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Stormarn Stehende Ovationen für die Freiheit
Lokales Stormarn Stehende Ovationen für die Freiheit
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21:55 16.05.2015
Die Oldesloer Bürger sind erpicht auf die neueste Nachricht, die da lautet: „Die deutsche Marine baut ein Unterwasserboot!“ Quelle: Fotos: von Dahlen
Bad Oldesloe

Ein Rempler setzt am Anfang den richtigen Ton: Die beiden dänischen Soldaten, die als Animateure das Publikum ansprechen, sind auf Krawall gebürstet, denn Konfrontation ist das Thema bei „1848 Freiheit für Oldesloe“, dem jüngsten Stück des Vereins „Bad Oldesloe macht Theater“. Am Freitag feierte es im Bürgerhof umjubelte Premiere. Freiheit wollen die Oldesloer von der dänischen Besatzung, Freiheit will Zeitungsmacher Julius Schythe (Harry Mähl) für die Presse, Freiheit wünscht sich Susanne (Sabrina Ward) als Wahlrecht auch für Frauen. Stattdessen sitzt der dänische Kommissar Jonasson in der Stadt (hinreißend gespielt von Ulf Schwinum), der treu seinem König dient und dabei auch vor dem Briefgeheimnis nicht Halt macht. Doch sein Dienstmädchen Edwine Schneeden (Vanessa Sacharow) kommt ihm auf die Schliche, und Oldesloe probt mit Hilfe von Bürgermeister von Colditz (Manfred Thomsen) den Aufstand.

Der Hamburger Regisseur Sven Lenz, der auch schon bei „Marke Bölck“ die Hand im Spiel hatte, hat „1848 Freiheit für Oldesloe“ als witziges Bauerntheater inszeniert, bei dem er alles Biedere durch ironische Seitenhiebe ersetzt. Ergebnis ist ein Spiel mit Worten, aktuellen Anspielungen und verschiedenen Theaterelementen, die dazu führen, dass der Zuschauer weit mehr erlebt als nur die Handlung.

Die Whistleblowerin heißt nicht umsonst Schneeden, Bezüge zwischen Spitzelei und NSA-Affäre holen Geschichte in die Gegenwart, ein paar Asylbewerber schlagen die Brücke zum Jetzt, und Lenz scheut nicht davor zurück, den Chor des klassischen Theaters als kommentierende und Fähnchen schwenkende Gesangsgruppe einzusetzen („Wir sind das Volk“). Aussagen mit tieferem Sinn wie „Zeitung hat eine gesellschaftliche Verantwortung“ oder „Niemand sollte alles über alle wissen“ sind in spritzige Dialoge verpackt und kommen moralisch an.

Der Zuschauer erlebt eine kluge Mischung aus Text- und Körpersprache, und als drittes Element kommt noch das Kasperletheater dazu. Mit großen Stoffpuppen bringt Lenz die Schlacht bei den Düppeler Schanzen als Bühnenstück auf die Bühne, mischt witzige Form mit tragischem Inhalt und erzeugt mit Krieg zum Puppenspiel verdichtet eindrucksvolle Effekte. „Die Kulissen für unsere Puppenbühne sollten bewusst einfach gehalten sein. Das haben die Kinder der Kita St. Vicelin wunderbar gemacht“, schreiben die Theatermacher in ihrem Programmheft, das als Zeitung gestaltet ist. In zwei Tagen haben die Kinder die drei Bühnenbilder auf Bettlaken gemalt.

Wurde hier schon der Trommler erwähnt? Max Wiechmann trommelt, was das Zeug hält, und bringt damit ein weiteres Theater-Element in die lebendige Bühnenarbeit der Crew. Die geht auf die Anfänge 2002 zurück, als Regisseur Tim Page erstmals die Idee hatte, Stadtgeschichte mit städtischen Darstellern als Open-Air-Projekt mitten in der Stadt aufzuführen. Seitdem sind es historische Figuren der Stadtgeschichte, die unter wechselnder Regie mit dem Arzt Hagelstein, dem Salzgraf, der Witwe von der Hude oder mit dem Kaufmann Bölck lebendig werden. Auch die dänische Besetzung hat es wirklich gegeben, ebenso wie die skandalumwitterte Gattin des dänischen Königs. In Oldesloe setzen ihnen Miss Piggy und Kermit ein originelles Denkmal.

Das Open-Air-erprobte Publikum wurde während der zwei Stunden Theater immer dicker, denn ständig neue Decken waren nötig, um die Abendkühle in Schach zu halten. Dem Theatergenuss tat das keinen Abbruch: So reizend lispelt Jonasson „Snapt ssie euch“, dass man fast nichts gegen eine neue dänische Besetzung hätte. Das Publikum war begeistert. „Zugabe“ rief am Ende ein Witzbold, und in der Tat: Von der Art Theater möchte man mehr sehen.

Weitere Aufführungen
Das Stück „1848 Freiheit für Oldesloe“ kann am heutigen Sonntag, 17. Mai, um 14.30 Uhr und 19.30 Uhr, am Freitag, 22. Mai (19.30 Uhr), am Sonnabend, 23. Mai (19.30 Uhr) und am Sonntag, 24. Mai (14.30 und 19.30 Uhr) noch einmal gesehen werden.



Eintrittskarten kosten 17 Euro, ermäßigt zwölf Euro. Erhältlich sind sie im Vorverkauf bei der Buchhandlung Willfang (Hude 5, Telefonnummer 04531/26 76), Weinwelt27 (Hindenburgstraße 27, Telefonnummer 04531/502 95 25) oder auf Bestellung per Mail an presse@bad-oldeloe-macht-theater.de

Bettina Albrod

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