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Stormarn Surreale Kunstwerke mit viel Fantasie in der Galerie BOart
Lokales Stormarn Surreale Kunstwerke mit viel Fantasie in der Galerie BOart
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19:00 04.10.2019
Die Malerin Sonja Reiche mit ihrem bisher größten Bild "Das Verschweigen". Quelle: SUSANNA FOFANA
Bad Oldesloe

Malen ist für die Oldesloerin Sonja Reiche eine Leidenschaft. „Ich könnte jeden Tag malen. Mir gehen auch nie die Ideen aus“, berichtet sie begeistert. Generationenkonflikte, Schuld, Verschweigen, Rebellion, Idealismus oder Wandel sind ihre Themen bei intuitiver Malerei und Cartoon Art. Viele Gäste besuchten ihr Atelier im Rahmen der Stormarner KunstOrte. Dort gab es einen Querschnitt ihrer Werke. Die meisten der neuen Bilder zeigt sie allerdings erst bei ihrer Einzelausstellung in der Bad Oldesloer Galerie BOart, die nach ihrem Bild „Schwarz bin ich nackter“ benannt ist.

Die Malerin Sonja Reiche signierte mit dem Künstlernamen „BO“, bevor sie nach Bad Oldesloe zog. Mit der Stadt oder der Galerie BOart, in der sie ab Sonntag ausstellt, hat der Name nichts zu tun.

Auch dieses Werk hat seinen Ursprung im Spannungsfeld zwischen den Generationen. Die negative Resonanz ihrer Umgebung auf ihre überwiegend schwarze Kleidung in einer jungen Lebensphase spiegelt sich darin wieder. Ihre schwarze Kleidung wurde von den anderen als Provokation empfunden. „Warum trägst Du schwarz?“, wurde sie immer wieder gefragt. Und: „Warum stört Dich das?“, lautete ihre Gegenfrage darauf. Ein typisches Konfliktfeld zwischen den Generationen, wenn die einen, auch durch anderes Aussehen, zu sich selbst finden wollen, und es dem Umfeld schwerfällt, dies zu akzeptieren.

Ein Typ bekam das Gesicht des Giftfisches Petermännchen

Ein Foto von dem Giftfisch Petermännchen aus den Lübecker Nachrichten inspirierte Reiche zu dem Bild „Das Verschweigen“. „Als ich den Fisch gesehen habe, wusste ich sofort, was ich malen will. Das Gesicht ist grandios und einfach nicht zu toppen. Das musste ich unbedingt verarbeiten. So funktioniert es mit der Inspiration.“ Sie verpasste das Fisch-Gesicht einem undurchsichtigem Typen. Ihm gegenüber steht ein selbstbewusstes Mädchen mit einem Hund. Einige Besucher im Offenen Atelier dachten bei dem Bild gleich an Gert Fröbe und den Film „Es geschah am helllichten Tag“. Diese Interpretation hat Reiche schon oft gehört: „Viele Leute denken, es geht um einen Mitschnacker.“ Doch dann weist sie die Betrachter darauf hin, dass das Mädchen ja einen Hund habe, der für ihre Sicherheit sorgt.

Vieles ließe sich in dieses Bild hineininterpretieren. Selbst der Klimawandel. Doch als Idee steckt hinter „Das Verschweigen“, in dem das Mädchen offensichtlich Antworten erwartet, eine sehr persönliche Geschichte. „Es ist eines der letzten Bilder, die ich gemalt habe und mein größtes bisher“, sagt die Künstlerin. Das eindrucksvolle Bild kommt mit in die BOart-Ausstellung. Ebenso wie „Die Häutung“, bei der Reiche selbst an Reptilien denkt, an Phasen des Lebens, die man abstreift.

In den Hintergrundfarben entdeckt sie Augen oder Figuren

„Es gibt Bilder, bei denen ich nicht von vorn herein weiß, was ich male“, berichtet sie. Sie gestalte den Hintergrund mit einer oder mehreren Farben, gehe mit dem Spachtel oder Pinsel darüber. Reiche: „Dann gucke ich das Bild an, ob es mit mir spricht.“ Sie verrät: „Ganz häufig sind es Augen, die ich darin sehe, oder Figuren.“ Manches Mal drehe sie das Bild, um es aus einer anderen Perspektive zu betrachten. „Dann sehe ich plötzlich einen Hund. Ich drehe das Bild so lange, bis ich etwas entdecke, was mich interessiert.“ Das versuche sie dann herauszuholen.

Und so entstehe dann ein Pelikan, der einem Typen mit einem Schwung aus dem Arm wächst. „Große My“ nannte sie dieses fantasievolle Bild, dass sie an Motive aus dem Kinderbuch von Tove Jansson erinnert. Dieses Bild entstand 2016, als Reiche sich der Malerei wieder intensiver widmete und endlich eigene Sachen auf die Leinwand brachte. Und das exzessiv. Zuvor hatte sie eher andere Maler kopiert. „Beckmann war ein grandioser Lehrer“, hat sie festgestellt. Von ihm habe sie viel gelernt. Allerdings bevorzugt sie selbst Acrylfarben statt Öl.

Die Signatur „BO“ hat nichts mit Bad Oldesloe zu tun

Ihr Künstlername „BO“, mit dem sie ihre Bilder signiert, hat übrigens nichts mit Bad Oldesloe oder der Galerie BOart zu tun, in der Reiche zum Produzententeam gehört, sondern mit einem anderen Lieblingsmaler. Mit „SAM.“, Nils Koppruch, mit dem Sonja Reiche in Hamburg einige Begegnungen hatte. Von ihm gibt es einen Bildzyklus „Bo und Hernanda“. Als Sonja Reiche 2016 wieder auf seinen Namen stieß, stellte sie fest, dass er gestorben war. Der Tod des Hamburger Malers und Musikers löste etwas in ihr aus: „Dadurch bin ich wieder zum Malen gekommen.“ Und sie befasste sich zudem erneut mit der Cheap-Art-Bewegung, die „SAM.“ so wichtig war.

Die Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Schwarz bin ich nackter“ ist vom 6. bis 25. Oktober in der Galerie BOart, Mühlenstraße 9 in Bad Oldesloe, zu sehen. Begleitet wird die Malerei von Sonja Reiche von der Oldesloer Lyrikerin Barbara Schleth mit „Stolperversen“. Die Vernissage ist am Sonntag ab 15 Uhr. Zur Eröffnung spricht Michael Joehnk. Geöffnet ist Mittwoch von 11-18 Uhr, Donnerstag und Freitag von 15-18 Uhr und Sonnabend von 11-14 Uhr.

Studiert hat sie Kunst nie, sondern unter anderem Germanistik mit Schwerpunkt Medien sowie Journalistik. Ihr Geld verdient sie als selbstständige Grafik- und Webdesignerin – und bisher noch nicht mit der Malerei. Reiche: „Ich habe immer Lust zu malen. Ich lasse dafür andere Freizeit weg.“ Viele Jahre lebte sie in Hamburg, zog 2011 nach Lasbek und Anfang dieses Jahres nach Bad Oldesloe. Ihr Atelier in der Kreisstadt hat sie bereits seit zwei Jahren. Doch zum Herbst will sie den großen Raum in der City aufgeben und fortan von zu Hause aus malen. Ihr ist es wichtig, etwas Neues zu erschaffen. Und so folgt sie ihrer Fantasie und mixt die Kunststile, wie es ihr gefällt.

Weitere Infos: www.cheap-art-gallery.de

Von Susanna Fofana

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