Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Open-Air-Theater Bad Oldesloe widmet sich dem Wirtschaftswunder
Lokales Stormarn Open-Air-Theater Bad Oldesloe widmet sich dem Wirtschaftswunder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:43 18.02.2019
Hier werden schon erste Spiele erprobt.
Hier werden schon erste Spiele erprobt. Quelle: SUSANNA FOFANA
Anzeige
Bad Oldesloe

„Unser Ziel ist es, die ganze Stadt zu begeistern“, ruft Badomat-Vorstandsfrau Sabrina Ward euphorisch in die Runde der Theaterfreunde. Beim ersten Treffen für das neue Open-Air-Großprojekt des Vereins „Bad Oldesloe macht Theater“ ging es vor allem darum, den neuen Regisseur Maximilian Ponader kennenzulernen und sich gegenseitig zu beschnuppern.

Und das in einem altehrwürdigen Raum der Theodor-Storm-Schule, dem einstigen Hauptkontor des Oldesloer Margarinefabrikanten Friedrich Bölck, dem der Theaterverein sein vorletztes Stück gewidmet hatte. Nach dem letzten Großprojekt „1848 – Freiheit für Oldesloe“ geht es 2020 um eine um 100 Jahre jüngere Vergangenheit. Um die Wirtschaftswunderzeit, die verbunden ist mit Rock-’n’ Roll-Musik vom Plattenteller oder aus der Jukebox, Jeans, Lederjacke oder Petticoat und dem Wechsel vom Radio zum Fernseher in der guten Stube.

Bad Oldesloe macht wieder Open-Air-Theater. Die Aufführungen sind im Mai 2020 geplant.

„Ich freue mich total, dieses Stück für euch zu schreiben und eine tolle Produktion auf die Beine zu stellen“, betont Ponader. Der im Süden Deutschlands aufgewachsene Regisseur, der jedoch die meiste Zeit seines Lebens in Hamburg verbracht hat, bringt gute Voraussetzungen dafür mit. Er studierte Theaterwissenschaften und Musiktheaterregie, macht freischaffend sein eigenes Ding. Zum Beispiel mit seinem Hamburger Theaterlabel Lysa Kultur. Ponader bringt zudem Erfahrung aus der Arbeit mit Laien mit. Sein Berufswunsch war Schauspieler und er stand bereits häufig selbst auf der Bühne. „Das hilft mir bei der Regie“, weiß er.

Proben beginnen nach den Sommerferien

Bei den Proben, die nach den Sommerferien anlaufen, will er den Oldesloer Theaterspielern Basis-Handwerk vermitteln und verspricht: „Jeder einzelne kann profitieren und mit der Herausforderung wachsen.“ Einen kleinen Vorgeschmack für die erfahrenen Vereinsmitglieder und die Neuen, die zum Teil erst am Vortag von der Mitmach-Möglichkeit aus der Zeitung erfahren hatten, gab es dann auch gleich vor Ort.

In zwei Gruppen steigerten sich die Teilnehmer in Darstellungen von Alltags- und Begrüßungssituationen – bis hin zu ausgelassenem Tanz und Gelächter. Auf jeden Fall hatten alle schon einmal ihren Spaß und freuen sich auf eine gemeinsame Projektzeit auf oder hinter der Bühne. „Es ist eine tolle Energie hier im Raum“, fasst Sabrina Ward zusammen.

Erinnerungen von Zeitzeugen fließen ein

Anders als in den fünf bisherigen Open-Air-Aufführungen aus Oldesloes Vergangenheit, hat der Verein dieses Mal den Luxus, Erinnerungen von Oldesloer Zeitzeugen in die Story einfließen zu lassen. Aus den Oldesloer Details, eingebettet in die Wirtschaftswunder-Zeit des Aufbruchs und den Wunsch nach Normalität, will Ponader nun bis Ostern „eine Handlung, die packt“, entwickeln, „ein gutes, knackiges Drama“.

Einer der Zeitzeugen, Gerd Manzel, überlegt sich gerade, ob er vielleicht auch mitspielen möchte. Schließlich hat er bereits von 1958 bis 1989 beim Oldesloer Karneval in der Bütt auf der Bühne gestanden. Zudem spielte er früher bei der Aufführung „Dreimädelshaus“ des Städtischen Musikkreises im ehemaligen Thalia-Kino mit und singt aktuell in einem Reinfelder Chor.

Historiker ist von Anfang an dabei

Auch Wolfgang Wriedt, von Beruf Finanzbeamter, wollte sich mal bei Badomat umgucken. Die bisherigen Open-Air-Stücke gefielen ihm als Zuschauer, als Amateurschauspieler war er bereits bei acht bis zehn plattdeutschen Theater-Aufführungen in Reinfeld und Bad Oldesloe aktiv. Neu dabei sind auch Desire Romano (18) und ihre Mutter Roberta Martini. Die Oberstufen-Schülerin zog erst vor dreieinhalb Jahren von Italien nach Bad Oldesloe. Etwas Theatererfahrung bringt sie aus ihrer früheren Daz-Klasse mit. „Es interessiert mich, einmal etwas ganz anderes zu machen“, unterstreicht die 18-Jährige.

Von Anfang an bei den Aufführungen des Oldesloer Theatervereins dabei ist der ausgebildete Historiker Heiko Vosgerau, der in der Staatskanzlei arbeitet. Er spielte beim ersten Stück „Hagelstein“ den Wunderheiler. Nur beim Bölck-Projekt war Vosgerau nicht auf, sondern nur hinter der Bühne aktiv, da er zu der Zeit in Ägypten war.

Bevor alle nach der Kaffeepause erklären, warum ihnen Theater so viel Spaß macht, seit wann sie dabei sind, ob sie lieber auf oder hinter der Bühne wirken, lieber singen oder viel Text möchten, gibt es einen Riesenapplaus für das erste gemeinsame Spiel im Saal. Und als Rock-’n’ Roll-Musik erklingt, wagen die ersten Mitspieler schon mal ein schnelles Tänzchen.

Für mehr Infos klicken Sie hier

Susanna Fofana