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Stormarn So krank sind Stormarns Arbeitnehmer
Lokales Stormarn So krank sind Stormarns Arbeitnehmer
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18:00 29.11.2019
Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für Fehltage. Quelle: dpa
Ahrensburg

Der Krankenstand im Kreis Stormarn ist 2018 erneut gestiegen. Insgesamt legten die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen um 0,3 Prozent zu. Dabei ist die Zahl der psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände in Stormarn erstmals gesunken und um 17 Prozent zurückgegangen – hier liegt Stormarn um zehn Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Nach Muskel-Skelett-Erkrankungen und Erkrankungen der Atemsysteme, die um neun Prozent zunahmen, liegen psychische Erkrankungen auf Platz drei der Fehltage im Jahr 2018. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport 2019, in dem die Fehltage der Mitglieder ausgewertet wurden.

Muskel-Skelett-Erkrankungen an der Spitze

„Mehr als jeder fünfte Ausfalltag erfolgte aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen und anderen orthopädischen Erkrankungen“, erklärte André Bargmann von der DAK, der den Gesundheitsreport 2019 jetzt in Ahrensburg vorstellte. Damit habe die Zahl der Erkrankungen in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent zugenommen. Auch die Atemwegserkrankungen haben zugenommen. Mögliche Ursachen sind in dem Report nicht aufgeführt. Allerdings wisse man, dass die Zahl der Allergien in den beiden vergangenen Jahren wegen der warmen Sommer und frühen Blüte hoch gewesen sei, so Bargmann. Das könnte eine Ursache für mehr Fehltage bei Atemwegserkrankungen sein.

Jörg Rönnau (l.) und André Bargmann stellten den DAK Gesundheitsreport 2019 vor. Quelle: Bettina Albrod

Zugelegt hat dem Bericht der Krankenkasse zufolge auch die Zahl der Kreislauferkrankungen, die 2018 zu mehr Fehltagen bei Beschäftigten geführt haben als in 2017. „Hier hat es 2018 längere Ausfälle als im Vorjahr gegeben“, erläutert Bargmann. Seien es im Untersuchungszeitraum davor noch 21,9 Tage gewesen, die Arbeitnehmer aufgrund von Kreislauferkrankungen ausgefallen seien, habe sich die Zahl der Fehltage in 2018 aus demselben Grund auf 26,7 Tage erhöht. „Das ist eine deutliche Zunahme.“

Sonderanalyse zu Alkohol, Drogen und Gaming

Besonderes Augenmerk hat man im aktuellen Gesundheitsreport in einer Sonderanalyse auf Erwerbstätige mit gravierenden Problemen durch Alkohol, Drogen und Internet-Spiele gelegt. Für das Schwerpunktthema wertete das IGES-Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Schleswig-Holstein aus. 5000 Mitglieder wurden dazu befragt. „Das Fazit: Der Großteil der Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in Schleswig-Holstein mit 73 Prozent auf Alkohol zurückzuführen“, fasst Bargmann zusammen. Laut Studie habe jeder zehnte Arbeitnehmer einen riskanten Alkoholkonsum.

Alkohol führt zu Fehltagen bei Arbeitnehmern. Quelle: dpa

„Zwei kleine Bier täglich an fünf Tagen die Woche für Männer und ein kleines Bier täglich für Frauen an fünf Tagen pro Woche reichen bereits aus, um die Konsumenten in die Gruppe für riskanten Alkoholkonsum einzustufen“, erklärte Jörg Rönnau, Leiter der Suchtberatung Stormarn in Ahrensburg. Während beim Thema Alkohol junge Menschen zwischen 18 bis 29 Jahre die Hauptbetroffenen seien, betreffe das Thema Rauchen vor allem Menschen über 50 Jahre. „Ein Grund der sinkenden Nikotinabhängigkeit bei jungen Menschen könnte sein, dass inzwischen die Aufklärungskampagnen zu wirken beginnen“, sagt Rönnau. So sei die Suchtberatung schon lange Kooperationspartner der weiterführenden Schulen, um Jugendliche über die Gefahren aufzuklären.

Jeder Zweite spielt Computerspiele

Im Kommen ist dagegen das Dampfen mit der E-Zigarette, hält der Report fest. Fünf Prozent aller Erwerbstätigen seien Raucher von E-Zigaretten. „Deutschlandweit dampfen 85 Prozent ihre E-Zigaretten mit Nikotin oder Tabak.“ Dabei würden häufig Raucher parallel zur herkömmlichen Zigarette auch zur E-Zigarette greifen. Beim Gaming ergibt der Report, dass jeder zweite Beschäftigte im Norden Computerspiele macht. „Bundesweit gelten 6,5 Prozent der Erwerbstätigen als riskante Gamer“, hält Bargmann fest. Jeder elfte Mitarbeiter mit riskantem Spielverhalten kam wegen des Spielens zu spät zur Arbeit oder erweist sich bei der Arbeit als unkonzentriert.

„Sucht kann jeden treffen“

Die DAK-Gesundheit will auf das dokumentierte Suchtverhalten mit eigenen Angeboten reagieren. „Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann“, betont Bargmann. „Wir müssen handeln, um Betroffene nicht alleine zu lassen.“ Deshalb gibt es nun ein kostenloses Online-Selbsthilfeprogramm für Mitglieder, die von Alkoholkonsum betroffen sind, das als Coachingprogramm darauf zielt, den Alkoholkonsum zu reduzieren. „Eine Studie des UKE hat ergeben, dass 75 Prozent der Teilnehmer darüber ihren Alkoholkonsum reduzieren konnten.“ Das Coaching ist auch als App verfügbar. Die Spiele-App „Retter der Zukunft“ richtet sich als so genannte „Paradoxe Intervention“ an Gamer, die über eine spannende Geschichte subtil für die Gefahren der übermäßigen Nutzung neuer Medien sensibilisiert werden.

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Von Bettina Albrod

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