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Stormarn Reinfeld: Kunst aus dem Zigarettenautomaten
Lokales Stormarn Reinfeld: Kunst aus dem Zigarettenautomaten
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18:00 21.06.2019
Inken Kramp hat vor ihrem Reinfelder Atelier in der Matthias-Claudius-Straße 25 einen Kunstautomaten aufhängen lassen. Hier kann man für vier Euro Kunst-to-Go ziehen. Quelle: Britta Matzen
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Reinfeld

In der Matthias-Claudius-Straße 25 hängt seit Neuestem ein Automat mit Vorleben. Zigaretten, Kaugummis oder Kondome spendete die Blechmaschine früher. Heute wirft man vier Euro hinein und bekommt dafür ein originelles Kunstwerk.

Was darf es sein? Kunst von regionalen, nationalen oder internationalen Künstlern? „Man kann zwischen verschiedenen Rubriken wählen“, erläutert Inken Kramp, die den Automaten nach Reinfeld holte. „Ich habe in der Matthias-Claudius-Straße mein Atelier. Die Idee, Kunst am Automaten zu ziehen, finde ich einfach witzig“, sagt die Willendorfer Künstlerin, die schon seit Längerem Bilder für Kunstautomaten produziert.

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Überraschung in der Schachtel

Erfunden wurde der Kunstautomat 2001 von dem Potsdamer Lars Kaiser, der die Agentur Kunsttick betreibt. Er sei immer wieder gefragt worden, ob er nicht kleine Dinge im Angebot habe. Als er eines Tages in Amsterdam die dortigen Blumenautomaten sah, kam er auf die Idee, ausrangierte Zigaretten- oder Kondomautomaten mit Kunst zu bestücken.

Etwa 200 dieser Maschinen hat Kaiser inzwischen deutschlandweit aufgestellt, einige Automaten haben es sogar bis ins europäische Ausland geschafft. Etwa 400 Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an diesem Projekt.

Bilder, Skulpturen, Gedichte

Die kleinen Kunststückchen kommen aus einem alten, umgestalteten Zigarettenautomaten und sind liebevoll in bunte Schachteln verpackt. „Warnung! Diese Kunst kann verwirren, erhellen, aufregen und süchtig machen“, steht, in Anspielung auf die Warnhinweise auf Zigarettenschachtel, außen auf der Verpackung. Welches Kunstwerk sich in dem Päckchen verbirgt, kann man von außen nicht erkennen. „Man erlebt immer wieder eine Überraschung“, sagt Inken Kramp.

Überraschung garantiert: In jeder kleinen Schachtel steckt ein Mini-Kunstwerk. Fans tauschen die Kunstwerke sogar schon untereinander. Quelle: E-Mail-LN-Stormarn

Es könne ein kleines Bild sein, eine Miniskulptur oder auch ein Gedicht – eben alles an Kunst, was in das Format einer Zigarettenschachtel passt. Die Werke seien toll als Mitbringsel, als schnelles Geburtstagsgeschenk oder für die eigene Sammlung. „Inzwischen gibt es sogar eine Facebook-Fanseite, wo die Kunstwerke getauscht werden“, weiß Kramp. Die Reinfelderin will sich in dem Kunstautomaten vor ihrer Tür natürlich auch vorstellen. „Ich bekomme eine eigene Rubrik – da kann man nur Kunst von mir ziehen.“

Von Helgoland nach Stormarn

Im vergangenen Winter öffnete Inken Kramp ihr Reinfelder Atelier. „Ursprünglich komme ich von Helgoland, wo meine Familie eine Pension hatte.“ Mit 15 Jahren verließ sie die Insel, weil es ihr zu eng wurde. Lübeck, Hamburg und jetzt Willendorf bei Rehhorst – das sind ihre Stationen. „Ich bin Grafikerin von Haus aus, ich habe mich aber immer schon mit Malerei und Illustration beschäftigt. Und jetzt bin ich Künstlerin“, sagt die 49-Jährige. Sie zeichnet, sie malt, sie fotografiert und nutzt dabei die unterschiedlichsten Techniken.

Ein Herz für Hunde

Ihre liebsten Motive sind Tiere, insbesondere Hunde. „Hunde habe ich schon immer geliebt. Da geht mein Herz einfach hin.“ So wundert es auch nicht, dass ihr treuester Gefährte der rumänische Straßenhund „Jem“ ist. Er ist ihr „Ladenhüter“ und weicht nicht von ihrer Seite, seitdem sie ihn aus dem Tierheim holte und ihm damit das Leben rettete. „Er hatte sich selbst schon aufgegeben und wollte nicht mehr leben.“ Jetzt schaut „Jem“ sein Frauchen an, hebt die Brauen und lässt dabei alle Herzen schmelzen. Diesen unvergleichlich treuen Hundeblick findet man auch auf vielen ihrer Werke wieder.

Lieblingsmotiv der Stormarner Künstlerin sind Hunde. Der rumänische Straßenhund "Jem" ist immer an der Seite von Inken Kramp. Quelle: Britta Matzen

Inken Kramps Atelier befindet sich in der Matthias-Claudius-Straße 25 in Reinfeld. Der Kunstautomat hängt direkt davor neben der Eingangstür. Die Öffnungszeiten des Ateliers sind mittwochs bis freitags von 11 bis 15 Uhr. Aktuell stellt Inken Kramp zudem in der Aumühler Seniorenresidenz Augustinum aus.

Britta Matzen