Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Dieses Jahr sprießen die Pilze
Lokales Stormarn Dieses Jahr sprießen die Pilze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:00 08.09.2019
Ingo Hartung hat einen Riesenschirmling gefunden, den man wie ein Schnitzel braten kann. Quelle: Foto: Bettina Albrod
Anzeige
Ahrensburg

Hut ab vor diesem Pilz – er ist gewaltig. Hut ab von diesem Pilz, denn nach Art des Schnitzels zubereitet schmeckt der Hut des Riesenschirmlings höchst delikat. Pilzkenner Ingo Hartung hat ihn gerade im Beimoorwald in Ahrensburg entdeckt. „Dieses Jahr wird ein gutes Pilzjahr“, kündigt er an. Die Mischung aus Regen, Wärme und Sonne habe dafür gesorgt, dass sich die edlen Naturgewächse gut entwickelt haben. Ganz im Gegensatz zum Vorjahr: „Wegen der extremen Trockenheit hatten wir 2018 eines der schlechtesten Pilzjahre überhaupt“, bilanziert Hartung. Jahreszeitlich verteilte Niederschläge wie in diesem Jahr führten dagegen zu reichlich Wachstum von August bis weit in den Oktober hinein.

Saison beginnt im September

Pilzsammler haben darauf nur gewartet. Im September beginnt wieder die Saison, in der Ingo Hartung mit Gruppen in die Wälder zieht und Speisepilze sammelt. Wer mitgeht, trägt einen Korb und erfährt viel Wissenswertes über Marone, Röhrling und Co, die keine Pflanzen, sondern Lebewesen sind, die tatsächlich enger mit dem Tier verwandt sind als mit der Flora. Allerdings bleiben sie stehen, wenn man sich ihnen mit dem Messer nähert. Die fehlende Fluchtfähigkeit machen Pilze aber durch Raffinesse wett: Fast jeder Speisepilz hat ein giftiges Pendant.

Der Fliegenpilz ist schön, aber giftig. Quelle: OZ-LB

„Die giftigsten Arten unter den Pilzen sind der Grüne, Gelbe und Weiße Knollenblätterpilz“, warnt Hartung. „Letzterer ist im Norden eher selten anzutreffen. Die häufigsten Vergiftungen jedoch verursacht der Pantherpilz, weil seine Verwechslungsgefahr auch unter Kennern unterschätzt wird.“ Er sieht dem essbaren Perlpilz täuschend ähnlich und trägt im Volksmund auch den Namen „Sachsenmörder“, weil es in jener Region häufig zu Verwechslungen kommt. „Klassische Vergiftungserscheinungen sind Erbrechen, Übelkeit, Fieber und Schüttelfrost“, erklärt Hartung. Dann müsse man unbedingt sofort den Notarzt rufen, der die weiteren Behandlungsschritte nach Absprache mit der Giftnotzentrale Göttingen einleitet.

Pilzsuche: Nicht ohne Expertise

Ingo Hartung warnt davor, ohne Sachverständigen auf Pilzsuche zu gehen. „Es gibt keine Grundregeln, wie giftige von essbaren Pilzen zu unterscheiden sind“, sagt er. „Ein Bestimmungsbuch oder eine Pilz-App machen die eindeutige Zuordnung nach einer Abbildung nahezu unmöglich. Pilze variieren witterungsbedingt in Habitus und Färbung, so dass sie ein völlig anderes Erscheinungsbild annehmen können, als die Beschreibung in einem Bestimmungsbuch zeigt. Für zweifelsfreie Pilzbestimmung ist stets Expertenwissen notwendig.“

Die Giftnotruf- oder Giftinformationszentralen sind für akute Vergiftungsfälle 24 Stunden erreichbar. Unter der Telefonnummer 0551/19240 erreicht man in Göttingen das Giftinformationszentrum-Nord, das für Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen zuständig ist (www.giz-nord.de).

2018 hielt sich die Zahl der Notfälle in Grenzen. „Denn es gab fast keine Giftpilze im vergangenen Jahr.“ Häufigste Komplikation im Zusammenhang mit Pilzen seien auch weniger Vergiftungen, sondern Magen-Darm-Erkrankungen, wenn zu große Portionen gegessen oder Pilze überständig und schimmelig waren. „Alle bekannten essbaren Großpilze haben giftige Doppelgänger sowohl mit tödlichen Inhaltsstoffen als auch mit Magen-Darmgiften.“

Steinpilz schmeckt am besten

Ingo Hartung passt deshalb gut auf, was ins Körbchen kommt. Zuverlässig giftige von ungiftigen Pilzen unterscheiden zu können, setzt jahrzehntelange Arten- und Bestimmungskenntnis voraus. Der Speisepilz an sich ist eine Delikatesse. „Zu den wohl schmackhaftesten Pilzarten gehört der Steinpilz, gefolgt vom Maronenröhrling“, sagt Hartung. Typisch in unserer Region seien Maronen, Rotfußröhrlinge, Ziegenlippe, Perlpilz, Fichtenreizker, Frauentäubling, Birkenpilz und Krause Glucke. Allzu viel davon ist auch nicht gesund: Wöchentlich werden ein bis zwei Mahlzeiten wild wachsender Pilze empfohlen, nicht aber in größeren Mengen oder häufiger.

Maronen schmecken am besten, wenn sie noch klein sind. Quelle: Bettina Albrod

Begrenzt ist das Pilzesammeln hierzulande auf ein Kilo pro Person und Tag, und das nur für den Eigenbedarf, alles darüber kostet Strafe. Allerdings sind Pilze laut Hartung nicht durch „Übersammeln“ gefährdet, sondern durch Umwelteinflüsse. „Natürlich ist auch beim Pilzesammeln Nachhaltigkeit wichtig. Wenn man eine Art nicht kennt, sollte man den Fruchtkörper auch nicht aus dem Boden ziehen und den Pilz damit zerstören.“ Wichtig sei auch, Pilze zu schneiden, nicht herauszudrehen oder zu ziehen. Das Myzel des Pilzes – das unterirdische Geflecht der Pilzzellen – werde beim unsachgemäßen „Ernten“ immer beschädigt, was einen Wachstumsstopp verursache.

Klimawandel bringt neue Sorten

Pilze sind ohnehin schon durch den Klimawandel gefährdet. „Der führt zu einem auffälligen Rückgang einheimischer Arten“, hat Hartung beobachtet, der seit seiner Kindheit Pilze sammelt. Eingewandert seien dagegen hochgiftige Egerlings-Arten aus dem Mittelmeerraum mit bereits tödlichen Folgen. Bis in den Ratzeburger Raum geschafft habe es der „Tintenfischpilz“ aus dem Südpazifik. Der sei plötzlich am Drahtteich bei Trittau aufgetaucht. „Ich habe 2019 bereits im Juni elf Exemplare gezählt. Er ist auf dem Vormarsch.“

Der Tintenfischpilz stinkt nach Aas und lockt so Fliegen an. Quelle: BeckerBredel

Wer auf wertvolle Trüffel hofft, wird allerdings enttäuscht. „Hin und wieder werden Trüffel in Gärten entdeckt, zumeist durch Rindenmulch eingeschleppt“, sagt Hartung. „Bei den in Schleswig-Holstein vorkommenden Trüffelarten handelt es sich aber nicht um hochwertige Exemplare. Die wachsen nur in Eichenwäldern auf Kalkböden. Die haben wir im Norden nicht.“ Dafür gibt es Pilze, die in medizinischer Hinsicht wertvoll sein können. Blutdrucksenker seien die Violetten Ritterlinge, Hallimasch helfe bei Stuhlgangproblemen, Klapperschwamm oder Maitake fänden in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung als Krebshemmer.

Pilzpfanne

Maronen gehören zu den häufigsten Speisepilzarten, die vom überwiegenden Teil der Pilzsammler geerntet werden. Ihre Verarbeitung und Zubereitung ist obendrein einfach: Die weichen Röhren entfernen und den Fruchtkörper (Pilz) mit einer Bürste oder Pinsel säubern. Ein kleines Stück Butter in der Pfanne erhitzen, darin eine in kleine Würfel geschnittene Zwiebel leicht andünsten. Danach die klein geschnittenen Pilze hinzugeben und ca. 16-20 Minuten unter häufigem Wenden braten. Mit Speckwürfeln, Rührei oder einem Schuss Sahne, gewürzt mit Pfeffer und Salz, wird die „Pilzpfanne“ zur appetitlich-deftigen Hausmannskost.

Beim Thema Radioaktivität in Pilzen hat Stormarn damals Glück gehabt: „Bis auf zwei lokale Ausnahmen sind die Flächen in Schleswig-Holstein frei von isotopischer Belastung nach dem Fallout von Tschernobyl. Die Referenzwerte der Strahlenexposition belegen natürliche, also kosmogene Strahlung.“ Pilze und Wild in Bayern seien dagegen nach wie vor weit über die EU-Grenzwerte hinaus kontaminiert, sagt Hartung.

Von Bettina Albrod

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde der Ehrenfriedhof von Klein Wesenberg neu eingeweiht und gesegnet. Die Gedenkstätte wurde vor 100 Jahren für die Gefallenen des 1. Weltkrieges geschaffen.

07.09.2019

Vor etwa neun Monaten ging in Bad Oldesloe die App „Meine Stadt rettet“ auch in Stormarn an den Start. Die Bilanz fällt sehr positiv aus. Jeder Smartphone-Nutzer kann damit zum Lebensretter werden.

07.09.2019

Für die Verwaltung wurde es bereits im frühen 19. Jahrhundert zu eng, aber seit langer Zeit ist das alte Rathaus kultureller Treffpunkt, erst Recht nach der Sanierung 2017.

07.09.2019