Stormarn: Müllkonzept - wohin mit dem ganzen Abfall?
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Stormarn Müllflut im Kreis Stormarn: Wohin mit dem ganzen Abfall?
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Stormarn: Müllkonzept - wohin mit dem ganzen Abfall?

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19:39 25.05.2021
Dieser Container in Bad Oldesloe ist mal fast vorbildlich befüllt, jedenfalls nicht mit zu viel Luft.
Dieser Container in Bad Oldesloe ist mal fast vorbildlich befüllt, jedenfalls nicht mit zu viel Luft. Quelle: mc
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Bad Oldesloe

Abfallvermeidung, Wiederverwendung und dann erst Recycling. Das ist die Reihenfolge, auf die die Gesetzgeber immer größeren Wert legen. Das berichtete auch Dennis Kissel jetzt im Stormarner Umweltausschuss. Kissel ist Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), die für die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg die gesamte Müllentsorgung organisiert. Die jeweiligen Kreispolitiker beraten alle paar Jahr über Neuerungen ihres Abfallwirtschaftskonzeptes.

Second-Hand-Kaufhaus im Südkreis

„Die Richtung stimmt auch mit dem bestehenden Konzept“, erläuterte Dennis Kissel. Trotzdem solle das Thema Abfallvermeidung und vor allem die Wiederverwendung noch mehr in den Fokus gerückt werden. Laut Kissel ist es zum Beispiel möglich, dass Tauschbörsen und Repair-Cafés noch stärker gefördert würden. Ein ganz konkretes Projekt gebe es schon im Süden Stormarns, wo Glinde, Reinbek und Oststeinbek ein gemeinsames Second-Hand-Kaufhaus initiieren möchten. Also: weg vom Sozialkaufhaus, stattdessen in Zusammenarbeit mit den Recyclinghöfen in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg weniger verschrotten, sondern mehr wiederverwenden.

Hintergrund sind auch die Ziele des Klimaschutzes, zu denen sich auch auf lokaler Ebene der Stormarner Kreistag vor zwei Jahren („Wir haben verstanden“) deutlich bekannt hat. Außerdem wurde vor Ort in den vergangenen Jahres bereits einiges bewegt, beispielsweise die zunehmende Vergärung von Biomüll oder die Einführung der Gelben Wertstofftonne. „Die Kreise setzen die Ziele, die AWSH setzt diese um“, erklärt Dennis Kissel. Beim angedachten Ausbau der Recyclinghöfe sei das jedoch nicht gelungen. Grund: Es wurden keine geeigneten Flächen gefunden. Derzeit hält die AWSH 13 Höfe vor, sieben in Stormarn und sechs im Nachbarkreis.

Potenzial bei Recyclinghöfen

Abfallwirtschaft und Stormarns Umweltpolitiker sehen bei den Recyclinghöfen auf jeden Fall Potenzial für mehr Wiederverwertung. Schon jetzt würde die Höfe manchmal belagert, Mitarbeiter würden zu attraktiven Gegenständen befragt. „Momentan gibt es natürlich keine Abgabe vor Ort, das wäre Missbrauch und Vorteilsnahme der Mitarbeiter“, sagt Kissel und verdeutlicht: „Das Stallfenster kommt auf den Schrott und nicht in den Antiquitätenhandel.“ Hier müsse was passieren, etwa durch eine Kaufhaus-Struktur.

Dauerbrenner Altpapier

Ein anderer Dauerbrenner sei nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie nochmals befeuert worden: die exorbitante Zunahme von Altpapier und Pappe. Kissel: „Der Online-Handel verschickt große Pakete mit wenig Inhalt.“ Und da viele Verbraucher die entstehenden Abfälle oft nicht fachgerecht zerkleinerten, seien die Container recht schnell vermeintlich voll. „Wir leeren mehrere Hundert Container dreimal die Woche und fahren dann häufig Luft durch die Gegend. Das ist ätzend!“ In Österreich gebe es zum Beispiel kindersichere Presscontainer, die jedoch rund 80 000 Euro pro Stück kosteten, so der AWSH-Geschäftsführer.

Eine andere Folge von Corona sprach im Umweltausschuss Hans-Werner Harmuth (CDU) an: „Wir unterstützen ja gerne unsere Gastronomie, aber es fällt durch das Bestellen und Abholen viel Müll an.“ Könne man da nicht mal grundsätzlich über ein Pfandsystem nachdenken? Harmuth kann sich ein Pilotprojekt für Stormarn oder auch eine einzelne Gemeinde vorstellen.

Ein weiterer Vorschlag des Umweltausschusses war, die Wertstofftonne für Elektroschrott zu erweitern; ein anderer lautete, Bürger für gutes Trennen über die Gebühren zu belohnen. Denn, darin waren sich alle einig: Der Bürger sei bequem, möchte am liebsten alles zu Hause entsorgen und nicht irgendwohin fahren.

Von Markus Carstens