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Stormarn Steigt die Sparkasse Holstein in Stormarner Wohnungsbau ein?
Lokales Stormarn Steigt die Sparkasse Holstein in Stormarner Wohnungsbau ein?
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22:20 28.10.2016
Die Sparkasse Holstein würde als möglicher Partner einer Wohnungsbaugesellschaft Erfahrungen aus Ostholstein mitbringen. Quelle: kks
Bad Oldesloe

Der Wohnungsmarkt im Kreis Stormarn ist angespannt. Gerade im Bereich des bezahlbaren Wohnraums herrscht Mangel. Untersuchungen besagen, dass im immer noch wachsenden Stormarn mindestens jährlich 1000 Wohnungen fehlen. Weil das so ist, denkt der Kreis über eigene Lösungsmöglichkeiten nach. Eine Idee: die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft. Als Partner im Gespräch ist die Sparkasse Holstein, mit ihrer Immobiliengesellschaft Holstein. Sie bringt bereits aus Ostholstein Erfahrungen aus diesem Bereich mit.

 

„Wir wollen aber keine Konkurrenz zu privaten Unternehmen sein.“„Reinhard Mendel, SPD-Fraktionschef
„Wir müssen alle Kräfte bündeln, um den Wohnungsbau anzuschieben.“Sabine Rautenberg, Grünen-Chefin
„Wir wollen aber keine Konkurrenz zu privaten Unternehmen sein.“„Reinhard Mendel, SPD-Fraktionschef
„Wir müssen alle Kräfte bündeln, um den Wohnungsbau anzuschieben.“Sabine Rautenberg, Grünen-Chefin

Bis 2030 werden 15000 Wohnungen fehlen. „Dieser Bedarf lässt sich mit der Bautätigkeit privater Investoren nicht decken“, erklärt Reinhard Mendel, Fraktionschef der SPD im Kreistag, der Mitglied der Arbeitsgruppe ist, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. Deshalb wolle der Kreis zusätzliche Instrumente haben, um selbst „Objekte zu bauen, die wenig oder gar keinen Gewinn abwerfen.

Die Hauptsache ist, die Wohnungen sind bezahlbar. Wir wollen dabei aber keine Konkurrenz zu privaten Unternehmen sein.“ Die Sparkasse Holstein hätte großes Interesse, „gerade in der Niedrigzinsphase ist Betongeld auch nicht uninteressant“, berichtet Mendel. „Ich hoffe, dass es bis Ende 2016 klappt und wir in 2017 loslegen können.“

Dagegen sieht sich Joachim Wagner, Fraktionschef der CDU, mit der Arbeitsgruppe noch in einer „Infoerhebungsphase. Wir sammeln gerade, wie so etwas gehen könnte, mehr aber nicht. Wir sind dabei herauszufinden, welchen Sinn eine Wohnungsbaugesellschaft macht. Dann können wir ein Konzept erstellen und darüber politisch befinden“. Fakt sei aber, „wir sind uns alle einig, dass wir mehr für günstigen Wohnungsbau tun müssen“. Der Kreis habe allerdings keine eigenen Grundstücke, die hätten aber die Kommunen. „Der Kreis kann den Gemeinden aber nicht sagen, wo sie bauen sollen.“ Aber über eine Wohnungsbaugesellschaft Grundstücke kaufen und dann bezahlbaren Mietraum schaffen.

Was Sabine Rautenberg, Fraktionschefin der Grünen, bestätigt. Auch sie sieht keine schnelle Lösung. „Wir müssen alle Kräfte bündeln, um den Wohnungsbau anzuschieben und wir brauchen effektive und effiziente Prozesse“, erklärt sie. Bei einer Wohnungsbaugesellschaft könnten alle Fäden zusammenlaufen.

Mehr Fragen als Antworten sieht der Landrat des Kreises, Henning Görtz, und dämpft zu hohe Erwartungen. „Wir stecken mitten im Prozess. Wir müssen erst einmal sehen, ob eine Wohnungsbaugesellschaft ein geeignetes Instrument ist und schauen, wie wir die Kommunen mit ins Boot holen können.“ Die Sparkasse Holstein als Partner hätte in Görtz Augen zwei Vorteile: „Die Sparkasse gehört zum Kreis und sie hat die notwendige Kompetenz und Expertise“.

Allerdings warten die Finanzexperten ab. „Die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft im Kreis Stormarn ist ein interessanter Ansatz, da die Wohnungssituation im Hamburger Umland schwierig ist, vor allem im mit öffentlichen Mitteln geförderten Bereich“, hießt es aus deren Hause. Mit Rat und Tat würde sie dem Kreis zur Seite stehen, wenn es darum geht, die Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung eines solchen Projektes zu erarbeiten. Ob die Sparkasse auch bei der Umsetzung eine Rolle spielen werde, sei derzeit offen.

Die Wohnungswirtschaft betrachtet die Pläne des Kreises mit Stirnrunzeln. „Wir sehen die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft eher kritisch“, erklärt Uwe Heimbürge, Vorstandsmitglied der Neuen Lübecker Norddeutsche Baugenossenschaft. Den am Markt aktiven Wohnungsbauunternehmen und vor allem Genossenschaften sollte lieber der Bau von neuen Wohnungen erleichtert werden.

 K. Kuhlmann-Schultz