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Stormarn Millionenschaden durch Autodiebe
Lokales Stormarn Millionenschaden durch Autodiebe
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06:00 23.06.2019
In den vergangenen Wochen registrierte die Polizei mehrere Diebstähle hochwertiger Autos. Quelle: Archiv
Bad Oldesloe

In Hoisdorf war es ein Porsche 911, der am 11. Mai von einem Grundstück in der Straße Thie aus dem Carport gestohlen wurde. Wert: rund 180 000 Euro. Wenige Tage später wurde im Bargteheider Schilfweg ein BMW 420d Grand Coupé entwendet. In der gleichen Nacht brachen unbekannte Täter in Witzhave in ein Haus ein, nahmen zielstrebig zwei Autoschlüssel aus dem Schlüsselkasten, starteten damit den Audi A6 und den VW Golf auf dem Hof und flüchteten in unbekannte Richtung.

So ein Fall von Homejacking – also einem gezielten Einbruch zum Zweck des Autodiebstahls – hatte die Polizeidirektion in Ratzeburg schon länger nicht mehr registriert. Er zeigt jedoch, dass die professionell agierenden Tätergruppen sich nicht auf eine spezielle Methode festlegen. Zuletzt wurden innerhalb weniger Tage gleich drei hochwertige BMW X6 bzw. X5 zunächst in Börnsen im Herzogtum Lauenburg und dann in Ahrensburg gestohlen. In allen Fällen entkamen die Täter unerkannt.

Keyless-go-Systeme überlistet

Vor gut einem Monat ging die Polizei noch von einzelnen Diebstählen aus, mittlerweile sieht sie das anders und ermittelt aufgrund der jüngsten Vorfälle in Richtung Bandendiebstahl. „Vor allem auf BMW haben es die Täter derzeit abgesehen“, sagt Polizeisprecherin Sandra Kilian. Alle gestohlenen Fahrzeuge verfügten über das sogenannte Keyless-go-System, welches Autodiebe mit einer gewissen elektronischen Fachkenntnis relativ einfach überlisten können.

Der entstandene Schaden geht mittlerweile in den Millionenbereich. Andere Diebstahlserien in der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass die meisten Fahrzeuge verschwunden bleiben. Allerdings können die Ermittlungsbehörden auch immer wieder vereinzelt Erfolge vorweisen, manchmal werden gestohlene Autos in Osteuropa von dortigen Beamten sichergestellt – oft in Polen, mittlerweile aber auch schon in Tschechien oder der Ukraine.

Polizei ist alarmiert

In den aktuelle Fällen ist die Polizeidirektion nun bereits kurz davor, eine Sonderermittlungsgruppe einzusetzen – so wie sie es bereits erfolgreich gegen Wohnungseinbrecher ebenfalls im Süden Stormarns getan hat. „Wir ermitteln auf Hochtouren, können aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details nennen“, sagt Sandra Kilian. Oft wird in solchen Fällen nach Gemeinsamkeiten geguckt, die die Täter zu den hochwertigen Autos führen. Wurden zum Beispiel die Autos auf einer Internet-Plattform zum Kauf angeboten? Oder lassen sich anderweitig Hinweise zu Besitzer und Wohnort finden?

Gerichtsprozesse aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass die Polizei durchaus erfolgreich ist. So wurden zum Beispiel zwei 32 und 37 Jahre alte Polen Ende Februar vor dem Lübecker Landgericht zu fast fünf Jahren und gut zwei Jahren Haft verurteilt. Angeklagt waren sie wegen 41 Taten in Hamburg sowie den angrenzenden Kreisen Stormarn, Segeber und Herzogtum Lauenburg, verurteilt am Ende wegen 36 Autodiebstählen. Den entstandenen Schaden hatte die Staatsanwaltschaft auf rund 840 000 Euro taxiert.

Im Laufe des Prozesses wurde klar, dass die Täter professionelle Strukturen aufgebaut hatten, um über Monate immer wieder Autos zu stehlen. Zwischenlager wurden genauso geplant wie der weitere Transport über Kurierfahrer, von denen zwei auf der Autobahn 24 Richtung Osten gestellt werden konnten.

Erfolgreiche Telefonüberwachung

Auf die Schliche kommen die Fahnder den Tätern häufig über eine Telefonüberwachung, gesammelt werden dabei auch Chat-Protokolle zum Beispiel über den Messengerdienst Whatsapp. Allerdings dauert es oft etwas länger, bis die Beamten zuschlagen können.

So war es auch in einem weiteren Fall, der derzeit ebenfalls vor dem Lübecker Landgericht verhandelt wird. Dem 42-jährigen Polen wird vorgeworfen, in großem Stil hochwertige Autos vor allem der Marken Mercedes und Audi gestohlen und nach Polen transportiert zu haben. Fast alle waren mit dem Keyless-go-System ausgestattet. Der Schaden soll sich auf 1,3 Millionen Euro belaufen. Angeklagt ist er wegen 14 vollendeter Diebstähle.

Markus Carstens

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