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Stormarn Solidarische Landwirtschaft: Frisch vom Gemüseacker in die Küche
Lokales Stormarn Solidarische Landwirtschaft: Frisch vom Gemüseacker in die Küche
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08:00 02.06.2019
Wilfried Wulf hat sich seinen Anteil an der Ernte eingepackt. Quelle: SUSANNA FOFANA
Zarpen

Hinter dem Namen SoLaWi Junges Gemüse verbirgt sich Stormarns erste und bisher einzige solidarische Landwirtschaft. Die Wirtschaftsgemeinschaft legte 2017 mit 40 Mitgliedern los und hat mit mittlerweile 70 Mitgliedern ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Kernteam-Mitglied Barbara Schrage fordert Interessenten dazu auf, doch selber so etwas zu gründen. Dazu benötigt man Land, einen Gärtner und Mitglieder.

Die SoLaWi Junges Gemüse entstand eher durch Zufall. „Die Geburtsstätte ist das Bella Donna Haus“, verrät Schrage. Nachdem Bella Donna 2015 den Nachhaltigkeitspreis des Landes Schleswig-Holstein gewonnen hatte, wollte man Anja Christiansen von der SoLaWi Blunk (Kreis Segeberg) erneut für einen Vortrag gewinnen. „Initiiert doch selber mal so was“, habe die empfohlen. Und da sich der Bio-Gärtner Michael Polanski aus Rehhorst gerade auf einem in Zarpen gepachteten Acker mit einem Gemüsebetrieb selbstständig machen wollte, holte Schrage ihn zur Präsentation seines geplanten Betriebes mit ins Boot.

Der Start war bei „Ernte deine Stadt“

„Das war der Start“, erklärt sie. Bei der Veranstaltung im Rahmen von „Ernte deine Stadt“ wurde dann zum Schluss gefragt, wer sich eine solche SoLaWi im Kreis Stormarn vorstellen könnte. „Da gingen tatsächlich 20 Arme hoch. Das war die Geburtsstunde der Stormarner SoLaWi Junges Gemüse.“ Mit 40 Mitgliedern wurde die Wirtschaftsgemeinschaft dann am 12. Februar 2017 gegründet. 2018 waren es schon 60 Mitglieder, mittlerweile gibt es eine Warteliste.

Denn die Fläche ist limitiert. Der Gemüseacker in Zarpen ist 1,7 Hektar groß. Auf einem Hektar wird Gemüse angebaut, 0,7 Hektar sind Grünland für Gründünger. So stand voriges Jahr Zuckermais auf der Fläche, die sich dieses Jahr als Grünland erholen darf. Von Anfang an dabei sind Monika Möller und Wilfried Wulf, sowie Barbara Schrage und Antje Gräfingholt, die beide auch zum zehnköpfigen Kernteam gehören. Im Kernteam mit monatlichen Sitzungen findet die Aufgabenverteilung statt.

Zwei der fünf Depots sind in Lübeck

„Wir haben jetzt fünf Depots“, sagt Schrage. Und zwar in Zarpen, in Willendorf, in Bad Oldesloe und zwei in Lübeck. Es wurden schon Fahrradschuppen, Garagen und so weiter als Abholstationen zur Verfügung gestellt. Das Kernteammitglied: „Solidarisch in allen Arbeitsbereichen.“ Die Oldesloer Heilpraktikerin Monika Möller war „wegen der Wildkräuter gleich hin und weg“.

Die Mitglieder zahlen bis zu 70 Euro monatlich als Unterstützung des Gemüsebetriebes und erhalten dort regelmäßig frisches Bio-Gemüse. Oder eben auch nicht, wie im April, als das Lagergemüse aufgebraucht war. Nicht jeder kam mit dem Prinzip klar. Denn es soll auch in den Familienalltag passen, sich sein Gemüse regelmäßig abzuholen und zu verwerten. „Wir führen den Betrieb“, so Schrage – mitsamt der Kosten für Personal, Gartenbaugeräten, Saaten. Und zudem bringen sich alle persönlich und ehrenamtlich ein.

Viele Mitglieder beteiligen sich am Jäten

Das geht bis hin zum Einsatz auf dem Gemüseacker. Gerade vor Kurzem gab es wieder einen Aufruf des Gärtners an alle, sich am Jäten zu beteiligen. Da ist denn der eine mehr, der andere weniger aktiv. Und wer stundenlang im Beet gehockt und gejätet hat, versteht auch die Arbeitsabläufe besser und entwickelt eine andere Wertschätzung. „Es ist viel Hand- und Knochenarbeit“, weiß Schrage.

„Die Kartoffeln wurden im ersten Jahr mit der Hand ausgegraben“, erzählt Wilfried Wulf. Mittlerweile kommt mehr Technik ins Spiel. Ein Einachser mit Rotationspflug – eine Art Minitrecker – ist die neueste Anschaffung der SoLaWi Junges Gemüse. Auch unterstützen sich die Gärtner der SoLaWi’s in den Nachbarkreisen mit Geräten oder Informationsaustausch.

Die Tomaten wachsen bis zur Decke

Im Tomatenhaus wird gerade die Erde gelockert. Zuvor wurde Ziegenmist reingebracht, nachdem das Frühlingsgemüse abgeerntet war. „Tomaten brauchen viel Nahrung“, weiß Schrage. „Die wachsen bis zur Decke. Das sieht echt toll aus“, erzählt Wulf. Letztes Jahr konnten in Zarpen bis zum Oktober Tomaten geerntet werden. Und bis zum Winter Feldsalat und Pastinaken. Neben den Tomaten sollen im Gewächshaus noch Auberginen und Chilis heranwachsen.

Der Gang über den Gemüseacker führt an den noch winzigen Buschbohnen und Mini-Kohlrabis vorbei. „Die werden noch größer“, verspricht Schrage. Aus Schutz vor Insekten reifen Kohlsorten wie Brokkoli, Spitzkohl und Blumenkohl unter einem Vlies heran. Schrage: „Wir hatten um die 30 Kulturen über die Jahre.“ Von Spinat und Salat über Mangold und Rote Beete bis hin zu Zucchini und Kräutern.

Die 70 Mitglieder der SoLaWi Junges Gemüse freuen sich über eine reichhaltige Ernte.

Ganz am Ende des Gemüseackers wachsen die Zwiebeln der SoLaWi heran. Deren Beete hat Wilfried Wulf gerade von allem gesäubert, was dort nicht wachsen soll. Im Tomatenhaus ist es schön warm und trocken, im Gurkenhaus nebenan dagegen warm und feucht. Die Mitglieder suchen sich zum Schluss noch aus den Gemüsekisten ihren Ernte-Anteil heraus, der unter anderem in Fahrradtaschen verstaut wird. Salatköpfe, Radieschen, Kohlrabi, Spinat und Mairüben sind diese Woche dabei. Und der Kohlrabi, den Antje Gräfingholt flugs in mundgerechte Probier-Stücke zerteilt, schmeckt ganz vorzüglich.

Susanna Fofana

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