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Stormarn Spielerische Annäherung an ein ernstes Thema
Lokales Stormarn Spielerische Annäherung an ein ernstes Thema
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15:00 08.12.2018
Die Ausbildung zur ehrenamtlichen Lebensweg-Begleitung muss nicht immer ernst ablaufen.
Die Ausbildung zur ehrenamtlichen Lebensweg-Begleitung muss nicht immer ernst ablaufen. Quelle: Bettina Albrod
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Bad Oldesloe

Lorenz Kunze-Herling sitzt in einem Stuhl, der ein Rollstuhl sein soll, blickt sich im Foyer eines imaginären Hospizes um und sagt: „Hier werde ich also krepieren.“ Corinna Grimm-Habeck, die ihn gerade taktvoll willkommen heißen wollte, reagiert schnell. „So wie Ihnen geht es hier allen Gästen.“ Der Mann erwidert: „Ach was.“ Das Publikum lacht. Mit selbst erdachten Sketchen endet ein Workshop-Tag, bei dem eine Woche lang ehrenamtliche Lebensweg-Begleiter für das künftige Hospiz in Bad Oldesloe und für die ambulante Begleitung ausgebildet werden. Gestaltet wird der Workshop unter anderem von Rainer Eckhardt und Marion Martinez vom Galli Theater Berlin.

„Der Workshop ist für ehrenamtliche Hospizbegleiter und Interessierte gedacht“, erläutert Eckhardt. „Ziel sind Team-Bildung und die Annäherung an das Thema Sterbebegleitung.“ Den Auftakt macht ein Theaterstück über eine sterbende Frau, die ihr Leben Revue passieren lässt und dabei in kleinen Szenen alles das aufführt, was sie im Leben verpasst hat zu tun. „Und es ist gut“, heißt das Stück, das ein Fotoalbum des Lebens bildet und in dem der Tod als Clown auftritt. „Mit dem Stück bieten wir ein spielerisches Erleben dessen, was auf die Begleiter zukommt“, erläutert Eckhardt. Dabei lernen die Zuschauer die fünf Phasen des Sterbens kennen. Trotz des ernsten Themas könne auch gelacht werden, denn Ernst und Lachen gehörten bis zum Schluss zusammen. „Und es ist gut“ ist ein Stück über den bewussten Umgang mit dem Lebensende und möchte zum Nachdenken über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse am Lebensende anregen.

Präventives Theater

Das Galli-Theater ist auf präventives Theater spezialisiert, bei dem Kinder zu Alkohol und Drogenmissbrauch, Amok oder Misshandlung aufgeklärt und Sterbebegleiter auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. „Die Teilnehmer sollen lernen, wie man stimmig mit den Betroffenen umgeht. Welche Sterbekultur will man haben?“, fragt Eckhardt. Man müsse dabei bedenken, dass es nicht nur um die Sterbenden, sondern auch um deren Angehörige gehe, die sich dem Thema ebenfalls stellen müssten. Problem seien diejenigen, die mit dem Thema Tod nicht umgehen könnten. „Dahinter steht auch die Aufforderung, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen.“

Mit Sketchen spielen Sabine Tiedke, Corinna Grimm-Habeck (v.hinten) und Lorenz Kunze-Herling typische Situationen nach. Quelle: Bettina Albrod

An diesem Tag geschieht das spielerisch. Sabine Tiedke, die den Verein Lebensweg Stormarn für den Bau eines Hospizes ins Leben gerufen hat, kannte das Galli-Theater bereits. „Ich fand es eine gute Idee, es für die Ausbildung heranzuziehen. So können die Teilnehmer schnell ein Bewusstsein für ihre Aufgabe entwickeln und sie können sehen, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr lebendig sein kann.“ Dafür sorgen die Theatermacher, die jetzt sieben Typen des Menschen vorstellen. In den Sketchen begegnet man ihnen wieder, trifft das „Flittchen“, den „Großkotz“ oder das „Lästermaul“. Dazu kommen Tanzmeditation mit Musik und am Ende der Auftritt vor der Gruppe.

Für jede Situation vorbereitet

„Wir wollten die Aufnahme-Situation am Empfangstresen im Hospiz nachspielen“, erklären die Drei ihren Sketch, und Rainer Eckhardt ist zufrieden. „Sehr gut, dass hier gleich der erste Konflikt des Betroffenen am Tresen öffentlich wird.“ Denn wenn es ernst wird, müssen die Sterbebegleiter jeder Situation gewachsen sein. Dafür lernen sie die fünf Phasen des Sterbens: nicht wahrhaben wollen, Zorn, Verhandeln, Depression und schließlich Akzeptanz. „Nur mit Hilfe der Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern kann die individuelle Versorgung und Begleitung der Gäste gelingen“, sagt Sabine Tiedke. Wer den Verein unterstützen möchte, kann an der fünftägigen Schulung zum „ehrenamtlichen Lebenswegbegleiter“ teilnehmen. Das kann als Begleiter sein, aber auch als Betreuung für Kinder, die mitgebracht werden, im Bereich Garten oder Hauswirtschaft.

Kontakt unter www.lebensweg-stormarn.de im Internet.

So können Sie spenden

Leser, die die gemeinsame Aktion „Hilfe im Advent“ von LN und Sparkasse Holstein unterstützen möchten, können spenden: Förderverein Lebensweg e.V., DE 75 2135 2240 0179 0785 55 bei der Sparkasse Holstein, BIC: NOLADE 21 HOL, Stichwort Spende Hilfe im Advent.

Der aktuelle Spendenstand: 2065 Euro

Bettina Albrod

08.12.2018
08.12.2018