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Stormarn Starke Typen auf Stormarns Bauernhöfen
Lokales Stormarn Starke Typen auf Stormarns Bauernhöfen
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18:10 19.09.2017
Dirk Düwigers Herz schlägt für Aubrac-Rinder, die er selbst züchtet. Hier schaut der 47-Jährige gerade nach einer Mutterkuh und ihrem Kälbchen, die in der Anfangszeit im Stall untergebracht sind.
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Bad Oldesloe

Dirk Düwiger: Bereits seit frühester Kindheit war Dirk Düwiger fasziniert von der Landwirtschaft im Allgemeinen und von Rindern im Besonderen. „Unsere Nachbarn hatten einen Milchkuh-Betrieb, da war ich schon als kleiner Junge oft drüben auf dem Hof“, erklärt der 47-Jährige seine Leidenschaft. Somit war dann auch klar, dass er nach seiner Schulzeit eine landwirtschaftliche Ausbildung begann und diese mit einem Studium als Dipl.-Ingenieur im Jahr 1996 abschloss. Schon drei Jahre vorher hatte er seinen Betriebsaufbau in Angriff genommen, hatte das Nachbargrundstück in Groß Schenkenberg gekauft und sich zehn Highland-Cattle-Rinder angeschafft. Später wechselte der Landwirt zu den Aubrac-Rindern. „Deren Fleisch schmeckt einfach besser“, erklärt er den Wechsel.

Sie haben sich der Landwirtschaft verschrieben. Die LN stellen diese „Helden von hier“ vor: Dirk Düwiger mit seinen Aubrac-Rindern, Erntehelfer Tim Reichle, die SoLawi-Gemeinschaft „Junges Gemüse“ und Hans-Christian Rienhoff mit seinem Fleischautomaten.

Heute umfasst sein Betrieb 120 Hektar Wiesen und Dauerweiden. Auf den 25 Hektar auf dem Familienhof in Groß Schenkenberg grasen die 35 Mutterkühe mit ihren Kälbern. Ihnen steht zudem eine mit Stroh eingestreute Schutzhalle zur Verfügung. Die männlichen Tiere werden ganzjährig auf der 50 Hektar großen von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gepachteten Weide in Barnitz gehalten – und haben als Futter nur frisches Gras im Sommer und Heu im Winter.

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„Mir ist es besonders wichtig, die Tiere so natürlich wie möglich zu halten. Unsere Weiden werden daher nicht gedüngt oder mit chemischen Pflanzenschutzmitteln bearbeitet“, betont Düwiger, dessen Hof seit 2005 als anerkannter Biobetrieb zertifiziert ist. Die Schlachtung erfolgt einmal im Jahr schonend und stressfrei für die Tiere bei einem Bioschlachter.

Trotz stetig wachsenden Kundenkreises kann der Landwirt von seinem Hof allein nicht leben. „Vier Tage in der Woche arbeite ich daher ,ganz normal’ bei der Landgesellschaft Schleswig-Holstein.

In dieser Zeit unterstützt mich mein Vater Günter“, freut sich Düwiger, selbst Vater dreier Kinder, über die Hilfe des 77-Jährigen. Von Freitag bis Sonntag widmet sich der „Rinderzüchter aus Leidenschaft“ zu 100 Prozent seinen Tieren.

Solidarische Landwirtschaft (SoLawi) Jünges Gemüse: Zufällig zur richtigen Zeit am selben Ort und begeistert von der gleichen Idee, die sie dann spontan gemeinsam in die Tat umsetzten, waren Barbara Schrage vom „Bella Donna Haus“ und Gärtner Michael Polanski, der sich gerade selbständig gemacht hatte. Die beiden Rehhorster trafen sich im Oktober 2016 bei einem Vortrag von Anja Christiansen zum Thema „Solidarische Landwirtschaft“ und waren sofort bereit, solch ein Projekt als eines von 150 in ganz Deutschland in Bad Oldesloe aufzuziehen.

„Bereits an dem Abend wollten weitere 20 Personen mitmachen, so dass wir im Februar 2017 die Wirtschaftsgemeinschaft gegründet haben“, strahlt Schrage. Heute, ein gutes halbes Jahr später, umfasst die Gemeinschaft knapp 50 Mitglieder, und für das nächste Eintrittsdatum im Frühjahr 2018 gibt es bereits eine Warteliste.

Die Mitglieder zahlen im Jahr 70 Euro und bekommen dafür jede Woche eine Kiste mit dem von Michael Polanski auf einem Hektar von ihm gepachteten Landes angepflanzten und geernteten Gemüsesorten. Der junge Gärtner freut sich jedoch auch über die Mithilfe der Mitglieder auf dem Feld und lädt dazu regelmäßig ein. Bereits die erste Aktion, der Bau eines Folientunnels, um Gurken und Tomaten ziehen zu können, war ein großer Erfolg. „Es kamen fast 15 Personen, die jede auf ihre Weise kompetent waren, so dass der Tunnel schnell aufgebaut war“, freut sich der 34-Jährige. Inzwischen wurden auch schon gemeinsam Karotten gejätet und Zwiebeln gepflanzt. „Den Mitgliedern gibt die Mithilfe auf dem Feld ein ganz anderes Gefühl für die Lebensmittel, das Gemüse wird wieder wertgeschätzt“, hat Polanski erkannt. „Und da wir die komplette Ernte ja unter den Mitgliedern aufteilen, verkommt auch nichts“, betont Barbara Schrage, die damit das Prinzip der Nachhaltigkeit, für welches das Bella Donna-Haus 2015 schon ausgezeichnet worden ist, weiter fördert.

Hans Christian Rienhoff: „Rienhoffs Fleischspezialitäten“ vom Benstabener Hof mit rund 250 Sauen inklusive Nachkommen sind im Kreis Stormarn und über dessen Grenzen hinaus bereits seit 1910 ein Begriff. Allerdings hat sich der Verbraucheranspruch im Laufe der Jahre verändert: „Die Kunden wollen jetzt ganz genau wissen, woher das Fleisch kommt, wie und wo es verarbeitet wird, und es am liebsten rund um die Uhr haben“, hat Hans-Christian Rienhoff erkannt. Das brachte den gelernten und studierten Landwirt, der seit drei Jahren fest im elterlichen Betrieb in Benstaben in der Gemeinde Barnitz arbeitet, vor zwei Jahren auf die Idee des „Regiomaten“.

„Zunächst habe ich aber die Akzeptanz von eingeschweißtem Fleisch getestet, indem ich Freunden Probierpackungen mitgegeben habe“, erinnert sich der 26-Jährige. Diese waren direkt begeistert, und so steht inzwischen seit einem Jahr ein Automat mit 18 gut gekühlten Fächern, welche die verschiedensten abgepackten Fleisch- und Wurstsorten, aber auch Milch, Joghurt und Eier beinhalten, direkt auf dem Gelände des Rienhoff’schen Anwesens und ist so beliebt, dass Hans-Christian Rienhoff ihn mehrmals täglich nachfüllen muss.

Weil er eben unabhängig von Verkaufspersonal und Ladenöffnungszeiten ist, kann jeder spontan zu jeder Tag- und Nachtzeit ranfahren und sich die Lebensmittel zu humanen Preisen einfach „rausziehen“, das macht den Erfolg aus.

Tim Reichle: Ein eigener Resthof ist das Ziel des 17-jährigen Erntehelfers, der bereits Trecker fahren konnte, bevor er laufen konnte. In Barnitz aufgewachsen, begeisterte er sich von klein auf für landwirtschaftliche Maschinen. Als siebenjähriger Grundschüler kaufte er sich von seinem ersten selbstverdienten Geld als Zeitungsbote den Landwirtschaftssimulator für den PC. Jede neue Version musste fortan auf den Gabentisch zu Weihnachten.

Als Drittklässler wechselte er von der digitalen in die reale Welt und fuhr bei befreundeten Landwirten auf allen ihm zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Maschinen mit – und alsbald auf deren Äckern und Feldern selber mit Traktoren als „Traktorist“ aus Leidenschaft. Sein Konfirmationsgeld investierte er in einen Traktorführerschein, um fortan als „richtiger“ Erntehelfer tätig sein zu können.

Helden gesucht!

Den ganzen September suchen wir die Landwirtschafts-Helden. Ackerbau, Milchviehhaltung, Apfelhof – kaum ein Beruf bietet solch eine Vielfalt wie der des Landwirts. Er lebt mit und von der Natur, bewirtschaftet unsere Felder. Und befasst sich ständig mit technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

Nominiert werden und sich bewerben kann jeder, der dazu beiträgt, dass der Norden mit gesunden und hochwertigen Lebensmitteln versorgt wird. Für den Sieger richten die LN ein Fest aus. Preise gewinnen kann auch jeder, der seine Stimme abgibt. Mehr Informationen im Internet unter: www.helden-von-hier.de

 Sandra Freundt