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Stormarn Klopapier-Mangel führt zu verstopften Rohren
Lokales Stormarn Klopapier-Mangel führt zu verstopften Rohren
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14:59 26.03.2020
Verstopfung: Irgendwann machen auch die besten Abwasser-Leitungen schlapp. Quelle: hfr
Bad Oldeslo

Weil viele Haushalte in der Corona-Krise Klopapier hamstern, behelfen sich manche Menschen verstärkt mit anderen Tüchern – und stellen damit das Abwassersystem vor gewaltige Probleme. Das teilt der Zweckverband Obere Bille in Trittau mit.

Seit dem Beginn der Corona-Krise registrieren Entsorgungsunternehmen in vielen Kommunen immer häufiger verstopfte Abwassersysteme, weil die Menschen vermehrt Dinge in die Toilette werfen, die dort nichts zu suchen haben: Desinfektionstücher für Oberflächen, Feuchttücher, Servietten, Kosmetik- und Küchentücher usw.

„In Küchenrollen und Taschentüchern werden sogenannte Nassfestmittel auf Basis von biologisch schwer abbaubaren Polyamid-Epichlorhydrinharzen eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass diese im Gegensatz zu Toilettenpapier nicht einfach bei der Abwasserbehandlung zerfallen“, erklärt Peter Urgien, Sprecher des Zweckverbandes, der im Dreieck zwischen A 1 und A 24 für die Wasserversorgung von mehr als 30 000 Einwohnern zuständig ist.

Ganze Anlagen lahmgelegt

„Diese Produkte überstehen sogar problemlos einen Waschgang in der Waschmaschine“, heißt es zudem beim Umweltbundesamt. Noch problematischer sind Experten-Angaben Feuchttücher, die aus synthetischen oder natürlichen Textilfasern bestehen. „Sie sind wegen ihres Materials und ihrer reißfesten Struktur unkaputtbar. Papiertaschentücher, Küchenrollen und Vliestücher sind aus unserer Sicht kein geeigneter Ersatz für Toilettenpapier“, lautet das Fazit des Umweltbundesamtes.

Dass sie sich in der Toilette problemlos herunterspülen lassen, täuscht laut Zweckverband Obere Bille über die Probleme hinweg, die Küchenpapiere, Feuchttücher und anderes den Abwasserbetrieben machen. In deren Pumpwerken sammeln sich so viele von den Tüchern, dass sie ganze Anlagen lahmlegen und dadurch zum Fall für den Entstörungsdienst werden.

Nur Toilettenpapier!

Peter Urgien findet klare Worte: „Da auch der Zweckverband Obere Bille im Zuge der Corona-Krise das Personal reduziert hat, um Reservepools aufzubauen, sollte es auf der Hand liegen, dass das Letzte, was wir jetzt brauchen, unnötige Reinigungseinsätze sind.“ In Toiletten gehöre ausschließlich Toilettenpapier. Küchenpapier und Feuchttücher sollen nach Verwendung im Hausmüll entsorgt werden. Dadurch werden laut Peter Urgien die Abwasserkanäle und die Pumpwerke erheblich entlastet.

Der Zweckverband Obere Bille betreut ca. 170 Kilometer Schmutz- und Niederschlagswasserkanäle und reinigt jeden Tag über 2,5 Millionen Liter Schmutzwasser in insgesamt drei Kläranlagen. Alle sind mit mechanischen, biologischen und chemischen Behandlungsstufen ausgestattet. Zudem sorgen 26 Regenklärbecken dafür, dass belastetes Oberflächenwasser insbesondere von Straßenflächen vor der Einleitung ins Gewässer gereinigt wird.

Von mc

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