Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Stormarner Störche im Aufwind
Lokales Stormarn Stormarner Störche im Aufwind
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:10 06.08.2014
Diesen Storch bei der Federpflege fotografierte Stephanie Bornheim aus Großensee für das Großenseer Filmprojekt. Quelle: hfr
Steinburg

Eine wahre Storchenschwemme erlebte der Kreis Stormarn in diesem Jahr. Die Rückkehrer aus dem Süden besetzten sage und schreibe 30 Horste, sechs mehr als im vergangenen Jahr. Entsprechend üppig fiel denn auch der Nachwuchs aus. 50 Junge wurden in diesem Jahr aufgezogen — ein Rekordergebnis, das nur 1999 mit 56 Jungen überflügelt wurde. Dabei war auch schon das vergangene Jahr mit 47 Storchenjungen nicht zu verachten.

Bei Stockelsdorf wurden sogar Dutzende Störche auf einen Schlag gesichtet - auf der Durchreise

Mit sechs Paaren gilt nun Bargfeld-Stegen als zweites „Storchendorf“ Schleswig-Holsteins. Doch haben auch andere Dörfer wie Rethwischfeld, Stemwarde und Delingsdorf Zuwächse zu verzeichnen. In Klein Schenkenberg richtete ein Hauseigentümer in letzter Minute einen Mast mit Nistmaterial her, gerade noch rechtzeitig, so dass sich auch dort ein Adebar niederlassen konnte, wie Storchenbetreuer Andreas Hack berichtet. Einzig in Wiemerskamp sei das Nest in diesem Jahr verwaist.

Was den Anstieg der Population in Stormarn anbelangt, so haben Hack zufolge eine ganze Reihe von Faktoren dazu geführt. „Die Flugbedingungen auf dem Weg Richtung Norden waren dieses Mal ideal“, berichtet er. Hinzu komme, dass die Nahrungssituation schon vor ihrem Aufbruch in Afrika und später am Zielort in Stormarn recht gut gewesen sei.

Das kann auch Lohnunternehmer Kai Moß bescheinigen, auf dessen Firmengelände in Mollhagen eines der Vierlings-Nester steht. „In diesem Jahr wächst alles wie verrückt, und die Frösche springen nur so über die Wiesen“, erzählt er. Um ein Haar hätte es in Mollhagen sogar fünf Junge gegeben. In den ersten Wochen nach dem Schlüpfen sei eines aus dem Nest gefallen — ihm war nicht mehr zu helfen.

Verluste gab es laut Hack auch an anderen Horststandorten, an denen die Elterntiere sehr früh mit dem Brutgeschäft begonnen hatten. „Schuld war das nasskalte Wetter im Mai“, sagt er. Mitunter habe sich das Regenwasser in den Nestern gestaut, so dass Junge darin ertrunken seien.

Auf der anderen Seite führte das eher feuchte Wetter dazu, dass das Nahrungsangebot auch über die Sommermonate hinweg ausreichend war, um den Nachwuchs aufzuziehen. Hack hat aber auch festgestellt, dass die Landwirte ihre Heu- und Grasernte zum Vorteil der Störche umgestellt haben. „Während die Bauern früher nahezu alle gleichzeitig Ende Mai, Anfang Juni Heu gemacht haben, wird heute von Mitte Mai bis Ende Juli stets nach und nach Gras für Heu, Grassilage, Grasrundballen und so weiter geerntet.“ Dadurch bleibt immer genug Lebensraum für Amphibien und Insekten, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für Störche sind.

Bewährt haben sich auch die Kontrolltouren, die Storchenbetreuer Hack und seine Kollegin Kerstin Kommer regelmäßig vornehmen. Sie untersuchten im Schnitt zehn bis zwölf Horste in Stormarn auf ihre Standfestigkeit und reinigen sie bei Bedarf. Im Abstand von zwei bis drei Jahren tragen sie zudem das stark verdichtete Nistmaterial von den Horsten ab und füllen es mit Holzhackschnitzeln an, wodurch die Nässe in den Nestern besser abgeleitet wird.

Der Nachwuchs
Die Jungstörche ziehen in einigen Wochen nach Süden, die meisten über Osteuropa und den Bosporus. Vor ihnen liegen bis zu 10 000 Kilometer. Die Altstörche folgen in ein bis zwei Wochen.



Nachwuchs: Bargfeld-Stegen 8, Groß Barnitz 1, Hammoor 2, Heilshoop 1, Klein Wesenberg 4, Kl. Schenkenberg 1, Lasbek 3, Meddewade 1, Mollhagen 4, Neritz 3, Papendorf 3, Rethwischfeld 3, Rümpel 3, Seefeld 2, Sprenge 2, Sühlen 3, Todendorf 3, Tremsbüttel 3.

dvd