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Stormarn Stormarner kaufte falsche Fuffziger: Bewährungsstrafe
Lokales Stormarn Stormarner kaufte falsche Fuffziger: Bewährungsstrafe
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15:36 21.03.2019
Der 26-Jährige kaufte falsche 50-Euro-Scheine und brachte sie in Umlauf. Quelle: dpa
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Ahrensburg

Der Prozess gegen einen Stormarner, der sich am Donnerstag wegen der Verbreitung von Falschgeld vor dem Ahrensburger Amtsgericht verantworten musste, ging mit seiner Verurteilung zu einem Jahr und vier Monaten Haft zu Ende, die für zweieinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Zusätzlich muss der 26-Jährige 200 Sozialstunden ableisten, die 450 Euro Schaden erstatten und die Kosten des Verfahrens tragen. Das Schöffengericht folgte damit dem Antrag des Staatsanwalts.

Der Prozess begann mit einem Geständnis: Der Angeklagte sagte aus, dass er Mitte 2016 seinen Job als Klempner verloren habe und finanziell in der Klemme gewesen sei. Als er ein Jahr später einen Bekannten traf, der ihm falsche Fuffziger zum Preis von 17,50 Euro je Banknote anbot, griff er zu und investierte 350 Euro für 20 Banknoten.

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Mit den 50-Euro-Scheinen kaufte er in den folgenden Wochen neun Mal in diversen Geschäften in Stormarn und Hamburg ein. Drei Mal wurde das Geld beim Bezahlen als Falschgeld erkannt. Ein Zeuge rief daraufhin die Polizei, aber der Angeklagte gab an, das Falschgeld beim Wechseln auf einem Flohmarkt erhalten zu haben. Danach machte er weiter. Insgesamt entstand ein Schaden von 450 Euro. Weiteres Falschgeld wurde bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Angeklagten entdeckt.

Richter: Keine minder schwere Tat

Dieses Vorgehen wertete der Vorsitzende Richter in der Urteilsfindung als Argument dafür, dass es sich um keinen minder schweren Fall handelt. „Sie haben sich bewusst und kalkuliert Falschgeld besorgt und auch nach dem ersten Polizeikontakt weitergemacht“, sagte der Richter. Da der Angeklagte bei einem weiteren Einkauf neben dem Falschgeld auch seine EC-Karte genutzt hatte, kam die Polizei ihm auf die Spur.

Der Angeklagte gab vor Gericht alles zu, weigerte sich aber, den Namen seines Lieferanten zu nennen. „Ich habe Angst, dass das negative Folgen für mich haben könnte“, erklärte er. Der Richter gab zu bedenken, dass man das auch so auslegen könne, dass er einen Komplizen decken oder später weiter Falschgeld verbreiten wolle. Doch der Angeklagte gab lediglich an, dass der Mann die gefälschten Fünfziger per Post aus Italien erhalten habe.

Angeklagte: Habe aus Geldmangel und Not gehandelt

Stattdessen erzählte er von seinen finanziellen und familiären Nöten, die ihn dazu getrieben hätten, sich das Falschgeld zu verschaffen. So war er mit 20 Jahren Vater einer Tochter geworden. „Die Mutter hat mir das Baby vor die Tür gelegt und ist verschwunden.“ Das Kind wachse nun bei seinen Eltern auf, er habe sich aber darum kümmern müssen, es um 9 Uhr zur Tagesmutter zu bringen und um 15.30 Uhr wieder abzuholen. „Deshalb habe ich keinen Job gefunden.“

Ein zweites Kind, für das er Unterhalt zahle, lebe bei der Mutter, zu der er guten Kontakt habe. Da das Geld vom Arbeitsamt erst spät gezahlt worden sei, habe er 12 000 Euro Schulden, wohne bei seiner Schwester und lebe von 520 Euro im Monat, die er in der Firma seines Vaters verdiene. Die Firma solle er demnächst übernehmen. Nach zehn bis zwölf verschiedenen Jobs habe er gemerkt, dass er „zu selbstständig“ arbeite und deshalb mit den Arbeitgebern nicht klar komme. „Ich habe aus Geldmangel und Not gehandelt.“

Kassierer erkannte das Falschgeld

Die Geldscheine seien Kopien echter Geldscheine und in mittlerer Qualität auf einem Tintenstrahldrucker hergestellt worden, sagte ein Kriminalbeamter aus. In mehreren Fällen täuschten sie die Verkäufer; ein Kassierer wurde aufmerksam, weil er gerade eine Fortbildung zum Thema Falschgeld gemacht hatte. „Das Fehlverhalten hat sich nicht gelohnt“, zog der Angeklagte ein Fazit.

Da er keine Vorstrafen hat und eine Vorstrafe verhindern würde, dass er eine Meisterausbildung machen kann, urteilte das Gericht auf Bewährung. „Wenn Sie Ihre Auflagen nicht erfüllen oder erneut straffällig werden, müssen Sie ins Gefängnis“, betonte der Richter. Auf die Verbreitung von Falschgeld steht eine Haftstrafe von einem bis 15 Jahre. „Wenn Sie das Geld gestohlen hätten, wäre das strafrechtlich besser für Sie gewesen“, merkte der Staatsanwalt an.

Bettina Albrod

21.03.2019
21.03.2019