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Stormarn „Superseven“ packt natürlich ein
Lokales Stormarn „Superseven“ packt natürlich ein
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09:57 26.02.2018
Katja Seevers zeigt ihre kompostierbare Verpackung, die genauso umweltverträglich ist wie die Bio-Zahnbürste darin.
Katja Seevers zeigt ihre kompostierbare Verpackung, die genauso umweltverträglich ist wie die Bio-Zahnbürste darin. Quelle: Albrod
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Wentorf/Ahrensburg

Bananen kommen mit Verpackung zur Welt: Den Inhalt isst man auf, die Schale wirft man weg, und da sie organisch ist, wird sie über kurz oder lang wieder eins mit der Natur. Dieses Konzept steht auch hinter der Idee von „Repaq“, einer Folienverpackung aus Cellulose, die vollständig kompostierbar ist. Das Start-Up-Unternehmen Superseven aus Wentorf wird vom Ahrensburger Gründercoach Tomas Grimm beraten und bietet mit diesem Produkt eine umweltgerechte Verpackung an, die die praktischen Eigenschaften von Kunststofffolie und die organischen der Bananenschale vereint.

Hinter Superseven stehen die Produktdesigner Katja (46) und Sven Seevers (48) sowie Hannes Füting (38). „Der Name meines Mannes wird ständig falsch geschrieben“, erläutert Katja Seevers. „Selbst in einem seiner Zeugnisse steht statt Sven Seven.“ Da lag der Firmenname nahe, mit dem sich die Produktentwickler im März 2017 selbstständig gemacht haben. „Irgendwann habe ich zuhause gestanden und mir bewusst gemacht, dass wir als dreiköpfige Familie pro Woche einen gelben Sack mit Kunststoffmüll füllen“, erinnert sich Katja Seevers. „Danach habe ich versucht, Ware ohne Verpackung zu kaufen.“ Das reduzierte die Müllmenge um zwei Drittel. „Aber Kosmetik, Klopapier oder Waschmittel bekommt man nur in Kunststoffverpackungen.“

Das muss nicht sein, entschieden die Unternehmer und suchten nach einer Alternative. Die fanden sie mit einem Hersteller, der Folie aus Cellulose herstellt. „Zellophan war früher ein gängiges Produkt“, so Katja Seevers. Es wurde 1908 in der Schweiz entwickelt und besteht vollkommen aus erdölfreien nachwachsenden Rohstoffen. In den 50er Jahren wurde es durch die günstigeren Kunststoffe aus Erdöl ersetzt. Als bei den Unternehmern aus Hamburg die Idee keimte, den ganzheitlichen Denkansatz nicht nur bei Produkten, sondern auch bei den Verpackungen einzuführen, fanden sie mit der Cellulose-Folie das geeignete Material und entwickelten daraus ihre erste Verpackung.

„Repaq ist eine mineralölfreie bedruckbare Folienverpackung, die nachweislich 100 Prozent biologisch kreislauffähig ist“, betont Katja Seevers. „Den Rohstoff für Repaq liefern Rest- und Abfallhölzer aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft. Dabei werden ausschließlich gentechnikfreie, schnell wachsende Pflanzen genutzt.“ Repaq besteht zu 99 Prozent aus nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen - 90 Prozent Cellulose, fünf Prozent Glycerin und vier Prozent Wasser. Ein Prozent entfällt auf Bindemittel. Glycerin besteht aus Ölen und Fetten und ist Bestandteil jeder lebenden Zelle. „Unsere Folie sieht aus wie Kunststofffolie, fühlt sich auch so an, ist aber kompostierbar und zersetzt sich nach 42 Tagen vollständig.“

Der Stoff, der der Natur entnommen wird, kehrt am Ende als Wasser, CO2 und Biomasse dahin zurück. Geprüft wurde seine Verträglichkeit von einem Tochterunternehmen des Tüv. „Unter anderem wird das kompostierte Material an Regenwürmer verfüttert und so auf Toxizität untersucht.“ Die organische Folie bekam den Würmern gut und brachte Superseven das Zertifikat der Heim- und Gartenkompostierbarkeit ein.

Bio-Nüsse in der Tüte

„Wir bekommen die Folie vom Hersteller und entwickeln daraus für unsere Kunden individuelle Verpackungen“, beschreibt Katja Seevers ihre Aufgabe. „Beispielsweise gehört ein Hersteller von Biozahnbürsten zu unseren Kunden, der die Bürsten konsequenterweise auch ökologisch verpacken wollte.“ Ein weiteres Beispiel sind Bio-Nüsse in einer abbaubaren Folientüte. Derzeit arbeitet das Start Up-Unternehmen an kompostierbaren Bio-Salatverpackungen. „In den letzten zehn Jahren hat sich unser Bewusstsein für Material gewandelt“, hat die Unternehmerin beobachtet. Angesichts von Plastikmüll in den Meeren und Mikroplastik im Organismus sehen die Wentorfer die Zeit gekommen, auch bei Verpackungen umzudenken.

Noch ist das Produkt der Großindustrie schwer vermittelbar, denn die Cellulose-Folie ist zwei- bis dreimal teurer als erdölbasierte Kunstofffolien. „Aber unsere Folie ist ethisch einwandfrei und damit ein starkes Marketingargument“, ist Katja Seevers überzeugt. „Sie wird mit ökologischen Farben bedruckt, ist erdölfrei und antistatisch. Außerdem ist sie wasserfest, bietet natürlichen UV-Schutz und hat eine Barrierewirkung gegen Erdöl von 70 Monaten.“

Schwierig ist es, sich mit der Entsorgungswirtschaft zu einigen. „Unsere Folie könnte in die Biotonne, die Sortiermaschinen erkennen aber nicht den Unterschied zur Plastikfolie.“ Hier gelte es, gemeinsam mit der Abfallwirtschaft eine Lösung zu entwickeln. „Wir haben unser Unternehmen aus einer Philosophie heraus gegründet“, betont Katja Seevers. Statt immer mehr Verpackungsmüll zu produzieren, sollten Wege gefunden werden, ihn zu vermeiden. Die Ideen von Superseven mit Standorten in Wentorf und Berlin haben schon eine Reihe von Kunden überzeugt. „2017 haben wir mehr Umsatz gemacht als geplant“, sagt Katja Seevers, „Ende 2018 rechnen wir mit schwarzen Zahlen.“

Infos unter www.repaq.de

DIE GRÜNDER:

Katja (46) und Sven Seevers (48) sind wie auch Hannes Füting (38) Produktdesigner. Sie entwickeln Verpackungen, die individuell gestaltet werden und umweltverträglich sind.

DAS ZIEL

Durch kompostierbare Verpackungen soll die Umweltbelastung durch Kunststoffmüll nachhaltig reduziert werden. Eine Tüv-Abnahme garantiert objektive Standards.Firmengründer können sich in drei Kategorien bewerben. Der mit 5000 Euro dotierte LN-Existenzgründerpreis, gestiftet von Juwelier Mahlberg, ist für Unternehmer gedacht, die die ersten Hürden überwunden und sich erfolgreich am Markt etabliert haben.

DIE IDEE

Wenn Produkte verpackt angeboten werden, sollte die Verpackung biologisch abbaubar sein, um die Plastikverschmutzung der Umwelt und die Belastung des Organismus durch Mikroplastik zu reduzieren. Verpackungsmüll Größter Einsatzbereich für Kunststoffe bleiben die Verpackungen. 35,2 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Kunststoffe wurden 2015 hier eingesetzt. 2015 fielen in Deutschland knapp 5,92 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Etwa 84,5 Prozent davon entstanden nach dem Gebrauch der Kunststoffe. Von Kunststoffabfällen aus privaten Haushalten wurden 41,7 Prozent stofflich verwertet, 7,5 Prozent mehr als 2013, von den Kunststoffabfällen aus dem gewerblichen Endverbrauch nur 33,5 Prozent. www.bundesumweltamt.de

DER PREIS

Mit dem LN-Innovations- und Mutmacherpreis (Preisgeld 3000 Euro) sollen frische Ideen gefördert werden. Hier kommt es nicht unbedingt auf den erreichten Erfolg an, sondern auf Kreativität und den Mut, eine Idee zu verwirklichen.

Jetzt kommt eine dritte Kategorie hinzu: Der LN-Nachfolgepreis (3000 Euro, gestiftet von der Bockholdt KG) soll einem Unternehmen zugute kommen, das den Generationswechsel auf besonders gelungene Weise bewältigt. Bewerbungsunterlagen gibt’s unter www.LN-Existenzgruenderpreis. de. Bis Ende Februar läuft die Frist. Schirmherr Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. Haben Sie ein neues Unternehmen? Machen Sie mit!

Von Bettina Albrod