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Stormarn Oldesloer Innenstadt verwandelt sich in Schlemmermeile
Lokales Stormarn Oldesloer Innenstadt verwandelt sich in Schlemmermeile
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20:00 26.07.2019
Die Fußgängerzone in Bad Oldesloe Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

 Kaum zu glauben: Viele kleine Klicks zeitigen große Wirkung. Auch die Oldesloer Innenstadt verändert sich mit zunehmendem Online-Handel. Viele Geschäftsinhaber klagen über Umsatzeinbußen, da Schuhe, Jeans oder Sportartikel bequem von der Couch aus geordert werden können. Nach einer aktuellen Studie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung trifft der Strukturwandel insbesondere mittelgroße Städte ins Mark. Während der Einzelhandel dieser Tage schwer zu leiden hat, schießen in Bad Oldesloe aber gleichzeitig gastronomische Betriebe wie die Pilze aus dem Boden. Den Anfang machten zunächst neue Cafés an der Hude. Inzwischen gibt es auch am Markt und vielen anderen Plätzen in der Fußgängerzone draußen Sitzplätze für einen entspannten Klönschnack. Bad Oldesloe scheint sich von der Einkaufsstadt zur Schlemmerstadt zu entwickeln.

Paradies für spielende Kinder

Ein kleines Paradies für Familien mit Kindern will Gültekin Kaya in der Oldesloer Fußgängerzone schaffen. Er erweitert sein Waffel-Café um eine große Spielecke. Quelle: Dorothea von Dahlen

Der Wandel geht zum Teil mit einem Generationswechsel einher, wie es sich etwa bei der Übergabe der Gaststätte „Zur Mühle“ an die Betreiber der „Bar Laurent“ vollzogen hatte. Ein anderes Beispiel stellt der Kindermodeladen „B & K Baby-Paradies“ dar, der im Frühjahr seine Pforten schloss. Inhaberin Eva Bruszies hatte sich aus Altersgründen zurückgezogen, aber auch, weil der Einsatz, den sie im Laden zuletzt zeigte, in keinem Verhältnis mehr zum Umsatz stand. Sie musste feststellen, dass sich viele Leute bei ihr beraten ließen, die Ware aber letztlich doch im Internet bestellten.

Eine Nachnutzung für ihren Laden ist aber schon in Sicht. Und wieder werden Kinder dabei eine Rolle spielen, wenn auch in anderer Form als bisher. Gültekin Kaya, Inhaber des benachbarten Cafés in der Hindenburgstraße, hat das Geschäft bereits angemietet, um zu expandieren. Die „Waffel-Time“, die er mit Ehefrau Esma betreibt, hat sich nämlich seit Eröffnung im Frühjahr 2018 zu einem beliebten Treffpunkt für Familien mit Kindern entwickelt. Ein Café, in dem der Nachwuchs nach Herzenslust spielen kann, ist offensichtlich eine Marktlücke. Da der Platz im bisherigen Ladenlokal jedoch schon knapp wurde, kam das Angebot für eine Erweiterung gerade recht. „Wir werden hier eine große Spielecke mit kleinem Trampolin und Bällchenbad einrichten und später auch Geburtstagspartys für Kinder veranstalten“, sagt Gültekin Kaya. „Wir hätten nicht gedacht, dass unser Geschäft so ankommt. Im Internet haben wir nur gute Bewertungen.“

Mit dem Inhaber wechselt auch der Stil

Cevded Yildirim hat den seit längerem leer stehenden Laden der Bäckerei Schmidt in Bad Oldesloe übernommen und dort ein Café eingerichtet. Quelle: Dorothea von Dahlen

Leben ist auch wieder in eine der lange verwaisten Filialen der ehemaligen Bäckerei Schmidt in der Hindenburgstraße eingezogen. Mit dem Inhaberwechsel verändert sich auch der Stil des Geschäfts. Auch in diesem Fall hat ein Gastronom die Nachfolge angetreten. Cevded Yildirim, seit 20 Jahren im Geschäft, hat die Bäckerei in das „Café Cervo“ mit großer Terrasse im rückwärtigen Bereich verwandelt. Auch hier gibt es Brötchen, doch kredenzt er in der Hauptsache kleine Speisen, bietet Frühstück und einen leichten Mittagstisch. Bis 2018 betrieb Yildirim noch einen Dönerladen gegenüber dem Kino und arbeitete anschließend in der Bäckerei „Allwörden“, um sich später selbstständig zu machen. „Ich finde Bad Oldesloe super. Man kann hier mit der Familie gut leben, ohne Sorgen zu haben, wenn die Kinder draußen spielen. Nicht so wie in Hamburg“, sagt der Vater von zwei Söhnen, der mit einer Deutschlehrerin verheiratet ist.

Sushi wird der neue Renner

In Bad Oldesloe eröffnet eine Sushi-Bar, die auch mit thailändischen Spezialitäten aufwartet. Inhaber ist Bijaya Khadka (Mitte), hier mit Alessio Zagari vom Café Laurent (l.) und seinem Sushi-Meister Raj Bista. Quelle: Dorothea von Dahlen

Ihren Appetit auf Sushi werden die Oldesloer künftig ebenfalls stillen können. Neben dem Oho-Kino eröffnet Bijaya Khadka demnächst das Restaurant „Koyaki“. „Das ist ein heiliges Gebirge in Japan. Der Name bedeutet so viel wie frische Luft“, erzählt er schmunzelnd. Der Gastronom ist bereits Inhaber des Restaurants „Tusbaki“ in Großhansdorf und hat nach eigenem Bekunden viele Jahre in Hamburg gearbeitet. Feinschmecker will er mit thailändischen Spezialitäten und 50 Sushi-Variationen überraschen, darunter auch Kreationen aus Königsfisch. „Man kann unserem Koch bei der Zubereitung auf die Finger schauen“, sagt Khadka und tätschelt seinem Sushi-Meister Raj Bista anerkennend die Schulter.

Fisch im Rohzustand gibt es bald auch in unmittelbarer Nähe. Manot Raya eröffnet im einstigen RestaurantBosporus“ am Rümpeler Weg das „Koi-Sushi“. Seinen Vorgänger, Klaus Hauck, hat es an die Ostsee verschlagen. Er versorgt künftig Strandurlauber im Utspann in Kellenhusen mit Speisen und Cocktails.

Frisch gezapftes Bier kann kein Online-Handel bieten

Wie ein Fels in der Brandung bleibt dagegen das „Old Esloe“ bestehen. Das teilt jedenfalls Sanne Thomasch mit. Nachdem die Immobilie den Eigentümer gewechselt hatte, kursierten Gerüchte, dass nun auch die urige kleine Kneipe verschwinden würde. „Ich mache weiter. Da gibt es gar kein Vertun“, sagt die Wirtin. Und da hat sie wohl den richtigen Riecher: Online-Handel hin oder her, den gemütlichen Kneipenabend kann kein Internet ersetzen.

Online-Umsatz steigt nur noch mäßig

Der Online-Umsatz hat laut dem aktuellen Zahlenspiegel des Einzelhandelsverbands (HDE) in Deutschland seit Anfang 2000 gewaltige Sprünge gemacht. Zu Beginn des Jahrtausends lag er noch bei rund 1,3 Milliarden Euro, das waren 0,3 Prozent des Gesamthandels. Inzwischen stieg die Summe auf 48,9 Milliarden Euro an, was einem Gesamtanteil von 9,5 Prozent entspricht.

Der Sektor wächst nach wie vor. Die jährlichen Zuwachsraten von über 40 Prozent der Jahre 2004 und 2005 werden jedoch nicht mehr erreicht. Das Wachstum hat sich inzwischen abgeschwächt. Zwischen den Jahren 2016 und 2017 lag es bei 10,5 Prozent.

Dorothea von Dahlen

Eine junge Modedesignerin hat ihre Liebe zu alten Handwerkstechniken entdeckt. Sie färbt die Stoffe für ihre Kollektionen mit Pflanzenfarben aus dem eigenen Blumengarten.

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