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Stormarn Warum in Stapelfeld auch Plastik verbrannt wird
Lokales Stormarn Warum in Stapelfeld auch Plastik verbrannt wird
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18:21 18.02.2019
Gelbe Säcke in Bad Oldesloe: Wer richtig trennt, dessen Abfälle landen in der Wiederverwertung.   Quelle: mc
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Bad Oldesloe/Stapelfeld

Lastwagen an Lastwagen reiht sich zu Spitzenzeiten am Tor zur Müllverbrennungsanlage (MVA) Stapelfeld. Was sie geladen haben? Abfall natürlich. Doch was genau wird da in den Heizkessel geworfen? Wie im gesamten Bundesgebiet halten sich auch in Stapelfeld Gerüchte, dass dort nicht nur der normale Hausmüll landet, sondern sogar Gelbe Säcke und damit eigentlich recycelbare Stoffe verbrannt werden.

„Dort werden auch Wertstoffe mit verbrannt, das habe ich selbst schon gesehen“, sagt Matthias Sünnemann vom Grünen-Ortsverband Großhansdorf. „Die Gelben Säcke und deren Inhalte werden benötigt, um den Heizwert zu halten.“ Von Zeit zu Zeit würden die Säcke in die Verbrennungsanlage geworfen. Hintergrund: Die MVA versorgt auch Hunderte Haushalte am Hamburger Rand mit Wärme. Sünnemann ist sich sicher, dass die Gelben Säcke auch reinen Wertstoffmüll enthalten und nicht irgendwelche Reste oder falsch befüllt worden sind. „Das ist natürlich nicht in Ordnung.“ Er hat jedoch kaum Hoffnung auf Veränderungen und ruft die Bürger dazu auf, einfach noch mehr Müll zu vermeiden.

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„Ich war sehr erstaunt, als ich davon erfuhr“, sagt Bernd Freytag, viele Jahre für die Großhansdorfer CDU im Stormarner Kreistag und als Lehrer sehr aktiv im Bereich Natur und Umwelt. In der Kreispolitik sei das nie Thema gewesen. In der Gemeinde Großhansdorf macht man sich derzeit auch aus anderen Gründen Sorgen um die MVA. Wenn der Neubau der Anlage kommt, sollen dort etwa auch Klärschlamme verbrannt werden (die LN berichteten).

Verbrannt werden Sortierreste aus falsch befüllten Säcken

Sprichwörtlich Feuer aus dem Kessel nimmt jedoch Olaf Stötefalke, Sprecher der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH): „Ein hochpolitisches Thema, gerade auch mal wieder bundesweit. Doch was in Stapelfeld verbrannt wird, sind Sortierreste aus falsch befüllten Gelben Säcken. In den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg, für die die AWSH die Müllentsorgung organisiert, sammelt die Firma Damm aus Mölln die Gelben Säcke ein. Diese landen dann in einer Sortieranlage in Hamburg. Und dort wird festgestellt, dass in den Säcken häufig Müll landet, der dort nicht hingehört. Die Quote sogenannter Fehlwürfe allein beim Verpackungsmüll liegt nach Schätzung von Branchenexperten immer noch bei etwa 40 Prozent.

Noch deutlicher wird der Betreiber der MVA selbst. „Ich kann für alle unsere Anlagen ausschließen, dass Gelbe Säcke verwertet werden. Was unsere Anlagen beispielsweise als Gewerbeabfall aus einem Sortierbetrieb erreichen kann, sind sogenannte Sortierreste“, erklärt Morten Holpert, Technischer Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Energy from waste (EEW) in Stapelfeld. „In der Regel sind dies Kunststoffe, die ungeeignet für eine weitere stoffliche Verwertung sind.“ Gründe dafür seien Inhaltsstoffe im Kunststoff wie etwa Flammschutzmittel oder andere mittlerweile aus dem Verkehr gezogene Chemikalien, ein starke Verschmutzung oder aber mehrlagige Kunststoffe, die schwer in ihre einzelnen Fraktionen wie Plastik, Papier oder Alufolie zu zerlegen sind.

Fehlwurfquote von 50 Prozent

Hinzu komme, so Geschäftsführer Holpert, dass insbesondere bei der Hinterhofsammlung in Wohngebieten der Ballungszentren die Gelben Tonnen als Restmüllbehälter missbraucht werden. Fehlwurfquoten von um die 50 Prozent seien keine Seltenheit. „Diese Abfälle werden aussortiert und gelangen ebenfalls als Sortierreste in die thermische Verwertung“, sagt Holpert. Grundsätzlich würden die in den Gelben Tonnen und Gelben Säcken gesammelten Abfälle an Sortieranlagen geliefert, die die Kunststoffabfälle in möglichst sortenreine Fraktionen trennen. Holpert: „Aus den sortenrein sortierten Kunststoffen lassen sich dann sogenannte Granulate herstellen, die quasi als Rohstoff für neue Kunststoffe dienen.“

Dem Stapelfelder Geschäftsführer sind Vorwürfe, dass die Müllverbrennungsanlage einfach Gelbe Säcke mit ins Feuer werfe, nicht unbekannt. „Die Mär, dass wir Deutschen Verpackungsabfälle quasi dafür sammeln, dass sie anschließend verbrannt werden, hält sich hartnäckig.“ Richtig sei aber, betont Holpert, dass nur solche Sortierreste aus dem Gelben Sack bei uns laden, für die eine stoffliche Verwertung ausgeschlossen ist. „Diese sind für den Betrieb unserer Anlage aber unerheblich. Der Verbrennungsprozess ist auch ohne diesen Abfall problemlos möglich“, so Holpert.

Und was soll nun in den Gelben Sack? Laut AWSH gehören dazu Verbundmaterialien (zum Beispiel Milch- und Saftkartons, Aufschnittverpackungen, Süßwarenverpackungen), Kunststoffverpackungen (etwa Plastikflaschen, Behälter von Wasch- und Körperpflegemitteln, Joghurt- und Margarinebecher, Kosmetikverpackungen) sowie Metalle (Konservendosen, Verschlüsse und Deckel, Tierfutterschalen, Chipstüten, Tuben).

Markus Carstens

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