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Stormarn Hammoor: Gegenwind für den Autohof
Lokales Stormarn Hammoor: Gegenwind für den Autohof
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18:19 14.11.2018
Lasbeks Bürgermeister Harald Lodders zeigt den Plan für Autohof und Gewerbegebiet. Beides soll an dieser Stelle zwischen Straße und der A 1 (im Hintergrund) entstehen. Das Lasbeker Gemeindegebiet grenzt unmittelbar an das Areal. Quelle: mc
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Hammoor

Den Kampf gegen die Windmühlen hatten die Gemeinde Hammoor und die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) gewonnen; nun droht jedoch neuer Gegenwind für das Projekt Autohof und Gewerbegebiet an der Autobahn 1. Die direkt betroffenen Gemeinden Lasbek, Steinburg und Todendorf sind gegen den Bau in seiner jetzt geplanten Form und fordern Nachbesserungen. Alle drei haben in ihren Gemeindevertretungen entsprechende Stellungnahmen verfasst. Hammoor überschreite seine Planungsbefugnisse, heißt es unisono. Sogar von juristischen Schritten ist die Rede.

Hintergrund: Erst vor wenigen Monaten hatte das Land beschlossen, Hammoor als Vorrangfläche für Windkraftanlagen aus dem überarbeiteten Regionalplan wieder herauszunehmen. Damit war der Weg frei für den Autohof, für den es schon vor rund zehn Jahren erste Planungen gab.

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Gemeinden wollen beteiligt werden

Über die Notwendigkeit einer entsprechenden Anlage besteht auch in den drei Gemeinden Konsens, schließlich sind die Lkw-Parkplätze entlang der A 1 zwischen Lübeck und Hamburg ständig überfüllt. „Die Planungen werden grundsätzlich begrüßt, als dass sich hierüber eine deutliche Verbesserung internationaler und überregionaler Verkehrsabläufe ergeben kann“, heißt es etwa in der vierseitigen Stellungnahme der Gemeinde Todendorf. Allerdings sind die Kommunen nicht einverstanden mit dem Standort und den möglichen Auswirkungen vor Ort. Außerdem kritisieren sie die in ihren Augen mangelhafte Informationspolitik der Projektträger sowie die fehlende Beteiligung ihrer Gemeinden.

„Wir sind dafür, dass der Autohof auf der Fläche entsteht, die vor Jahren einmal dafür vorgesehen war, nämlich auf der anderen Seite der Autobahn“, sagt Harald Lodders, Bürgermeister der Gemeinde Lasbek, die am stärksten von den Veränderungen betroffen sein wird. Der Ortsteil Lasbek-Dorf ist nur etwa zwei Kilometer von dem Standort östlich der A 1 entfernt.

„Wir befürworten ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren. Dann hätten die Gemeinden mehr Mitspracherecht“, sagt Lasbeks Bürgermeister Harald Lodders. „So wie es jetzt läuft, können wir das nicht hinnehmen.“ Seine Gemeinde wie auch Steinburg, das mit dem Ortsteil Mollhagen ebenfalls an das Areal mit Autohof und Gewerbegebiet grenzt, würden in ihrer Weiterentwicklung eingeschränkt.

Lodders befürchtet, mit der Verabschiedung eines Bebauungsplans durch die Gemeinde Hammoor vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Lasbek und Steinburg sehen einige Nachteile: mehr Verkehr durch ihre Orte, wenn später noch die A-1-Abfahrt weiter nach Norden verlegt wird, Vermüllung der Landschaft, Lärmbelästigungen und Straßenschäden nicht nur während der Bauphasen, sondern auch später während des laufenden Betriebs sowie große leuchtende Pylonen von Tankstellen oder auch Spielhallen.

„Für uns sind viele Fragen offen“, sagt auch Steinburgs Bürgermeister Wolfgang Meyer. „Wir können nicht abschätzen, inwieweit unsere wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Belange betroffen sind.“ Er hofft, dass sich alle Beteiligten nun an einen Tisch sitzen, um gemeinsam zu einer für alle tragbaren Lösung zu gelangen.

Umsatzeinbußen auf der Buddikate?

In Todendorf machen sich die Kommunalpolitiker zudem Sorgen um den Rasthof Buddikate, der auf Todendorfer Gebet liegt. „Da der neue Autohof nur wenige hundert Meter entfernt sein wird, sind umfangreiche Umsatzeinbußen für die Tankstellen und Gastronomiebetriebe zu erwarten“, heißt es in der Stellungnahme. Nicht zuletzt drohe Todendorf ein deutliche Minus bei den Gewerbesteuer-Einnahmen.

„Jeder vertritt seine eigenen Interessen“, sagt dazu Hammoors Bürgermeister Andreas Jendrejewski, seit Mai neu im Amt. „Wir nehmen das zur Kenntnis.“ Allerdings macht er den Nachbargemeinden wenig Hoffnung, dass die bestehenden Pläne noch geändert werden. Eine Verlegung an den früheren Standort schließt er zudem aus. „Das würde mit den Planungen für das neue Autobahnkreuz an der Stelle kollidieren.“

Auch WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann zeigt Verständnis für die Anliegen der Nachbargemeinden, betont jedoch die Notwendigkeit des Projektes angesichts weiter zunehmender Verkehre. „Wir werden in einen Dialog mit den Gemeinden treten und uns auch deren Einwendungen angucken.“ Hinselmann ist jedoch überzeugt davon, dass Autohof und Gewerbegebiet an der Stelle gebaut werden. Derzeit laufe das Investoren-Auswahlverfahren. „Wir sind schon mitten im Projekt“, sagt der WAS-Chef.

Auch Landrat Henning Görtz sieht das Projekt Autohof nicht gefährdet. Dass Gemeinden bei so einem Vorhaben Bedenken hätten, sei ganz normal im Planungsprozess. „Diese werden wir auch ernst nehmen“, sagte Görtz den LN. Entscheidend werde nun, ob die Landesplanung doch ein Zielabweichungsverfahren für erforderlich hält, was den gesamten Prozess verlangsamen würde.

Nächste Woche entscheidet die Landesplanung über den Autohof plus Gewerbegebiet sowie die Einwendungen der betroffenen Nachbarkommunen und das weitere Vorgehen.

Markus Carstens