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Stormarn Stormarner Sportvereine lassen Flüchtlinge gratis trainieren
Lokales Stormarn Stormarner Sportvereine lassen Flüchtlinge gratis trainieren
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23:23 16.03.2015
Frank Schlieker (2. v. l.) mit den neuen Sportlern. Quelle: hfr
Bad Oldesloe

Immer mehr Stormarner Vereine bieten Flüchtlingen die Möglichkeit, kostenlos Sport zu treiben. Denn gemeinsames Dribbeln, Pritschen und Schwitzen schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Und ganz nebenbei vertreibt die körperliche Betätigung wenigstens zeitweise Schwermut und Sorgen der Menschen, die ihre Heimat bisweilen unter dramatischen Umständen verlassen mussten.

Der VfL Bad Oldesloe gab gestern erstmals bekannt, dass Flüchtlinge bei ihm gratis trainieren können. „Im Vorstand war uns am Ende des Jahres aufgefallen, dass es sehr viele Ein- und Aufritte gab.

Darauf konnten wir uns zunächst keinen Reim machen“, erzählt der Vereinsvorsitzende Detlef Rädisch. Nachforschungen hätten dann ergeben, dass es sich um Bewohner von Flüchtlingsunterkünften handelte, die offenbar nicht genug Geld hatten, um die Mitgliedschaft zu finanzieren und deshalb wieder ausgetreten waren.

Während das sportliche Engagement von Kindern und Jugendlichen durch das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung finanziert werden könne, bleibe der Erwachsenensport unberücksichtigt, erklärt Rädisch. Auf einer Konferenz mit allen Abteilungsleitern des VfL wurde letztlich beschlossen, einen Fonds von 1500 Euro zu bilden, aus dem die Mitgliedsbeiträge abgedeckt werden können. „Es war toll. Alle haben spontan dafür gestimmt“, berichtet der Oldesloer Vereinschef.

Das Angebot des VfL nutzen übrigens schon 20 Erwachsene, die meisten von ihnen spielen Fußball. „Das klappt inzwischen schon sehr gut. Viele Flüchtlinge sind ja traumatisiert. Hier bei uns in der Gruppe fühlen sie sich gut aufgehoben und haben etwas Spaß“, erzählt VfL-Trainer Volker Hurst. Er hofft, dass eine Spendenaktion in Gang kommt, damit das Gratisangebot dauerhaft gewährt werden kann.

Als Vorreiter nicht nur im Kreis Stormarn, sondern auch in ganz Schleswig-Holstein gilt der TSV Trittau. Auf Betreiben des Vereinsvorsitzenden Axel Schulz, der auch Mitglied im Freundeskreis für Flüchtlinge ist, wurde die Gratis-Mitgliedschaft schon vor einem Jahr beschlossen. „In Kiel sind wir dafür ausdrücklich gelobt worden. Wir sind aber auch selbst überrascht, wie gut es läuft“, berichtet er. Zwölf Flüchtlinge — sowohl Kinder als auch Erwachsene — seien inzwischen Mitglieder, etwa die gleiche Anzahl zähle zu den Schnupperkandidaten.

Laut Schulz will der TSV das kostenlose Angebot zunächst noch für das laufende Vierteljahr beibehalten. „Danach müssen wir uns unterhalten, ob es nicht noch andere Möglichkeiten der Finanzierung gibt“, sagt der Vorsitzende.

Sehr engagiert ist auch Frank Schlieker vom Turn- und Sportverein Zarpen. Als er hörte, dass die in Mönkhagen untergebrachten Flüchtlinge Interesse für Sport zeigten, organisierte er sofort die benötigen Trikots und fuhr die vier Männer aus Syrien und Afghanistan zum Training. Inzwischen hat er kräftig gesammelt — wie beim Turnier in Geschendorf — und von den Spenden Fahrräder gekauft.

„Jetzt sind alle mobil und können allein zum Sport radeln“, sagt Frank Schlieker erfreut.

„Wir haben die Integration schon auf allen Ebenen vorangetrieben und beim Projekt des Landessportbunds ‘Schleswig-Holstein kickt fair‘ mitgemacht“, berichtet Henrik Bustorf, Abteilungsleiter Fußball des TSV Bargteheide. Es sei sehr zu begrüßen, dass es vergleichsweise einfach sei, Spielberechtigungen für Flüchtlinge zu erhalten. Sonst bedeute es für Vereine einen großen Aufwand, internationale Spieler in ihre Teams aufzunehmen. Auch was andere Sportarten anbelangt, so habe der TSV beschlossen, keinen Beitrag von Flüchtlingen zu nehmen, weder von Erwachsenen noch von Kindern und Jugendlichen. „Darin werden wir sowohl von der Stadt Bargteheide als auch von vielen Privatleuten unterstützt. Deshalb hoffen wir, dass möglichst viele Leute die Hemmschwelle überwinden und zu uns kommen“, sagt Hendrik Bustorf.

Integration bei Türkspor
20 Flüchtlinge — sowohl Kinder als auch Erwachsene — will auch der SV Türkspor in Bad Oldesloe gratis aufnehmen. An den Einzelheiten werde zurzeit noch gefeilt, sagt Fußballobmann Gökhan Akdemir. Zudem gebe es Überlegungen, eine Trainingsakademie einzurichten, um die Sportler intensiver betreuen und integrieren zu können. Das Projekt stecke allerdings noch in den Anfängen.

Dorothea von Dahlen