Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Tag der Amokdrohung: Polizei zeigt Präsenz
Lokales Stormarn Tag der Amokdrohung: Polizei zeigt Präsenz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:09 12.03.2015
Quelle: jeb
Bargteheide

Solche Szenen kennt man eigentlich nur aus dem Fernsehen. Schwer bewaffnete Polizisten stehen vor der Schule, beobachten argwöhnisch alle Schüler, die in die Schule kommen. Einige von ihnen werden angehalten, um deren Taschen und Rucksäcke zu kontrollieren.

Hintergrund war eine Drohung, die Schüler am 5. März an einer Toilettentür im Kopernikus Gymnasium entdeckt hatten. Darin wurde für den 12. März ein Amoklauf angekündigt. Mit diversen Funkstreifenwagen zeigte die Polizei heute nun deutlich ihre Präsenz am Schulzentrum. Und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um eine ernst gemeinte Drohung handelte, eher als sehr gering eingeschätzt wurde.

Polizisten kontrollieren am 12. März 2015 am Eingang des Kopernikus Gymnasiums in Bargteheide (Schleswig-Holstein) die Taschen von Schülern.

Natürlich war die Verunsicherung unter den Eltern, aber auch unter den Schülern groß. „Ich habe in den vergangenen Tagen mit vielen besorgten Eltern telefoniert“, sagte Schulleiterin Brigitte Menell. Nach einer Absprache mit Polizei und Stadt aber hatte sich die Schule entschieden, den Unterricht nicht ausfallen zu lassen. Doch nur etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler des Kopernikus Gymnasiums war gestern zum Unterricht erschienen. „Letztlich können Eltern für ihre Kinder entscheiden, ob die Gefahr für sie zu groß ist und ihre Kinder an diesem Tag zu Hause behalten“, so Schulleiterin Mendell. Disziplinarische Maßnahmen wegen des Fehlens vom Unterricht an diesem Tag dürften die Schüler also nicht erwarten.

„Natürlich nehmen wir die Drohung ernst. Wir müssen jedes noch so kleine Risiko ausschließen und sind deshalb auch in einer angemessenen Stärke vor Ort“, so die Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg, Sonja Kurz. Bislang, so Kurz, gebe es noch keine Hinweise auf den oder die Urheber der Drohung.

Sämtliche Taschenkontrollen der Polizeibeamten verliefen negativ, bis auf eine. Bei einem Schüler fand ein Beamter ein so genanntes Multitool, einer Kombination aus Taschenmesser und diversen Werkzeugen wie Schraubendreher oder Minizange und Hilfsmitteln wie Flaschenöffner oder Korkenzieher. Der Beamte stellte das Teil sicher und notierte die Personalien des Schülers. Ob der Schüler das Teil nach Unterrichtsende wieder bekommt, blieb unklar.

Auch an der Anne Frank Gemeinschaftsschule, der Emil Nolde Grundschule und der Dietrich Bonhöfer Gemeinschaftsschule Schule patrouillierte die Polizei, sicherte die Eingänge und kontrollierte die Schüler. Und auch an diesen Schulen blieben zum Teilmehr als die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler zu Hause. Ein übervorsichtiger Vater hatte sein Kind sogar gleich für drei Tage an der Anne-Frank-Schule abgemeldet. Das aber ist ein Einzelfall geblieben. 

Bereits im Januar hatten Unbekannte per E-Mail einen Amoklauf am Schulzentrum Glinde und an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in Barsbüttel angekündigt. Auch damals war die Polizei mit einem größeren Aufgebot vor Ort. Trotz erheblicher Bemühungen, den Absender Der Mail zu ermitteln, blieb die Suche erfolglos. Inzwischen bestätigte die Polizei, dass die Ermittlungen in diesem Fall eingestellt worden sind.  

jeb