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Stormarn Tödlicher Streit am Flüchtlingsheim
Lokales Stormarn Tödlicher Streit am Flüchtlingsheim
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20:27 20.02.2017
Die Spezialisten aus Lübeck waren bis in die Nacht hinein mit der Spurensuche an Ort und Stelle beschäftigt. Quelle: jeb
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Bad Oldesloe

Am späten Sonntagabend ist es in Bad Oldesloe in der Mommsenstraße zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Männern gekommen, in deren Verlauf ein 22- jähriger Iraker getötet wurde. Ein 21-jähriger Mann aus Afghanistan, der als dringend tatverdächtig gilt, wurde noch in der Nähe des Tatortes vorläufig festgenommen. Die Lübecker Staatsanwaltschaft und die Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion Lübeck nahmen noch in der Nacht zu gestern die Ermittlungen auf.

„Gegen 21.15 Uhr wurden Polizei und Rettungskräfte zum Tatort gerufen, da dort ein schwer verletzter Mann vor einem Haus lag“, erklärte Polizeisprecher Stefan Muhtz. Bei diesem Mann handelte es sich um einen 22-jährigen Iraker, der trotz intensiver Bemühungen des Rettungsdienstes seinen schweren Verletzungen erlag. Als dringend tatverdächtig gilt ein 21-Jähriger aus Afghanistan. Polizeibeamte nahmen den Mann in seiner Wohnung in der Nähe des Tatortes vorläufig fest. Der Afghane leistete dabei keinen Widerstand. Die Tatwaffe, ein Messer, fanden die Beamten neben dem Getöteten auf dem Gehweg. Eine Kreide-Markierung deutete gestern früh auf den Fundort hin.

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Zwischen den beiden Männern war es offenbar am Abend zu einem Streit gekommen. Ursprünglich seien der Getötete und der Tatverdächtige gemeinsam in dem Haus für Asylbewerber an der Mommsenstraße untergebracht worden, doch der Iraker habe sich nur selten dort aufgehalten, hieß es von der Polizei. Er habe vielmehr viel Zeit bei einer befreundeten Frau verbracht und sei nur gekommen, um dort seine Post abzuholen.

„Auch am Sonntagabend wollte der 22-Jährige seine Post dort abholen“, erklärte Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst. Mitbewohner in dem Haus an der Mommsenstraße unweit des Bad Oldesloer Bahnhofs hatten die Auseinandersetzungen der beiden Männer mitbekommen, die Streitenden bereits getrennt und anschließend den Iraker aus dem Haus geleitet. Der vermeintliche Täter kehrte zunächst in sein Zimmer zurück.

Weil nun aber der Iraker seine Uhr bei dem Streit im Haus verloren hatte, drehte er um und ging noch einmal in das rote Backsteingebäude zurück. Wieder gerieten die beiden jungen Männer aneinander, verließen bei ihrer Auseinandersetzung aber das Haus. Dort zückte der Afghane offenbar ein Messer und verletzte den 22-Jährigen damit tödlich. Auf dem Gehweg gegenüber des Hauses brach der Iraker zusammen.

Der Tatverdächtige gab in einer ersten Vernehmung zu, dem Kontrahenten die tödlichen Verletzungen zugefügt zu haben, erklärt Polizeisprecher Muhtz. Dabei soll er, so Oberstaatsanwältin Ulla Hingst, dem Iraker mit einem Messer in den Hals gestochen haben. „Er schildert zwar, dass der 22-Jährige auf ihn zugekommen sei, beruft sich aber nicht auf Notwehr“, so Hingst. Um was für ein Messer es sich bei der Tatwaffe handelte, konnte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck nicht sagen. Das Messer soll in der Küche gelegen haben.

Der Tatverdächtige sollte gestern im Verlauf des Tages dem Haftrichter am Amtsgericht Lübeck vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl wegen Totschlags beantragt.

Von Jens Burmester

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