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Stormarn Klärschlamm: Wohin mit der Asche?
Lokales Stormarn Klärschlamm: Wohin mit der Asche?
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16:43 09.05.2019
Transparent, mit Sonnenkollektoren und sogar begrünten Wänden: Die neue Anlage kommt sehr stylish daher. Quelle: hfr
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Stapelfeld

Vor einigen Jahren noch war die Zukunft der Müllverbrennungsanlage (MVA) Stapelfeld gänzlich unklar. Sogar das Aus für die Anlage stand im Raum. Seit vergangenem Jahr ist nun klar: Das Geschäft mit dem Müll floriert, so dass der Betreiber EEW (Energy from Waste) sogar eine neue Anlage genau neben der bestehenden bauen will (die LN berichteten mehrfach). Diese wird dann zurückgebaut.

Hintergrund ist, dass neben der normalen Verbrennung des Restmülls – auch aus den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg – in einer modernen Anlage künftig auch Klärschlamm verbrannt werden soll. Zum einen soll damit verhindert werden, dass dieser weiter auf den Feldern ausgebracht wird und unter anderem die Gewässer noch weiter belastet. Zum anderen soll der wertvolle Rohstoff Phosphor daraus gewonnen werden.

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Klärschlamm nicht mehr auf die Felder

„Natürliche Ressourcen gibt es in Marokko im Atlas-Gebirge, in China und den USA, doch sie sind endlich“, sagte Gerold Rahmann (Grüne), Vorsitzender des Kreisumweltausschusses auf der jüngsten Sitzung. Diese fand aus besonderem Anlass in der MVA Stapelfeld statt, die Mitglieder des Umweltausschusses und auch andere Kreistagspolitiker ließen sich vor der Sitzung die gesamte Anlage zeigen.

Auch für interessierte Bürger hatte die MVA an dem Tag geöffnet. Ganz wichtig ist laut Rahmann zudem, dass der Klärschlamm nicht mehr auf die Felder kommt. Schon ab 2022 könnte dieser in Stapelfeld verbrannt werden, nach Aussage von EEW-Geschäftsführer Morten Holpert befindet sich die neue Anlage derzeit im Genehmigungsverfahren.

Holpert prognostiziert einen großen Wettbewerb um den Phosphor bzw. das Phosphat. „Die ersten Ausschreibungen kommen jetzt auf den Markt, unter anderem geht es um 11.000 Tonnen aus Flensburg.“ Für Stapelfeld sehen Berechnungen vor, dass die Schadstoff-Emissionen zwar leicht ansteigen, aber immer noch deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen werden.

Auswirkungen auf die Umwelt?

Auch Auswirkungen auf die Umwelt haben Gutachter laut Holpert ausgeschlossen. Das war die Sorge einiger Einwohner aus Stapelfeld und Umgebung, die auf der Ausschusssitzung ihre Bedenken vortrugen, vor allem in Bezug auf das große Naturschutzgebiet Höltigbaum in unmittelbarer Nachbarschaft zur Müllverbrennungsanlage. Auch eine Geruchsbelästigung schloss Morten Holpert quasi aus. Diese werde aufgrund von Vorbehandlungen gegen Null tendieren.

Ein noch ungeklärter Punkt ist allerdings der Verbleib der Asche aus dem Klärschlamm, nachdem das Phosphat daraus gewonnen wurde. Geschäftsführer Holpert musste auf Nachfrage einer Anwohnerin einräumen, dass es darauf noch keine Antwort gebe. Man müsse eine Anlage konzipieren, um die Asche zwischenzulagern. „Bisher gibt es aber kein Verfahren, das industriellen Standard erreicht“, so Holpert.

Einige Bürger befürchten auch Klärschlamm-Importe in großem Stil, sollte die Anlage einmal nicht ausgelastet sein. So richtig entkräften konnte der EEW-Manager die Befürchtung nicht; Ziel sei es jedoch, Klärschlamm vorwiegend aus der Metropolregion Hamburg zu verarbeiten. Nach heutigem Stand werde es keine langen Transportwege geben.

Neue Anlage wird effizienter

Während die Kapazität des Müllheizkraftwerkes mit 320.000 Tonnen Abfall künftig sogar etwas geringer geplant ist, sollen in einer parallel entstehenden Anlage separat mehr als 30 000 Tonnen Klärschlamm verbrannt werden. Das entspricht nach EEW-Angaben in etwa der Hälfte des in ganz Schleswig-Holstein anfallenden Schlamms aus den Kläranlagen. Weitere Verbrennungsanlagen gibt es in Kiel und Hamburg.

Ende 2019 oder Anfang 2020 könnte dann mit dem Neubau der geschätzt rund 150 Millionen Euro teuren Anlage begonnen werden. Erste wenn diese richtig in Betrieb sei, werde die alte Anlage komplett zurückgebaut. Die neue Anlage wird bei weniger Müll doppelt so viel Strom und rund dreiviertel mehr Fernwärme für Stapelfeld und den Nordosten Hamburgs produzieren.

EEW-Manager Morten Holpert stand dem Umweltausschuss Rede und Antwort. Das Interesse der Bürger war auch groß.   Quelle: mc

Markus Carstens

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