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Stormarn Sinnesküche im Waldhaus Reinbek
Lokales Stormarn Sinnesküche im Waldhaus Reinbek
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23:09 07.03.2017
Michael Kempf richtet die vegetarische Vorspeise für die Gäste auf den Tellern an: „Gelbe Bete“. Quelle: Matzen
Reinbek

Das Waldhaus Reinbek ist für seine hohe Promidichte bekannt. Prinz Charles und Camilla nächtigten schon hier, ebenso wie Playboy Gunther Sachs, Ex-US-Außenminister Henry Kissinger, Fußball-Kaiser Franz Beckerbauer und Rockmusiker Bob Geldof. Am vergangenen Wochenende beglückte ein Star aus Berlin das Stormarner Luxus-Hotel und seine Gäste: Michael Kempf, seines Zeichens Zwei-Sterne-Koch, den viele auch aus dem Fernsehen kennen – aus der Sendung „ARD-Buffet“.

Berliner Spitzenköche Michael Kempf und Thomas Yoshida verwöhnen mit Ess-Erlebnissen.

 Der 40-Jährige aus dem Restaurant „Facil“ im Hotel The Mandala präsentierte seine Sinnesküche im Rahmen des Schleswig-Holstein Gourmet Festivals (SHGF). „Unser Team und unsere Gäste sind total begeistert von Michael Kempf“, sagte Hoteldirektor Moritz Kurzmann. Die Spezialität der Waldhaus-Küche sei ja eigentlich Filet Wellington für 100 Personen am Tisch tranchiert. „Aber was Kempf uns hier für einen modernen Kochstil präsentiert, das ist sensationell. Das ist wie eine Inhouse-Schulung – klauen mit den Augen“, so Kurzmann. Unterstützt wurde Kempf von Lokalmatador Christian Duka und seinem Team.

Kaum hatte Kempf seine vegetarische Vorspeise serviert, schon waren sämtliche Gäste verzaubert. „Gelbe Bete“ hieß der Gang, bei dem mit jeder Gabel im Mund was Neues passierte. Die milde Schwester der Roten Bete hatte der Maître mit Eukalyptus, Sonnenblumencrunch und der asiatischen Zitrusfrucht Yuzu gepaart. „Das Rezept der Gelben Bete haben wir im Team erarbeitet – es ist im ,Facil‘ ein Klassiker in unserem Best-of-Kempf-Menü“, berichtete der Sterne-Koch, der nach jedem Gang zu den Gästen heraus kam und seine Kreationen erklärte.

„Als nächstes kommt ein toller Kabeljau aus Island. Ich liebe Fische aus kalten Gewässern, die schmecken viel intensiver als die exotischen, die so schnell wachsen“, erläuterte Kempf. Begleitet wurde der Kabeljau von knackigen Rosenkohlblättchen und einer leichten Champagnersoße. Sättigende Beilagen – also Kohlenhydrate – suchte man auf den Tellern vergebens. „Vielleicht ist der junge Küchenchef deshalb so schlank“, vermuteten einige Damen am Nachbartisch.

„Bis jetzt lief alles okay, oder?“, fragte Kempf nach dem Fischgang in die Runde. Applaus und einhelliges Nicken. „Dann wollen wir mal mit dem ersten Fleisch-Hauptgang starten.“ Um nicht mit Geschmack zu erschlagen, präsentiere er Kurzgebratenes und Geschmortes in zwei Gängen. Zunächst stand Filet vom Holsteiner Charolais-Rind auf der Menükarte – mit Amalfi-Zitrone, Roter Bete und einer Hollandaise aus jungen Wacholderholztrieben. Das Filet habe er zuvor mariniert und vakuumiert. „Jetzt muss man es nur noch angrillen, und dann bekommt es außen die krosse Karamellschicht.“ Michael Kempf hatte nicht zu viel versprochen. „Das Filet war spitze“, schwärmten die Gäste.

Weiter ging’s im Programm der fünf exklusiven Gänge mit der Poltinger Hirschhaxe. „Die haben wir klassisch geschmort“, verriet der Kochkünstler. Ein wichtiger Part dürfe dabei nicht fehlen: eine feine Säure. Kempf verwendete eine raffinierte Reduktion aus Hibiskus.

Während die Feinschmecker das Wild genossen, war bei Thomas Yoshida, Chef der süßen Künste im Berliner Restaurant „Facil“, der mit nach Reinbek angereist war, höchste Konzentration angesagt. Der 40-Jährige, der 2016 vom Gault Millau zum „Pâtissier des Jahres“ gekürt wurde, bereitete den „Stein“ zu – eine Dessertkreation, die an einen japanischen Steingarten erinnern sollte. Gerade verschönerte er die Teller mit einer perfekten Spirale aus Vanille-Creme. „Meine Frau ist Japanerin – das inspiriert mich auch für meine Kompositionen“, so der Pâtissier. Aufgetischt wurden seine süßen Köstlichkeiten aus Aprikose, Jasmin-Tee und Sansho-Blüte zum Abschluss des Abends.

Das Waldhaus Reinbek, das nach großer Renovierung gerade wieder eröffnet hat, wird auch in der nächsten SHGF-Saison wieder dabei sein. „Das ist eine sensationelle Veranstaltung und ein tolles Aushängeschild für unser Haus“, so Moritz Kurzmann.

 Britta Matzen