verstehen. Das Pflaster ist ja so was von laut. Wir hatten es auch. Aber ich habe nicht locker gelassen und mich an die zuständigen Stellen vom Kreis gewandt, bis die Steine entfernt und durch Asphalt ersetzt waren“, erzählt die Meddewaderin.

Auch ihr ist die verkrautete Verkehrsinsel in Sehmsdorf schon unangenehm ins Auge gefallen. „Auch die Straßenränder werden kaum gepflegt. Mit dem Rad kommt man dort schon kaum noch lang, wenn man nicht mitten auf der Straße fahren will“, sagt sie. Das wurmt freilich auch Michael Burow. „Dort, wo die Stadt für die Pflege zuständig ist, ist alles tipptop. Auf Kreisgebiet sieht das anders aus. Auf dem Radweg türmen sich immer noch die Laubhaufen vom Herbst“, sagt er.

Meisterei mäht zweimal pro Jahr

Dass die Straße nicht durchgängig gleich gut gepflegt ist, liegt an unterschiedlichen Zuständigkeiten. Außerorts wird die Reinigung der K 67 vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Lübeck organisiert. Von dort kam die Auskunft, dass die Meisterei die Seitenstreifen zweimal im Jahr mähe, bei Bedarf auch dreimal. Dies geschehe aktuell an sämtlichen Kreisstraßen in Stormarn. Die Pflege der Mittelinsel sowie der Seitenstreifen stehe als Nächstes auf dem Programm. Häufiger könne die Reinigung außerorts nicht erfolgen. Im städtischen Bereich, also im Ort, sehe das anders aus. Dort würden für die Pflege jedoch unter Umständen Gebühren fällig, was über eine Satzung geregelt sei.

Verkehrsinsel – ein Legat der Vergangenheit

Weitaus Komplizierter scheint die Angelegenheit mit der Verkehrsinsel zu sein. Denn sie ist offenbar ein Legat aus der Vergangenheit. Wie aus der Kreisverwaltung Stormarn auf Nachfrage zu erfahren war, ist die Pflasterung inklusive der Fahrbahnteiler an den Ortseingängen von Sehmsdorf Ende der 1980er Jahre hergestellt worden. Dazu habe es im Rahmen der Bauvorbereitung umfängliche Abstimmungen unter Beteiligung der Stadt Bad Oldesloe und den politischen Gremien gegeben. Dabei habe zur Debatte gestanden, wie die Verkehrsinseln gestaltet werden müssten, um den größtmöglichen Effekt bei der Reduzierung der Geschwindigkeit zu erreichen, teilt Meike Langenbach im Auftrag des Fachdienstes Planung und Verkehr mit. Die aufgrund der Bauart bedingte Lärmthematik sei seinerzeit ebenfalls gutachterlich betrachtet und bewertet worden. Wie aus den Bauakten zu entnehmen sei, habe es zu den Verkehrsinseln am 21. Juni 1989 eine Bürgeranhörung gegeben.

Kaum Hoffnung auf Änderung

Weshalb bei der jüngsten Sanierung der Straße vor zehn Jahren keine Abhilfe geschaffen wurde, wie dies offenbar in Meddewade möglich war, blieb indes unbeantwortet. Mutmaßlich wurden die Bürger bei diesen Asphaltarbeiten im Vorfeld – anders als bei einem Neuausbau – tatsächlich nicht mit ins Boot geholt, so wie Michael Burow beklagt. Hoffnungen, dass der Lärm so schnell ein Ende findet, machen die Behörden dem Sehmsdorfer nicht. „Bauliche Maßnahmen sind gegenwärtig nicht geplant“, heißt es aus der Kreisverwaltung, und auch der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr sieht offenbar keine Veranlassung, etwas am Zustand des Straßenbelags zu verändern.

Dorothea von Dahlen

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